Wem sollen die Roboter gehören

Neues aus der Zukunft ist einer der wenigen deutschen Newsletter, die ich lese. In der aktuellen Ausgabe geht es im Beitrag Wem sollen die Roboter gehören um die sich ändernde Arbeitswelt, in der Roboter oder KI-Algorithmen mehr und mehr Arbeit verrichten, die bislang von Menschen ausgeübt wurde (und die dafür Lohn für ihren Lebensunterhalt erhielten).

Für mich ist ja die Frage, ob die erhöhte Produktivität bei jedem einzelnen Arbeitsschritt wirklich der einzige Grund für die zunehmende Automatisierung ist. So wird es jedenfalls oft dargestellt, aber man könnte es auch so sehen:

Rechnet man den gesamten Automatisierungsaufwand ein, sind Roboter und KI-Algorithmen vielleicht gar nicht produktiver. Aber eins passiert zusätzlich zu gesteigerter Produktivität: die Besitzer der Roboter und Algorithmen brauchen keine Löhne mehr zu zahlen (oder eben insgesamt weniger). Dem Eigner einer Firma bleibt immer die Marge (sprich: Verkaufserlöse minus Kosten), aber im Falle von Robotern und KI-Algorithmen fallen haufenweise Kosten weg. Das, was vorher an Löhnen gezahlt wurde, wird nun zu größerer Marge. Es findet eine Umverteilung von Löhnen aller Mitarbeiter auf Marge für den Besitzer statt.

Dem stehen natürlich Anschaffungs- und Wartungskosten für Roboter und Algorithmen gegenüber. Aber ich vermute, dass rechnet sich trotzdem sehr gut.

Und: Roboter und Algorithmen laufen rund um die Uhr. Menschliche Arbeiter und Angestellte jeweils nur 8 Stunden. Das ist dann wirklich erhöhte Produktivität, und noch mehr eingesparter Lohn (im Vergleich zu 3 Schichten).

Und da liegt das Problem für die Gesellschaft:

Whoever owns the capital will benefit as robots and AI inevitably replace many jobs. If the rewards of new technologies go largely to the very richest, as has been the trend in recent decades, then dystopian visions could become reality.

Eine Lösung wäre, dass die Roboter und Algorithmen vielen oder allen gehören: dann würden mehr Leute passive Einkommen und mehr Freizeit haben. Das wäre eine tolle Zukunft.

Aber dass es so kommen wird, ist zweifelhaft. Wir brauchend dafür eine gesellschaftsweite Diskussion und einen Staat, der nach der Diskussion entschlossen handelt – eventuell auch gegen die Interessen einiger spezieller Eliten, denen sonst alle Menschen ersetzenden Roboter und Algorithmen gehören, weil sie sich das Zeug leisten können:

Die Antwort darauf ist: Die Gesellschaft muss sich wandeln, der “Wert” eines Menschen muss zwangsläufig von seiner Arbeitsleistung entkoppelt werden. Wenn der oben beschriebene Kreislauf zumindest halbwegs weiterlaufen soll, brauchen wir ein neues Modell, das allen Bürgern eine Teilhabe bietet. Ob das nun ein bedingungsloses Grundeinkommen ist, eine kluge Antwort auf die Frage “Wem sollen die Roboter gehören?” oder aber etwas völlig Anderes — das sollte diskutiert werden.

Und genau das will auch der Denkpass erreichen: dass wir uns alle der schönen neuen Welt bewusst werden, auf die wir mit Tempo 180 zurasen und darüber reden, wie sie aussehen soll.

Der letzte Tag im Leben eines Menschen

“Musa” – The New Yorker

The days blurred into an interminable single day, like a broad, deep valley I meandered through. The last day of a man’s life doesn’t exist. Outside of storybooks, there’s no hope, nothing but soap bubbles bursting. That’s the best proof of our absurd existence, my dear friend: no one is granted a final day, only an accidental interruption of life.

White-Collar-Jobs bedroht?

Quelle: You Really Don’t Need To Work So Much – The New Yorker, als Antwort auf eine New York Times Front-Page-Story über die Arbeitsbedingungen1 für white-collar-Angestellte2 bei Amazon:

Once upon a time, it was taken for granted that the wealthier classes enjoyed a life of leisure on the backs of the proletariat. Today it is people in skilled trades [in other words: blue-collar] who can most find reasonable hours coupled with good pay; the American [white-collar] professional is among those subject to humiliation and driven like a beast of burden.

Sind das die ersten Anzeichen dafür, dass es nun die white-collar jobs sind, die demnächst automatisiert und ersetzt werden? Kommt daher die Verachtung für die Menschen, in dem Wissen, dass sie bald überflüssig sind?

Halt halt, nicht so schnell. Ist ja nur eine Firma, um die es hier geht. Oder?

Aber Amazon ist ja nun gerade an der vordersten Front, was Automatisierung angeht: alle üblichen Aufgaben werden dort zerlegt in einen Teil, der von KI-Algorithmen übernommen wird, und einen anderen Teil, der aus einfachsten Arbeiten besteht, die von wenig gebildeten Mindestlohn-Jobbern übernommen wird, bevor selbst diese Arbeit von Robotern ausgeführt wird (an den Robotern arbeitet man noch).

 

 


  1. Bei Amazon, so die Story der New York Times, werden Mitarbeiter abrupt gefeuert, weinen erwachsene Männer und Frauen an ihren Schreibtischen und werden Mitarbeiter dafür runter gemacht, dass sie nach Mitternacht nicht auf Mails antworten. 
  2. Falls das jemand nicht weiß: White collar bedeutet weißer Kragen und bezieht sich auf Jobs, wo man weiße Hemden trägt (also Büro und so). Blue Collar bedeutet blauer Kragen und bezieht sich auf Jobs, wo man blaue Kragen, also Overalls, trägt (also hauptsächlich Werkstatt etc.). 

The Three-Body Problem - Cixin Liu, Luke Daniels

Is it possible that the relationship between humanity and evil is similar to the relationship between the ocean and an iceberg floating on its surface? Both the ocean and the iceberg are made of the same material. That the iceberg seems separate is only because it is in a different form. In reality, it is but a part of the vast ocean…

Original post:
denkpass.booklikes.com/post/1232751/post

Das Ende des Internettraums

The end of the Internet dream von Jennifer Stisa Granick ist einer der wichtigsten Artikel, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es geht darum, dass sich das Internet von einem Werkzeug der Freiheit in ein Werkzeug der Unterdrückung verwandelt. Und wenn wir das so nicht gut finden, dann ist jetzt der Zeitpunkt, wo wir es ändern müssen.

Was haut denn nicht hin beim Internet heutzutage?

• You won’t necessarily know anything about the decisions that affect your rights, like whether you get a loan, a job, or if a car runs over you. Things will get decided by data-crunching computer algorithms and no human will really be able to understand why.

• The Internet will become a lot more like TV and a lot less like the global conversation we envisioned 20 years ago.

• Rather than being overturned, existing power structures will be reinforced and replicated, and this will be particularly true for security.

• Internet technology design increasingly facilitates rather than defeats censorship and control.

Moderne Technologie hat uns ins Goldene Zeitalter der Überwachung geführt. Vergesst die Amateure von Stasi und Gestapo, das waren Amateure. Wenn Du die Leute perfekt überwachen willst, musst Du sie dazu bringen, es selber zu tun. Lass sie ihre Daten selber sammeln!

Dafür haben wir all die Auswertung von unseren Klicks, unseren Lese- und Surfgewohnheiten von Facebook und Google. Dazu sammeln wir selber immer mehr Daten über uns, im Rahmen von Quantified Self und mithilfe des Internet of Things (IoT). Das landet alles in der Cloud:

The cloud is actually a finite and knowable number of large companies with access to or control over large pieces of the Internet. It’s Level 3 for fiber optic cables, Amazon for servers, Akamai for CDN, Facebook for their ad network, Google for Android and the search engine. It’s more of an oligopoly than a cloud. And, intentionally or otherwise, these products are now choke points for control, surveillance and regulation.

Wir haben im Internet derzeit drei Trends, die uns bedenklich stimmen sollten, so Granick: Zentralisierung, Regulierung und Globalisierung.

Centralization means a cheap and easy point for control and surveillance.

Regulation means exercise of government power in favor of domestic, national interests and private entities with economic influence over lawmakers.

Globalization means more governments are getting into the Internet regulation mix. They want to both protect and to regulate their citizens. And remember, the next billion Internet users are going to come from countries without a First Amendment, without a Bill of Rights, maybe even without due process or the rule of law. So these limitations won’t necessarily be informed by what we in the U.S. consider basic civil liberties.

Was also tun?

We start to think globally. We need to deter another terrorist attack in New York, but we can’t ignore impact our decisions have on journalists and human rights workers around the world. We strongly value both.

We build in decentralization where possible: Power to the People. And strong end to end encryption can start to right the imbalance between tech, law and human rights.

We realize the government has no role in dictating communications technology design.

We start being afraid of the right things and stop being driven by irrational fear. We reform the CFAA, the DMCA, the Patriot Act and foreign surveillance law. We stop being so sensitive about speech and we let noxious bullshit air out. If a thousand flowers bloom, the vast majority of them will be beautiful.

Und vielleicht auch akzeptieren, dass nicht alles umsonst sein kann im schönen neuen Web. Denn die meiste Gefahr entsteht, weil wir alles umsonst konsumieren wollen und bereit sind, dafür die Hoheit über unsere eigenen Daten abzugeben. Und genau deswegen, weil unsere Daten in der Cloud sind, entstehen ja gerade die meisten hier beschriebenen Gefahren.

Was denkt ihr, was wir tun sollten?

Link zum Artikel: The end of the Internet dream von Jennifer Stisa Granick

Like or not

Interessanter Gedanke in einem Artikel über einen Film über David Foster Wallace:

An increasing problem in our culture is the inability for people to accept other people carrying two opposing thoughts at the same time, and the notion of pushing the “Like” button on everything — or shutting people down for voicing opinions you don’t agree with — is something David would have certainly bristled at, especially as someone who could be a demanding and decimating critic.

So weit ist es durch die Effekte des Internets mit der Diskussionskultur in unserer doch eigentlich freien Gesellschaft also gekommen: entweder wir „liken“ etwas, oder wir wollen es komplett ausradieren: demjenigen das Maul zunageln, ihn verbuddeln, mit Asphalt übergiessen und eine Autobahn drüber bauen, auf dass er oder sie nie wieder zu hören sei. Und alles nur, weil sie eine andere Meinung hatten als wir selber.