Für uns oder gegen uns – Dogmatische Kommunikationskultur des Weltklimarats

Der Vorsitzende des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), Rajendra Pachauri, ist großem Druck ausgesetzt. Es geht um den Klima-Report des IPCC aus dem Jahre 2007, wo in einer Zeile des ungefähr 1000 Seiten langen Reports die Behauptung aufgestellt wurde, dass bei Fortsetzung des aktuellen Trends der Klima-Erwärmung die meisten Gletscher des Himalajas im Jahre 2035 abgeschmolzen seien.

Rajendra Pachauri (Bildquelle: Wikimedia.org)

Rajendra Pachauri (Bildquelle: Wikimedia.org)

Dies fanden einige Anrainerstaaten merkwürdig, und so gab es beispielsweise ein Forschungsprogramm, finanziert vom indischen Umweltministerium, das herausfand, das viele der Gletscher im Himalaja wachsen und sich bei sehr vielen anderen die Abschmelzgeschwindigkeit dramatisch verlangsamt. Daraufhin wurde diese Untersuchung vom Vorsitzenden des IPCC, Rajendra Pachauri, als Voodoo-Wissenschaft abgestuft. Vor einigen Tagen kam dann heraus, dass das IPCC selber nicht besonders hochwissenschaftlich vorgegangen ist: die Jahreszahl 2035 bezieht sich auf einen Zeitschriften-Artikel, der nicht peer-reviewed (also von anderen Wissenschaftlern geprüft) ist. Zudem bezieht sich dieser Artikel auf Forschungen eines russischen Wissenschaftlers, und enthält einen peinlichen Zahlendreher – denn der Russe sieht die Gletscher nicht in 2035, sondern erst in 2350 abschmelzen UND hat seine Zahlen seitdem noch weiter nach hinten korrigiert, so Spiegel Online.

Chef des Weltklimarats wenig einsichtig

Rajendra Pachauri hat damit überhaupt keine Probleme, scheint es. Er zieht weder eine Entschuldigung in Betracht, noch denkt Pachauri über Rücktritt nach, so die Financial Times, den mittlerweile sogar der Chef von Greenpeace fordert. Grund gäbe es, denn immerhin hat Pachauri mit seiner Aussage zur Voodoo-Wissenschaft gerade diesen Punkt genug polemisiert und er hat anscheinend von diesem Problem mit der Jahreszahl seit mehreren Monaten gewusst. In einem Interview mit der Financial Times geht Pachauri in seiner Polemik noch weiter:

  • zu seinen Kritikern: “das sind Betrüger der übelsten Sorte”
  • woher die Kritik kommt: “sorgfältig vorbereitet” von “gewissen Firmen”, die um ihre Profite fürchten
  • um was für Leute es sich dabei handelt: “das sind die selben Leute, die eine Verbindung zwischen Rauchen und Krebs verneinen, oder die sagen, Asbest ist so gut wie kosmetisches Puder – ich hoffe, sie machen das irgendwann in ihre eigenen Gesichter”
  • wie man damit umgehen soll: “alle rational denkenden Personen werden sich wegen dieses einen Fehlers nicht dazu verleiten lassen, das Kind mit dem Wasser auszuschütten”
  • sind weitere Fehler möglich: “es gibt keinen Grund”, das zu glauben, denn “ich glaube das unsere Prozeduren, so gut wie sie nunmal sind, keinen anderen Fehler zulassen würden”
  • aber wie genau wurde geprüft: “Es ist nicht als ob wir alles ein zweiter Mal mit einem feinen Kamm durchkämmt hätten, um Fehler zu finden.”
  • “Ich werde nicht aufgeben, auch wenn einige Leute das wollen. Ich werde ihren Wünschen nicht folgen.”

Die Aussagen vom Vorsitzenden des Weltklimarats lassen sich zusammengefasst so darstellen: alle Kritiker sind “Betrüger”, die von “gewissen Firmen” bezahlt werden, weil die um ihre Profite fürchten. Alle “rational denkenden Personen” werden deswegen nicht aufhören, an die Inhalte des Berichts zu glauben – womit ja sozusagen alle Kritiker, und alle, die nun kaum noch Vertrauen in den Bericht des IPCC haben, nicht “rational” denken können. Die Prozeduren des IPCC sind gut genug, um jeden anderen Fehler zu vermeiden – außer diesen mit den Gletschern im Himalaja, wobei es aber laut Aussage Pachauris nicht so ist, dass irgendwas mehrfach gecheckt wurde. Auch an Rücktritt sei nicht zu denken, denn man hat das Gefühl, Pachauri wähnt sich auf einer göttlichen Mission, die nur eine höhere Macht beenden kann.

Ist Kommunikation das Problem der Umweltschützer?

Nun mag man der Klimaerwärmung gegenüber stehen, wie man will. Ich bin eher skeptisch, ob wir Menschen das alles verschuldet haben oder sich einfach das Klima des Planeten ständig ändert. Deswegen bin ich aber NICHT dafür, überall die Umwelt zu verdrecken und mit Müll zu beladen, oder sorglos mit Ressourcen umzugehen. Ich kann es bloß nicht leiden, wenn man mir vorschreibt, was ich denken soll. Ich bin am besten zu überzeugen, indem alle meine offenen Fragen beantwortet werden – statt mich als Feind hinzustellen, nur weil ich Fragen habe. Von dieser Art Kommunikation hatte ich in der DDR genug – und mir kommt es so vor, als ob die Diskussion rund um den menschlichen Beitrag zur Klimaerwärmung von den Überzeugten ähnlich geführt wird wie Diskussionen um unsere Gesellschaft in der DDR:

  • Du bist für uns – oder Du bist gegen uns.
  • Wenn Du gegen uns bist, kannst Du nicht rational denken.
  • Wenn Du gegen uns bist, bist Du ein Handlanger irgendwelcher kapitalistischen Firmen.
  • Wir haben immer Recht, also hüte Dich davor, Fragen zu stellen.
  • Diskutiere nicht rum, sondern glaube, was wir Dir sagen.
  • Das Denken kannst Du getrost uns überlassen – wir wissen so ohnehin besser und entscheiden für Dich, was gut und schlecht ist.

Solange die Diskussion in dieser Art und Weise geführt wird, werde ich skeptisch bleiben. Solange das IPCC keine Untersuchung einleitet, die prüft, welche anderen Aussagen im Bericht des IPCC nicht gehalten werden können, werde ich skeptisch sein.Und solange Rajendra Pachauri nicht verstehen will, welche Verantwortung für die Integrität seines Institutes und dessen Berichte er als Vorsitzender hat, braucht sich auch niemand wundern, dass die Skeptiker immer mehr werden.

Forderungen ans IPCC

Die Financial Times fordert in einem Editorial folgendes vom IPCC: Zum einen eine unabhängige Untersuchung des IPCC-Berichts von 2007, der von allen Thesen befreit werden sollte, die nicht beweisbar sind. Die Untersuchung sollte sich auch mit der Entscheidung des IPCC auseinandersetzen, nur Aussagen aufzunehmen, die im Rahmen eines wissenschaftlichen Konsens liegen. Ist es wirklich richtig, wissenschaftlich geprüfte, aber weitab liegende Untersuchungen zu unterdrücken, wenn das nur dazu führt, dass Klima-Skeptiker von einer frisierten Meinung sprechen? Außerdem beschweren sich viele Klimaforscher darüber, dass viele der Behauptungen des Klimaskeptiker nicht wissenschaftlich geprüft seien – alles was künftig in den Report kommt, muss geprüft sein. Und das IPCC muss seine gesamte Kommunikation überdenken – ein bisschen mehr Bescheidenheit dürfte auch dem Vorsitzenden Rajendra Pachauri gut tun.

Wir-Denken: Auf dem Weg zur Schwarm-Intelligenz

Das Internet hat uns auf unvorstellbare Art und Weise miteinander vernetzt. Wir lesen Blogs und betreiben selber welche, wir halten uns gegenseitig mit Twitter auf dem Laufenden und organisieren damit Revolutionen, wir schreiben unser Wissen in Online-Enzyklopädien und stellen unsere Fotos online. Wir gehen nicht mal mehr zur Bank, und vereinbaren mit dem Bürgeramt, immerhin eine zutiefst bürokratische deutsche Behörde, online Termine. Das Web ist so mächtig, dass es alles beeinflusst, was wir machen. Es ändert unser Leben, zum Guten wie zum Schlechten, und diese Entwicklung ist irreversibel.

Vernetzt durchs Internet: Erreichen wir die nächste Stufe unserer Existenz?

Einer der größten Vorteile ist die Vernetzung. Wir können kostenlos und mit wenigen Klicks ein globales Netzwerk an Freunden aufbauen und unterhalten. Wir können unsere Freunde mit Skype kostenlos weltweit anrufen, sie per eMail umsonst mit Informationen bespielen und ihren Aktivitäten auf Facebook folgen. Das Internet ist eine Plattform zum Teilen: Gefühle, Aktionen, Artikel, Fotos, Musik, Dienstleistungen, Ideen – wir teilen alles, so sehr wie keine Generation vor uns es jemals tat.

All das führt zu mehr Zusammenarbeit und Informationsaustausch, zu globaler Kollaboration. So gesehen ist das Internet unsere bislang beste Chance zur Bildung einer menschlichen Schwarm-Intelligenz. Das ist in keinster Weise negativ gemeint: Termiten beispielsweise sind in der Lage, Bauwerke zu errichten, die auf menschliche Maßstäbe hochgerechnet, mehr als 3.000 Meter hoch sind. Sie tun dies alles ohne Studium, ohne Projektmanagement-Software, ja sogar ohne ein einziges gottverdammtes Handy. Was sie in die Lage versetzt, ist ihre Schwarm-Intelligenz. Die macht aus tausenden kleiner blöder Viecher eine Hochkultur, die in der afrikanischen Savanne monumentale Wolkenkratzer mit Lüftungskonzepten, Fluchtwegen und Nahrungskammern errichtet.

Termitenhügel: Im Schwarm intelligenter? (Quelle: New York Public Library nypl.org)

Termitenhügel: Im Schwarm intelligenter? (Quelle: New York Public Library nypl.org)

Wir-Denken als neue Form des Denkens

In seinem Buch We-Think: Mass Innovation, Not Mass Production zeigt Charles Leadbeater unseren Weg in eine ähnliche Zukunft. Das Internet revolutioniert die Verbreitung von Informationen und Ideen, es demokratisiert sie: wir alle haben gleichermaßen Zugriff auf alle Informationen. Und wo der Informationsfluss gestört wird, suchen sich die Informationen ihren eigenen Weg. Deswegen lässt sich das Internet weder zensieren noch kontrollieren.

“Ich denke, also bin ich.”, sagte Rene Descartes im 17. Jahrhundert.

“Wir denken, also sind wir.”, sagen Menschen des 21. Jahrhunderts im Internet.

Die neue Form der vernetzten Zusammenarbeit, so Leadbeater, wird einige Industrien komplett umwälzen, andere Industrien leicht verändern und einige wenige Industrien überhaupt nicht berühren. Das Internet verändert aber auch unsere Gesellschaft. Es ermöglicht neue politische Plattformen (Piratenpartei) ebenso wie soziale Gerechtigkeit, zum Beispiel wenn sich Blogger gegen Abmahnungen wehren und die etablierten Medien das aufgreifen (Jack Wolfskin, Komsa, Deutsche Bahn).

Wie sieht es aus, das Wir-Denken?

Wir-Denken ist eine Form freiwilliger Kollaboration: Teile, Verfeinere und Verbreite Informationen. Das geschieht zum Beispiel in hervorragender Weise auf Wikipedia, wo mehrere hunderttausend Editoren nicht immer fehlerfrei, aber in dramatischer Geschwindigkeit Informationen zusammentragen, die denen kommerzieller Enzyklopädien gleich kommen. Wir-Denken läuft auf eine Auseinandersetzung mit dem alten, hierarchischen (Informations)system hinaus. Dabei wird die Kollaboration des Wir-Denkens nicht überall gewinnen. Am Ende wird es ein Spektrum geben mit Wir-Denken auf der einen Seite, und traditioneller Informations-Organisation, -Verarbeitung und -Verteilung auf der anderen.

Du wirst nicht nur darüber definiert, was Du besitzt. Du bist auch, was Du teilst. Das sollte unser Motto fürs nächste Jahrhundert sein.

Wir-Denken funktioniert aber nicht nur bei Wikipedia. Es klappt ebenso gut in der Wissenschaft (z.B. bei der Wormbase, einem Projekt zum Genome Mapping von C.elegans) oder bei Software, wo Linux durch Kollaboration freiwilliger Mitarbeiter entwickelt wurde. Diesen Projekte ist folgendes gemeinsam:

  • Kern hochmotivierter Mitstreitern mit viel Erfahrung, die eine Richtung vorgeben
  • nach einer Weile überlassen sie einen Teil der Aufgaben anderen, was die Community erschafft
  • Community öffnet sich für neue Mitstreiter und schlägt Konzepte und Werkzeuge vor
  • selbstregulierende soziale Struktur stellt sich ein (wobei der Kern oft viel Einfluss behält)

Die Mitstreiter nehmen an dieser Art von Projekten teil, weil es ihnen Spaß macht und sie von der Community Anerkennung erhalten (und ohne diese Anerkennung funktionieren somit auch keine Communities im Web).

Eine Idee wird in Bewegung gesetzt, indem man sie teilt.

Wir-Denken funktioniert bei Projekten sehr gut, die Alternativen zu kommerziellen Projekten sind. Ein Grund scheint zu sein, dass diese meist zu strikt innovativ sind, zu eng begrenzt im Fokus. Die kommerziellen Projekte lassen auch den Community-Charakter vermissen – und Wir-Denken im Web des 21. Jahrhunderts scheint immer dann zu funktionieren, wenn Anerkennung im Spiel ist. Deswegen neiden wir Sascha Lobo seine Follower-Zahlen – es geht um die Anerkennung, die damit verbunden ist.

Darüber hinaus ist Wir-Denken eine Alternative für hierarchische Geschäftsprozesse – es ist besonders stark in Projekten ohne erkennbares Ende wie Wikipedia und Linux. Wir-Denken nimmt die Verbraucher mit in die Pflicht für das Produktdesign. Anstatt einen Innovationsfluss vom Anbieter zum Konsumenten gibt es hier einen Innovationskreislauf, der Konsument und Anbieter vereint.

Was wird Wir-Denken uns bringen?

Einige Berufe werden sich vollständig verändern, so zum Beispiel der eines Bibliothekars. Waren diese Leute bislang damit beschäftigt, physische Sammlungen von Büchern zu ordnen, müssen sie künftig den Zugang zu digitalen Informationen erleichtern. Information online bereit zu stellen, verändert Journalismus, Wissenschaft, Musik und Buchverlage. Und, so Leadbeater, allein dabei reden wir über ca. 20 Prozent des Bruttosozialprodukts der entwickelten westlichen Welt.

Weitere 50%, so Leadbeaters Schätzung, werden nur leicht betroffen sein. Einige Firmen in diesen Industrien, die entweder hauptsächlich mit irgendeiner Komponente aus dem Industriezeitalter beschäftigt sind oder völlig ohne digitalisierte Informationen auskommen, werden das Wir-Denken trotzdem in verblüffender Art und Weise für sich nutzen können.

Charles Leadbeater führt viele Beispiele auf: medizinische Prozesse, bei denen Patienten die Verantwortung übernehmen, Open-Source-Designs, die über Software hinausgehen, Plattformen zur Steigerung der Kreativität durch Massen-Brainstormings und so weiter. Politik wird künftig im Web gemacht, wie man bei den Wahlen des US-Präsidenten sehen konnte und selbst Terroristen nutzen das Web zum Austausch ihrer Ideen. Das Web zerstört die hierarchische Ordnung der Dinge, so wie wir sie kennen.

Und nicht alles im Web ist gut. Die heute verfügbare Technologie macht uns zum gläsernen Surfer, so eine Meldung von Spiegel Online, und auf Facebook werden User auch gemobbt. All der Informationsaustausch im Web kann auch dazu führen, dass wir eine neue Form und dann besonders katastrophale Form des Gruppen-Denkens entwickeln, wo alle der Herde folgen und die Kreativität der Massen einem Sicherheitsdenken weicht.

We-Think von Charles Leadbeater ist ein fesselndes Buch und wird besonders den Lesern gefallen, die sich für die Zukunft des Internets und unserer Gesellschaft interessieren. Ich fand die Lektüre anregend – und bin gespannt auf die schöne neue Welt, die da vor uns liegt!

We-Think von Charles Leadbeater (Quelle: Amazon.de)

We-Think von Charles Leadbeater (Quelle: Amazon.de)

Kreative Wege, neues Personal zu testen

Wir sind alle Hamster in einem riesigen Karriere-Laufrad, so Klaus Werle in seinem Artikel Optimierungswahn: Karriereturbo mit Fehlzündung bei Spiegel Online. Fast alle jungen Menschen machen Trainings, Zusatzqualifikationen und Sprachlehrgänge, sammeln Erfahrungen in verschiedenen Abteilungen und im Ausland und sind auch, zum Beispiel wegen solch gut frequentierter Webseiten wie der Karrierebibel unseres (Über-)Bloggerkollegen Jochen Mai, auf alle möglichen Einstellungstests und Assessment-Center vorbereitet:

Sie quälen sich mit eingemeißeltem Lächeln durch Assessment Center, sie absolvieren Stationen im Ausland, im Vertrieb und im Controlling, um möglichst “breit aufgestellt” zu sein [..] alle sind selbstbewusst, topfit, kreativ und geben im Bewerbungsgespräch als “Schwäche” brav an, dass sie gern alles selbst machen würden, weil Ratgeber das so empfehlen. (Klaus Werle bei Spiegel Online)

Eine Schwierigkeit bei dieser Spitzen-Konformität ist dann, das geeignete Personal zu finden – das zum Team und zum Unternehmen passt. Zur Idee, die das Unternehmen verfolgt und zu den Menschen, die dort bereits arbeiten. Und ganz besonders gut sollten die neuen Mitarbeiter nun mal zum Chef passen – oder wenn man will, der oder die Chef(in) eben zu den neuen Mitarbeitern. Es ist wichtig, zu kommunizieren, ohne dass sich beide Seiten verstellen müssen.

Da die Bewerber sich mit Karrierebibeln, Bewerbungstrainings und unermüdlichem Fleiss auf Assessment-Center und Bewerbungsgespräche vorbereitet haben, und kleine Unternehmen ohnehin kein Geld für ein Assessment-Center übrig haben, stellt sich die Frage nach geeigneten Testmöglichkeiten für die gemeinsame Kommunikation. Ich bin auf folgende Ideen gestoßen.

Shopping Center Test! (Bildquelle: eslpod.com)

Shopping Center Test! (Bildquelle: eslpod.com)

Guy Kawasaki’s Shopping Center Test

In seinem Buch The Art of The Start schreibt Guy Kawasaki darüber, was Start-Ups beachten müssen (der Denkpass berichtete hier). Ein ganz wichtiges Problem für Startups ist, das richtige Personal zu finden. Start-Ups sind in einer besonderen Situation mit ständigem Wandel, meist sehr klein und häufig voll auf den oder die Gründer(in) zugeschnitten. Guy Kawasaki empfiehlt den Shopping Center Test:

Nimm an, Du bist im Shopping Center. Du siehst eine Bewerberin (oder Angestellte oder Partner oder Dienstleister) bevor sie Dich sieht. Jetzt kannst Du die folgenden Dinge tun:

  1. Geh rüber und sage “Hallo”.
  2. Wenn sie Dich bemerkt, ist es OK. Wenn nicht, auch.
  3. Renne zum Parkplatz, steig in Dein Auto und fahre in ein anderes Shopping Center 50 km weiter.

Du solltest Leute nur anstellen, bei denen Du Dich für 1. entscheidest. Das Leben ist zu kurz, um mit Leuten zusammen zu arbeiten, die Du nicht sofort leiden kannst. (eigene Übersetzung)

Wichtig sei außerdem, so Guy Kawasaki in seiner Präsentation zum Thema, dass man nur von der Idee des Unternehmens infizierte Leute anstellt, die zudem in ihrem Arbeitsgebiet besser sind als man selber sei.

Der Psychopathen-Filter von Markt und Mittelstand: Mehrere Gespräche quer durch alle Abteilungen

In der aktuellen Ausgabe (12/09 – 1/10 – leider keine Artikel verlinkbar) der Zeitschrift Markt und Mittelstand gibt es einen Artikel zum Thema Wie Psychopathen Unternehmen zerstören. Psychopathen sind Menschen, die ihr eigenes Glück sehr weit über das ihrer Mitmenschen stellen und keine moralischen Zwänge haben, diese Glücksgefühle rücksichtslos zu erreichen – auch auf Kosten anderer. Wie Untersuchungen gezeigt haben, so der Artikel, sind Menschen mit leicht ausgeprägten psychopathischen Merkmalen überdurchschnittlich oft am oberen Ende von Unternehmenshierarchien zu finden. Markt und Mittelstand schlägt zumindest für die Besetzung leitender Positionen – wo Psychopathen am meisten Schaden anrichten können – folgendes vor:

  • Checken Sie die Referenzen – rufen Sie bei den früheren Unternehmen an und verlassen sich nicht auf Zeugnisse. Und sprechen Sie idealerweise mit mehr als einem ehemaligen Mitarbeiter Ihres Bewerbers!
  • Lassen Sie den Bewerber mit verschiedenen Personen Ihres Unternehmens unabhängig voneinander sprechen. Je nach Hierarchie wird sich der Bewerber vielleicht unterschiedlich verhalten – und z.B. ein Gespräch mit einer Teamassistenz als unzumutbar empfinden.
  • Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl – zu glatt, zu charmant, zu fehlerlos?

Das Verfahren testet also, ob die neuen Mitarbeiter nicht nur mit dem Chef gut zusammen arbeiten können, sondern auch wie sie sich anderen Mitarbeitern im Unternehmen gegenüber verhalten. Zudem sehen vier oder sechs Augen mehr als zwei.

Der Restaurant-Test von Mark Jones

In einem exzellenten autobiographischen Artikel schreibt Mark Jones in der Financial Times über den wandelnden Umgang von Journalisten mit ihren Spesen-Rechnungen. Um die mehr als 85.000 £ Spesen zu rechtfertigen, die Mark Jones in seiner journalistischen Karriere verballert hat, führt er die Vorteile für seine Arbeitgeber auf. Jones gibt folgenden Hinweis:

Das Socialising mit meinen Kontakten hat direkt zu Einstellungen geführt – nicht immer sofort, und manchmal überhaupt nicht. Aber ich habe so immerhin mehr als 40 Mitarbeiter in all den Jahren gefunden. Und meine größten Einstellungsfehler waren die, wo ich mir vorher nicht die Mühe gemacht habe, mit den Bewerbern gemeinsam Lunch zu haben.

Der Tipp ist also, mit den Bewerbern Essen gehen und schauen, ob es zwischenmenschlich funktioniert.

Unser Verständnis vom Ehrenkodex

Die Taten der Menschen sind bestimmt durch ihren kulturellen Hintergrund. Wie Malcolm Gladwell in seinem Buch Outliers zeigt, gibt allein die Herkunft eines Menschen einen soliden Korridor für seinen Umgang mit Beleidigungen vor. Gladwell untersucht im Kapitel “Harlan, Kentucky” Gewalt-Eskapaden im Wilden Westen der USA, bei denen sich häufig zwei Familien mit allen männlichen Angehörigen in einen für alle Seiten blutigen Konflikt schmissen.

Wohin das Auge reicht, im Wilden Westen gab es fast in jedem kleinen Drecknest einen oder zwei Fälle extremster Auseinandersetzungen zwischen Leuten mit ständig wiederkehrenden Familiennamen. Auslöser waren immer wieder kleinste Beleidigungen, deren gewaltsame Beilegung sich hochschaukelte bis zu stundenlangen Schießereien mit mehr als 100 Schützen. Warum gab es überall dieselben Gewaltmuster? Was war die Verbindung zwischen all diesen Taten?

Cowboys (Bildquelle: west.stanford.edu)

Cowboys (Bildquelle: west.stanford.edu)

Ein gefährliches Leben

Die Vorfahren der Einwanderer kamen in der Regel aus armen, europäischen Ländern. Fast durchgängig waren die Vorfahren keine Bauern, sondern Viehhirten, die in kargen Berggegenden lebten, in denen Ackerbau unmöglich schien. Darum auch zog es diese Menschen nach Kentucky, weil das Leben dort dem Leben in der Heimat so ähnlich war und dieselben Anforderungen stellte. Dabei hat das Leben eines Bauern einen großen Vorteil: es ist ein friedfertiges. Niemand kann einem Bauern ernsthaft etwas stehlen, es sei denn, man stecke viel Arbeit in Ernte und Abtransport.

Für einen Viehhirten sieht die Situation gänzlich anders aus. Eine Herde kann man entführen. Und so ist das Leben eines Viehhirten zwar nicht das eines Soldaten, aber immerhin das eines Mannes, der ständig bereit sein muß, sein Hab und Gut mit seinem Leben zu verteidigen. In solch einer Welt sind gute Familienbande von Vorteil – und die wichtigste Waffe im Kampf gegen Diebe ist der eigene Ruf. Abschreckung heisst der Name des Spiels, in dem Viehhirten Meister sind. Bereits der kleinste Kratzer am eigenen Ruf gefährdet das eigene Auskommen. Und so ist es kein Wunder, wenn der kritischste Moment im Leben eines angehenden Viehhirten seine erste Auseinandersetzung ist.

Kultur ist etwas mit viel Zeit

Auf diese Weise erklären sich die Gewalttaten im Wilden Westen und auch die Familienfehde zwischen den Howards und Turners in Harlan, Kentucky, bei der insgesamt fast 20 Menschen starben. Und obwohl im Süden der USA heute kaum noch Auseinandersetzungen beim Pokerspiel in tagelange Verfolgungsjagden und Mob-Angriffe ausarten, zeigt eine Untersuchung der University of Michigan vom Anfang der 90er Jahre, dass der Umgang mit Beleidigungen auch heute noch die Menschen der USA in Nord und Süd unterteilt. Experimente mit Studenten haben gezeigt, dass das beste Merkmal, um die Reaktion auf eine Beleidigung vorherzusagen, immer noch die Herkunft ist: Die Kultur der Viehhirten hat bis heute Bestand, ihr Ehrenkodex setzt sich im kollektiven Überbewusstsein der Südstaatler fort.

Das gilt dann wohl für alle Menschen, deren Vorfahren Hirten waren. Da ihre Kultur ihnen sagt, dass ihre Ehre ihr Auskommen sichert und die Familie immer zusammenhalten muss, benehmen sich die Nachfahren, obwohl von völlig anderer sozialer Herkunft und seit Generationen nicht mit Viehzucht befasst, genauso wie früher. Beleidigt man sie, reagieren sie über die Maßen aggressiv, so die Ergebnisse der Experimente an der University of Michigan.

Und heute?

Das erklärt dann auch, so würde ich sagen, die überhitzten Reaktionen einiger südländischer Mitbürger zum Beispiel im Straßenverkehr. Durch ihre Herkunft haben diese Menschen ein viel größeres Ehrgefühl als wir, und sind auch – wie neulich bei Spiegel TV zu sehen – schnell bereit, um ihre Ehre zu kämpfen. Da sagt der eine dem anderen in der Disco ein Schimpfwort, für das ich ihn nicht mal anschauen würde – und der Empfänger dieser Verbalinjurie kloppt drauflos und redet später von seiner Bereitschaft, den anderen umzubringen. Das geschieht doch offensichtlich deswegen, weil solche Menschen eine Kultur eingeflösst bekommen haben, in der Ehre eine große Rolle spielt, auch wenn der eigentliche Grund für diese Gewichtung gar nicht mehr existiert.

Daraus lassen sich zwei Lehren ziehen, finde ich. Zum einen ist klar, warum Beleidigungen für Menschen mit diesem kulturellen Hintergrund so fürchterlich weh tun. Da ist es offensichtlich klüger, sich diese Beleidigungen einfach mal komplett zu sparen. Zum anderen könnte die Betroffenen ja langsam mal anfangen, nach so vielen Jahren (im Falle von Harlam, Kentucky, immerhin mehr als 100) eine Kultur ganz leicht zu hinterfragen, in der vermeintliche Verletzungen ihrer Ehre immer gleich ein Anlass sind, eine Familienfehde loszutreten. Denn in ihren heutigen Berufen und ihrem heutigen sozialen Umfeld ist die Ehre allein nicht in der Lage, das Auskommen eines Menschen zu sichern. Und es war die Absicherung des eigenes Auskommens, die der Ehre erst diese Bedeutung hab.

Pimp my Denkpass: Jetzt auf dem iPhone!

Der Blogmillionaer hat wirklich sehr viele Tipps, wie man sein Blog pimpen kann (dafür mal an dieser Stelle ein webweites Dankeschön!). Einer dieser Tipps betrifft das WPTouch-Plugin für Wordpress, mit dem das eigene Blog auf den Touchscreens moderner Smartphones lesbar ist. Ich habe beides (Blog und iPhone), also habe ich dieses Plugin installiert.

Der Denkpass auf meinem iPhone

Der Denkpass auf meinem iPhone

Die Installation war spielend einfach. Anscheinend läuft alles ohne Probleme. Als Besitzer eines Smartphones, und zwar soweit ich sehen kann eigentlich jeden Smartphones, könnt ihr jetzt den Denkpass lesen, schnell einzelne Artikel aussuchen und sogar in den Tags und Kategorien wühlen. Ich bin begeistert!

UPDATE:

Weil es einfach ist, Wordpress mit neuen Plug-Ins zu versehen, habe ich gleich noch weiter gepimpt. Zwei weitere Plug-Ins, die der Denkpass nun verwendet, sind SexyBookmarks und Broken Link Checker.

Das SexyBookmarks-Plugin, bezieht seine Nützlichkeit dem  zweifelhaften Namen zum Trotz (der mir nun wieder haufenweise hirnlose Google-Anfragen schicken wird) daraus, am Ende von Artikeln diese netten Icons einzubauen, mit denen man den Artikel weiter empfehlen oder bookmarken kann. Interessant ist übrigens gleich das Icon ganz links, mit dem man auf Printfriendly.com landet, wo der Artikel druckerfreundlich angezeigt wird. SexyBookmarks ist leicht zu installieren, sieht toll aus und bietet erheblichen Mehrwert! (gesehen bei Karrierebibel)

Broken Link Checker arbeitet im Hintergrund und checkt periodisch die Qualität aller verwendeten Links. So kann ich gleich im Dashboard sehen, ob auf dem Denkpass Links ins Leere verweisen und diese entweder löschen oder bearbeiten. Nützlich, weil ansonsten die Leser ihre negativen Emotionen des leeren Links wegen auf den Denkpass fokussieren würden, oder? (gesehen beim Blogmillionär).

Elektronische Bücher: Stanza auf dem iPhone

Das wohl beliebteste Weihnachtsgeschenk war anscheinend ein Amazon Kindle, das elektronische Buch von Amazon. Ich bin da eigentlich voreingenommen: habe stark ausgeprägte bibliophile Neigungen und bin beispielsweise jemand, der an seinen neuen Büchern auch gerne mal schnuppert. Wie soll das funktionieren bei einem elektronischen Buch?

Elektronische Bücher auf dem iPhone lesen mit Stanza

Nun habe ich kein Kindle geschenkt bekommen, nenne aber schon einige Zeit ein iPhone mein Eigen. Dessen größter Vorteil – das, was das iPhone zum größten iPhone-Killer-Killer macht – ist die große Auswahl an Apps. Einige davon ermöglichen es, auf dem iPhone Bücher zu lesen. Mehr aus Langeweile denn aus Glauben an die Idee dahinter habe ich mir eine davon herunter geladen: Stanza und auf meinem iPhone installiert.

Stanza App auf meinem iPhone

Stanza App auf meinem iPhone

Wie funktioniert Stanza?

Mit Stanza hat man Zugriff auf mehrere Bibliotheken für elektronische Bücher, insgesamt fünf Bookstores für hauptsächlich zu bezahlende Bücher, und derzeit acht Webseiten mit kostenlosen Downloads (Free Books). Der größte Teil des Angebots ist übrigens in Englisch, was mich aber nicht weiter stört. Ich habe einige Zeit gestöbert und einige interessante Bücher gefunden. Mein erstes Buch auf Stanza war dann letzten Endes War of the Worlds (Krieg der Welten) von H.G. Wells, das ich bei Feedbooks fand (übrigens ein wirklich fantastisches Buch: H.G. Wells war seiner Zeit weit voraus!)

Stanza App auf dem iPhone

Stanza App auf dem iPhone (Übersicht)

Stanza merkt sich die Seite, auf der man zuletzt war – und das für mehrere Bücher, die man liest. Die Downloads klappen meistens, und die Anzahl der kostenlos verfügbaren Bücher ist atemberaubend hoch. Es gibt bei Stanza frei konfigurierbare Tag- und Nachtmodi, und man kann im Portrait- oder Landscape-Modus lesen.

Mein Fazit: Stanza auf dem iPhone macht Spaß!

Ich bin beeindruckt, wie gut das Lesen mit Stanza auf dem iPhone funktioniert. Ich mache das überall da, wo ich sonst nichts zum Lesen bei habe (Straßenbahn, Wartezimmer etc.) und lese manchmal auch kurz vor dem Schlafengehen noch kurz ein paar Seiten. Die Schrift ist gut lesbar (man kann die Schriftgröße aber auch anpassen). Ich habe das iPhone immer dabei – und jetzt eben auch eine kleine Bibliothek von Büchern am Start.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Amazon Kindle überhaupt brauche. Aber ich glaube, dass die Buchindustrie einen Fehler macht, wenn sie glaubt, dass elektronische Bücher die Papierversion niemals ersetzen können. Vollständig verdrängt werden Bücher aus Papier nie, aber elektronische Bücher haben auch ihre Vorteile – und einige davon sind ständige Verfügbarkeit, Bequemlichkeit und Coolness-Factor. Generation Y, die Generation von Kindern, die mit drei Bildschirmen aufwächst (Fernsehen, Computer, Mobiltelefon), wird das Amazon Kindle und Apps wie Stanza fantastisch finden. Ich kann verstehen, warum.

Fassen wir zusammen:

Stanza auf dem iPhone ist fantastisch. Elektronische Bücher haben eine große Zukunft, und die beginnt jetzt. Und War of the Worlds (Krieg der Welten) von H.G. Wells ist ein überaus empfehlenswertes Buch!

Der beste Chef ist brilliant und faul

Stewart Brand, Autor des vielleicht berühmtesten Hippie-Lexikons aller Zeiten (Whole Earth Catalog) und am Wochenende immer noch Hippie, gibt eine Erkenntnis aus seiner Armee-Zeit preis, die auch fürs Berufsleben relevant ist:

Ich habe am eigenen Leib erfahren müssen, dass der schlimmste Vorgesetzte immer der ist, der dumm und fleissig zugleich ist. Ihre Blödheit lässt sie lächerliche Sachen machen und ihr Fleiss führt dazu, dass sie sehr viele lächerliche Sachen machen. Die beste Art Vorgesetzte, die man haben kann, ist brilliant und faul. (eigene Übersetzung)

FT.com: Stewart Brand - Lunch with the FT (Bildquelle: FT.com)

FT.com: Stewart Brand - Lunch with the FT (Bildquelle: FT.com)

Diese Einsicht lässt sich auch auf Organisation anwenden:

Das militärische Konzept von Lessons Learned basiert darauf, anzuerkennen dass etwas nicht wie geplant lief. Genau das ist auch etwas, was brilliante Vorgesetzte können müssen. In vielen Organisation gibt man sich den Anschein, dass alle Dinge, wie immer sie auch laufen mögen, plangemäß abliefen. Aber so lernt niemand aus ihnen. Es ist besser, die richtige Sache schlecht zu machen als die falsche Sache gut. Und es ist eine Aufgabe von Vorgesetzten, den Unterschied zwischen richtig und falsch herauszufinden. (eigene Übersetzung)

Open Source kann Nutzern auch schaden: Google ist der Beweis!

Google und Apple standen sich anfangs sehr nahe, vereint im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind – Microsoft. Der Erfolg ihrer Produkte war eng verknüpft, nicht nur im einfachen Design. Mittlerweile hat sich die Situation aber geändert. Da ist zum einen das Nexus One, ein Smartphone von HTC, das über Googles Webseite vertrieben wird. Und da ist auch die Gefahr für Google, dass Apple seine erfolgreiche Taktik der kreativen Zerstörung nach Märkten wie Smartphones, Musik- und Videodistribution und Handheld Gaming Devices nun auch auf Paid Content im Internet anwendet, wie Sascha Lobo bei Webciety mutmaßt. Dieser Wettbewerb von Google und Apple fällt auch John Gapper von der Financial Times auf, der darin vor allem einen Wettstreit offener und geschlossener Systeme sieht: Apple mit streng kontrolliertem, proprietärem Betriebssystem, Google beispielsweise mit offenem Code für Google Android.

Immerhin, so erkennt man auch bei Financial Times, sind diese Rollen aber nicht so festgefahren, wie man meinen könnte. So profitiert ja das iPhone insbesondere vom App Store, wo aufgrund des frei verfügbaren Software Development Kit eigentlich fast jedermann eigene Applikationen entwickeln kann, auch wenn Apple sich die letzte Entscheidung darüber vorbehält, welche Applikationen verkauft werden dürfen und welche nicht. Auf der anderen Seite propagiert Google zwar Open Source, legt aber den Suchalgorithmus seiner Suchmaschine auch nicht offen.

Zumindest in Letzterem sieht ein Leserkommentar in der Financial Times einen großen Vorteil. Der Kommentar von Nils Beimanis aus Riga dokumentiert, dass Open Source nicht immer nur gut ist, sondern durchaus auch negative Seiten hat:

Seit dem Erscheinen sogenannter Experten für Search Engine Optimization SEO haben die Suchmaschinen-Resultate stark gelitten. Das Kerngeschäft dieser Experten ist es, die Suchergebnisse so zu verändern, dass ihre Kunden davon profitieren – sehr oft zum Ärger aller anderen Suchmaschinen-Nutzer.

Um dazu in der Lage zu sein, brauchen sie ein sehr gutes Verständnis dafür, wie Suchmaschinen den gefundenen Inhalt indizieren und ranken. In dieser Hinsicht ist es vorzuziehen, dass Google so geheimniskrämerisch wie möglich bleibt. (eigene Übersetzung)

Der Denkpass lebt auf der Überholspur: X17 gewonnen!

Naja. Zumindest fühlt er sich als Mensch mit eingebautem Sieger-Gen: Der Christian betreibt ein Blog über sein Steckenpferd Notizbücher, das sogenannte Notizbuchblog. Vor kurzem gab es einen Aufruf bei Twitter, dass Christian ein x17-Notizbuch verlose. Ich bin ja auch bei Twitter (als @gregorgross, falls das bei all den Buttons da rechts niemand mitbekommen hat), und nahm teil.

Heute morgen habe ich dann erfahren, dass ich das x17-Notizbuch gewonnen habe: YEAH! Das sind übrigens Notizbücher des deutschen Unternehmens X17:

Mein X17 sieht etwa so aus (Screenshot myx17.com)

Mein X17 sieht etwa so aus (Screenshot myx17.com)

Ich frage mich jetzt, ob ich letzte Woche nicht doch den Lottoschein abgeben hätte sollen, den ich bereits ausgefüllt hatte. Irgendwie dachte ich, die Vibrations hauen nicht hin… aber nun weiß ich, dass sie doch recht stark waren zu der Zeit. Hoffen wir, dass Miss Denkpass nichts davon mitkriegt. Sie würde sich nur wenig über das Notizbuch freuen können, wenn sie auch nur ahnen würde, dass vielleicht auch ein Lottogewinn drin war!

Der Gelbe Hut: Konstruktiver Optimismus

Teil 8 von 8 in der Serie Sechs Denkhüte

Zusammenfassung: Beim vierten Hut in der Serie über Edward de Bono’s Denkhüte geht es um fröhlichen Optimismus. Welche Vorteile bietet eine Idee? Wie können wir die Idee in die Realität umsetzen?

Der Gelbe Hut ist dabei etwas schwerer aufzusetzen als der Schwarze Hut. Unser Gehirn hat natürliche Mechanismen, die uns vor Gefahren bewahren sollen, was dem Schwarzen Hut entspricht. Es gibt keinen solchen Mechanismus für Optimismus. Wir müssen also ein Gefühl für positive Aspekte entwickeln, um genauso für Vorteile sensibilisiert zu sein wie wir es für Gefahren und Risiken sind. Es macht keinen Sinn, sehr kreativ zu sein und Hunderte von Ideen zu entwickeln, wenn anschliessend niemand einen Wert in all diesen Ideen sieht. Genau dafür gibt es den Gelben Hut.

Der Gelbe Hut sollte logisch angewandt werden. Wenn jemand unter dem Gelben Hut eine wertvolle Seite einer Idee hervorhebt, sollte das logisch klingen und nicht fantastisch:

  • Was ist der Wert dieser Idee?
  • Für wen?
  • Unter welchen Umständen?
  • Wie wird dieser Wert erzielt?
  • Welche anderen Werte gibt es?

Positive Spekulation

Denke beim Gelben Hut an Sonnenschein und Helligkeit, an Optimismus und Vorteile. Denke konstruktiv (und nicht destruktiv wie beim Schwarzen Hut): make things happen! Positives Denken erfordert eine Mischung von Neugier, Freude, Eifer und der Einstellung, etwas erreichen zu wollen. Gerade diese Einstellung scheint eine der herausragenden Fähigkeiten erfolgreicher Menschen zu sein.

Das Spekulative dabei betrifft die Zukunft. Der Gelbe Hut schaut in die Zukunft, und deswegen ist einiges, was dabei herauskommt, spekulativ und ungewiss. Wir werden nicht alles umsetzen können, aber wir haben es vor.

Es gibt einige Menschen, die sind immer positiv eingestellt. Die meisten von uns sind auf jeden Fall positiv, wenn sie ihre eigenen Ideen vortragen oder wenn sie sich von der Umsetzung dieser Idee einen eigenen Vorteil versprechen. Dieses Eigeninteresse ist eine gute Basis für positives Denken, aber der Gelbe Hut geht darüber hinaus. Beim gelben Hut denken wir von vornherein positiv: der Gelbe Hut ist zuerst da, bevor wir Vorteile für uns selber sehen.

Das positive Spektrum

Das positive Spektrum reicht von Über-Optimismus bis zur reinen Praktikablität. In der Geschichte gibt es viele Beispiele dafür, wie unpraktische Visionen und Träume Menschen dazu gebracht haben, sich anzustrengen, um diese Träume Realität werden zu lassen. Als Gegenbeispiel gibt es aber jede Woche auch mehrere Millionen Nieten beim Lotto. So oder so, wir können das Denken unter dem Gelben Hut nicht nur darauf beschränken, was praktikabel ist. Entscheidend ist die Aktion, die auf den Optimismus folgt: beim Lotto übernimmt die Glücksfee. Optimismus sollte zu eigenen Aktionen führen.

Die Werte, die unter dem Gelben Hut entwickelt werden, kann man wie folgt klassifizieren:

  • mit Sicherheit
  • höchstwahrscheinlich (basierend auf Erfahrungen)
  • gut möglich
  • 50/50
  • möglich
  • unwahrscheinlich

Trotzdem sollten alle Werte auf die Tafel kommen. Auch wenn etwas unwahrscheinlich ist, sollte es aufgeführt werden. So können wir entscheiden, es fallen zu lassen oder die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen. Wenn es nicht aufgelistet ist, haben wir diese Entscheidungsmöglichkeit nicht.

Konstruktiv denken

Es ist besonders wichtig beim Gelben Hut, konstruktiv zu denken. Dieses konstruktive Denken wird aber nicht den Experten überlassen: es ist also nicht nur Sache der Techniker und Ingenieure, Ideen vorzuschlagen, und dann Sache der Geschäftsführung, die besten Ideen auszuwählen. Nein, bei den Sechs Denkhüten achten wir auf paralleles Denken. Deswegen denken unter dem Gelben Hut alle positiv und konstruktiv. Es geht beim Gelben Hut darum, Vorschläge zu entwickeln und diese positiv zu bewerten, die positiven Aspekte der eigens entwickelten Vorschläge hervorzuheben.

Unter dem Gelben Hut schauen wir nach Möglichkeiten, die sich uns bieten:

  • maximale Vorteile
  • positive Werte
  • Chancen
  • Best-Case-Szenarien

Diese werden aber immer mit Wahrscheinlichkeiten belegt: wie wahrscheinlich ist es, dass diese positiven Aspekte eintreten. Was können wir tun, um diese Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen?

Der Gelbe Hut: Fazit

Ganz wichtig: es geht beim Gelben Hut nicht nur um positive Gefühle, denn für Gefühle ist der Rote Hut zuständig. Noch geht es allein darum, neue Ideen zu entwickeln, denn das ist Aufgabe des Grünen Huts (der als nächstes dran ist). Das Denken beim Gelben Hut ist positiv und konstruktiv, aber es geht um die positive Beurteilung und Entwicklung von Vorteilen, Werten, Chancen, Möglichkeiten. Der Gelbe Hut symbolisiert Sonne und Optimismus.