Bill Gates: Gute Neuigkeiten aus 2014

Bill Gates, der Gründer von Microsoft und derzeit wohl zweitvermögendste Mensch auf der Welt, zeigt uns in seinem Blogpost Good News You May Have Missed in 2014, dass auf der Welt auch gute Dinge passieren1. Glaubt man ja manchmal fast gar nicht mehr.

Weniger Kinder sterben extrem jung, bei AIDS gibt’s weniger Neuansteckungen als Steigerung bei der Zahl der behandelten Patienten, bei der Behandlung hartnäckiger Tuberkulose-Fälle gab’s einen massiven Durchbruch usw. Das sind fantastische Nachrichten, und anscheinend erfindet unsere Generation eben doch nicht nur Apps mit 160 Zeichen, sondern eben manchmal auch ziemlich wichtige Dinge.

Ich persönlich finde Startups, die sich mit neuen, sicheren Formen von Nuklearenergie beschäftigen, viel spannender als die meisten Web- und Appservices und der ganze andere Software-Schmunz. Mehr Respekt für sowas habe ich auch. Und alles zusammen genommen zeigt vielleicht, dass wir wissenschaftlich-innovativ vielleicht doch nicht im Jahre des Herrn 1971 stehen geblieben sind? Der Artikel in Aeon argumentiert ja gerade, dass wir vielleicht etwas zu risikoscheu sind und deswegen kaum noch innovativ sind.

Die niedrig hängenden Früchte sind geerntet. Die höher hängenden Früchte können wir aber, so zeigt Gates’ Artikel, immer noch ernten. Das erfordert etwas mehr Risikofreude, auch innerhalb unserer gesamten Gesellschaft. Um das zu erreichen, brauchen wir eine qualifizierte Diskussion, finde ich. Und für die ist z.B. auch ein durchgängiges Verständnis von Mathe hilfreich.

Fußnoten:

  1. Gates’ Artikel enthält mindestens zwei mathematische Fehler, die aber von einer Grafik stammen, die er übernommen hat (hätte trotzdem erwartet, dass Bill Gates weiss, dass 19 * 19 = 361 ist und 120 * 120 = 14400).

Ignore Integer Contraints in Excel umgehen

Ich war gestern am Durcharbeiten von John Foremans Data Smart, einem Buch darüber, wie man Muster in Daten erkennt (#bigdata, #datascience etc.). Es macht Spaß, man arbeitet nur mit Excel, ich lerne vieles – und werde das bald auf meine Firmen, mein #FantasyBaseball-Team und mehr anwenden.

In einem Kapitel haben wir k-means-Clustering angewendet, zu dem beschriebenen Fall passt aber besser k-median-Clustering. Dazu lassen wir u.a. die veränderbaren Daten für den Basic Solver von Frontline Solvers nicht mehr mit gebrochenen Zahlen laufen, sondern nur noch mit binären Zahlen.

Mein Excel for Mac hat das aber nicht gemacht, obwohl ich das als Nebenbedingung für den Solver angegeben hatte. Auf der Erklärungsseite von Frontline Solver für Excel (Basic Solver – How Integer, Binary and Alldifferent constraints affect solving | solver) fand ich einen Hinweis, dass es in der englischen Version einen Punkt in den Optionen gibt, der Ignore Integer Constraints heisst und weggeklickt werden muss. Ich fand ihn aber nicht und eben in deutsch auch nichts Vergleichbares.

Allerdings gibt es einen anderen Punkt zum Klicken mit der Überschrift Mit ganzzahligen Nebenbedingungen lösen und der Bezeichnung Ganzzahlige Nebenbedingungen. Da steht nirgendswo etwas von Ignorieren, aber wenn man das wegklickt (es ist per Default/Vorauswahl angeklickt), dann beachtet Excel die Integer-Contraints und ignoriert sie NICHT!

Excel: Das Wort "Ignorieren" fehlt hier!

Excel: Das Wort “Ignorieren” fehlt hier!

Danke für die tolle Übersetzung! Wenn man das angeklickt lässt, ignoriert Excel die ganzzahligen Nebenbedingungen, was nur Sinn macht, wenn dort ignorieren auftauchen würde. Tut es aber nicht!

So kriegt man einen Nachmittag auch rum. #fail

Warum die Folter der CIA nicht funktionieren konnte

Einen sehr interessanten Gedanken zu den Erfolgsaussichten von Folter liefert der Artikel Guess Who Else Tortured People Like the CIA Did—Soviets and Nazis. Ganz sicher wissen wir, dass die CIA und somit die Amerikaner nicht als erste und nicht als einzige gefoltert haben, so der Artikel, aber das verringert die Schuld der CIA nicht (finde ich zumindest). Auch die Sowjets und die Nazis haben gerne mal gefoltert.

Sie sind es aber grundsätzlich anders angegangen, und das ist der interessante Gedanke, finde ich. Das Problem mit Folter ist, dass die Gefolterten entweder schnell oder langsam sterben, bevor sie was sagen – oder aber sich Aussagen ausdenken, um weitere Schmerzen zu vermeiden. Die Aussagen, die man erhält, sind also fast immer in keinster Weise nützlich (was ja auch der Senatsreport über die Folterpraktiken der CIA aussagt). Foltern liefert keine Ergebnisse.

Was aber das Foltern bei den Sowjets und Nazis doch erfolgreich machte, war der Umstand, dass es nicht komplett geheim war, dass man folterte. Die Gesellschaft wusste, was da läuft und wie willkürlich das jeden einzelnen treffen konnte. Nachts waren die Schreie zu hören. Jeder kannte irgendwen, der nachts (immer in den frühen Morgenstunden) abgeholt wurde und nie wieder kam. Oder wenn jemand wieder kam, dann unglaublich viel später und als gebrochener Mensch. Und dann das Auftreten von KGB oder Gestapo: anmassend, voll Selbstvertrauen, jenseits von allen Gesetzen und Normen stehend. Leute, die in Dein Wohnzimmer oder Büro kommen, mit knarzenden Ledermänteln und dreckigen Stiefeln, die sie weder abtreten noch ausziehen noch rücksichtsvoll von Deinem kostbaren Teppich fernhalten.

Nein, die Sowjets und die Nazis folterten nicht im Geheimen. Sie machten das so, dass sich alle ganz genau ausmalen konnten, was da passiert. Alle hatten Angst – und zwar auch, weil nicht komplett öffentlich gefoltert wurde. Ein Teil des Schreckens war ja das Ungewisse daran. Und so brachte die Folter zwar keine bislang unbekannten Wahrheiten ans Tageslicht (nur weitere Lügen und Denunziationen), aber immerhin funktionierte sie sehr gut als Unterdrückungs-Instrument, als Abschreckung für selbst die geringsten Vergehen.

Selbst dieser zugegeben leicht verqueren Logik zufolge waren die Folter-Aktionen der CIA also von vornherein sinnlos. Warum taten sie es dann?

The Agency’s attempts to cover its tracks by burning evidence and stonewalling investigators reveals it for what it’s been all along.

A group of sadists flogging prisoners in the dark while no one watched.

gregorgross

9. Dezember 2014

Schönes Zitat aus Laugh Factory aus New Yorker:

America, however, is the country of the eternal appeals court, where judgement, once it has worked its way through the system, has to work its way through the system all over again.

Und kurze Zeit später das hier:

… which, one gathers, was a bit like writing for the Huffington Post today: to do it, you did it.

Der Rasende Falke im Krebsgang rückwärts

Eine Sache hat mich an Star Wars immer gestört, aber vielleicht habe ich das ja nur falsch verstanden. Diese Sache fiel mir wieder ein, als ich diesen Artikel über den neuen Star Wars-Trailer im New Yorker las.

Der Rasende Falke ist das unter gewissen Leuten im Outer Rim berühmte Schiff von Han Solo. Berühmt ist es unter anderem, weil es den Kessel-Flug in weniger als 12 Parsecs schaffte, wie Solo vor Kenobi und dem jungen Skyywalker hervorhebt. In der Szene brüstet sich Han Solo mit der Geschwindigkeit des Falken, aber ein Parsec ist keine Zeiteinheit, sondern eine Längenangabe.

Das ist so ähnlich wie Leute, die sagen “Das dauert ja Lichtjahre!”, obwohl ein Lichtjahr auch keine Zeitangabe ist, sondern eine Entfernung (eben die Strecke, die Licht in einem Jahr zurücklegt). Ein Parsec ist eine Parallaxensekunde und entspricht in etwa 3,26 Lichtjahren.

Wie gesagt, in der Szene scheint sich Solo mit der Schnelligkeit des Falken zu brüsten, wenn er sagt, dass der Falke den Kessel-Lauf in weniger als 12 Parsecs schaffte. Der Kessel-Lauf ist eine ziemlich beliebte Schmugglerroute, die insgesamt 18 Parsecs lang war in der am meisten geflogenen Version. Solo, durch geschickte Navigation und riskantes Annähern an einige Schwarze Löcher auf der Route, schaffte es, den Kessel-Lauf auf unter 12 Parsecs zu verkürzen. Damit wäre die Route also um 6*3,26=19,56 Lichtjahre kürzer – und dann könnte der Falke eins der langsamsten Schiffe der Galaxis sein, die Strecke im Krebsgang rückwärts zurücklegen und wäre immer noch schneller am Ziel.

Was Solo in der Szene rühmt, ist schlaue, risikofreudige Navigation, nicht die Schnelligkeit seines Schiffs.

Was mir an Hackathons nicht passt

Was ihm (und mir) an Hackathons nicht passt, schreibt Alex Baley in Why I don’t like hackathons, by Alex Bayley aged 39 ½. Seine Haupt-Kritikpunkte hier mal zusammengetragen:

  • einseitige Demographie auf junge Männer hauptsächlich
  • ungesund (durch die Nacht, schlechtes Essen)
  • warum darf man nicht seine eigenen Projekte mitbringen?
  • die Atmosphäre wird als kollaborativ beschrieben, die Preise erzeugen aber Wettbewerb
  • es werden oft nur die niedrigst hängenden Früchte geerntet (sprich: Kikifax gebaut)
  • die allerallerallermeisten Ideen werden nicht fortgesetzt (Alex sagt, er kennt keine Idee, die aus einem Hackathon weiter geführt wurde. Ich kenne immerhin feelthebeat, dass bei einem Startup Weekend in der Backfabrik erdacht wurde)

Ich kann dem voll zustimmen: warum muss das immer am Wochenende sein? Das stört mich am meisten. Und wenn man öfter bereits vorhandene Projekte sehen würde, wären vielleicht auch die Ergebnisse “besser”. So kommen meist nur allereinfachste Demos raus (zumindest bei den Hardware-Hackathons, bei denen ich war), die dann oft nicht wirklich laufen.

Das, was aus einem Hackathon kommt, ist auch kein Produkt, sondern ein Prototyp. Wenn man also einen Hackathon benutzt, um sich einen MVP für seine Lean Startup-Idee zu basteln, so ist das dann kein minimal viable product, sondern ein minimum viable prototype!

#dtcamp14 – Barcamp Design Thinking – dtcamp

Am 5./6. Dezember findet in Berlin das #dtcamp14 – Barcamp Design Thinking – dtcamp statt (am Freitag von ca. 12-18 Uhr, am Samstag von ca. 9-17 Uhr). Dabei geht’s um Design Thinking, und das alles findet im Rahmen eines barcamps/Unconference statt: das heisst, die Sessions werden von den Teilnehmern erbracht. Diese Form der Konferenz ist sehr dynamisch und sehr authentisch, und vor allem: viel weniger langweilig als normale Konferenzen. Für Catering ist übrigens auch gesorgt.

Bisherige Session-Vorschläge:

  • Jan Schmiedgen und Holger Rhinow – “What are you Design Sinking about?” – Eine phänomenologische Betrachtung gelebter Design Thinking Praxis in Organisationen”
  • Daniel Gona – “lean service design thinking – Schnittstellen von  “Lean Startup” und “Human Centered Design”
  • Nadja Berseck & Mana Taheri – „Design Thinking went to Cuba – Do you want to know how our experience was?”
  • Pauline Tonhauser – Design Thinking Coach – das Handbuch
  • Dr. Chaehan So – Teambreakers – Why people break teamwork in design thinking workshops | Resistance – Why your management hates design thinking
  • Mario Leupold – Pretotyping: Fake it before you make it
  • Jens Otto Lange und Stefan Haas – Co-Design Your Organization
  • Peter Kraushaar und Julian Kea – Design Thinking und Lego Serious Play
  • Ahmet Emre Açar – Dealing with critics – 10 mistakes we made in projects
  • Amrei Kellner – Behavior Design: zur Innovationskultur durch die Gestaltung der Umgebung.
  • Karl Hosang – Design Thinking und Naturwissenschaft! How to direct innovation in deliberately serious science?

Was? #dtcamp14

Wann? 5./6. Dezember 2014

Wo? Im Ahoy, Windscheidstrasse 18, 10627 Berlin

Wie? Tickets gibt’s ab 47€

Kultur des Überarbeitens – wie wir uns selber fertig machen

In How the culture of overwork is killing entrepreneurs schreibt Kevin Wofsy über auffällig hohe Suizidraten bei Gründern in Kalifornien. Er bezieht sich auf einen Artikel von Brad Feld (Founder Suicides) und den Antworten von Gründern am Ende dieses Posts.

Depression ist entweder heutzutage ein weit verbreitetes Phänomen in allen Schichten und Gruppierungen, oder aber die Startup-Szene zieht depressive Menschen an. Oder aber, die Suizid-Raten in der Startup-Szene sind völlig normal und vielleicht sogar besser als anderswo, aber wir kriegen die Selbsttötungen dort überproportional mit, weil die Startupszene mehr im Fokus der Öffentlichkeit steht als beispielsweise die der Leichenbeschauer oder Burger-Brater. Jedenfalls scheinen viele Gründer, die bereits von vorn herein depressiv sind, mit dem Scheitern ihres Startups oder der ausbleibenden Beachtung und dem ausbleibenden Super-Erfolg nicht klar zu kommen – und Selbstmord zu begehen.

It’s ok to fail. It’s ok to lose. It’s ok to be depressed. If you are contemplating suicide, get help. If you have an entrepreneurial friend contemplating suicide, do your best to get them help.

Brad Feld

In seiner Antwort auf diesen Post schreibt Keen IO CEO Kyle Wild, dass einer der Gründe die Kultur des Überarbeitens mit Schuld sein mag:

When an entrepreneur and/or their business is really struggling for an extended period of time, the main advice they hear from the echo chamber is to “keep hustling”, “shake more trees”, “leave no stone unturned”.

I would submit that the advice they need to hear in those times is more like “climb a mountain”, “go for an inter-state bike ride”, “go to Burning Man”, “take a 5-day silent meditation retreat”, “go zip-lining across Costa Rica”, or the less extreme “try working half-days for a couple weeks”.

Kyle Wild

Und Kyle geht weiter in seinem Argument uns sagt, dass wir nicht nur eine menschliche Verpflichtung haben, diese Kultur des Überarbeitens abzustellen, weil sich selber und seine Mitgründer und Angestellten nicht cool ist, weil Menschen darunter leiden und draufgehen, weil man in diesen Überstunden mehr Fehler macht, weniger konzentriert ist, keinerlei kreative Ideen mehr hat – weil wir alle einfach schlecht arbeiten, wenn wir zuviel arbeiten.

Es geht nicht darum, aus einem Arbeitsvertrag, den Du mit Dir selber hast oder den Deine Angestellten mit Dir als Chef haben, die maximale Stundenzahl rauszupressen, obwohl Du nur für 40 Stunden bezahlst. Es geht darum, aus den vereinbarten und bezahlten 40 Stunden die maximale Produktivität rauszuholen! Das ist es, was ich auch bei alpha-board versuche, hin zu bekommen.

Und, so Kyle Wild, das ist dann auch eine kapitalistische Verpflichtung gegen die Kultur des Überarbeitens:

A brilliant product strategy, a flash of the perfect pitch, a connection between seemingly disparate areas of business, a re-invention of go-to-market principles, a sudden synthesis of old wisdom into new, a clever design to solve an unprecedented engineering problem — these are the things that make a tech company great in a nonlinear fashion. This sort of lightning doesn’t strike very often when you’re in the weeds for 30 days in a row, and I know founders who’ve been in the weeds for a thousand days in a row (this isn’t an exaggeration).

Kyle Wild

Neuigkeiten: eBook geplant, Workshop überarbeitet, WordPress spinnt

eBook über “Produktiver sein im Team” in Arbeit

Gemeinsam mit Matthias Patz arbeite ich an einem eBook zum Thema “Produktiver sein im Team”. Darin wollen wir unsere Erfahrungen weitergeben, wie wir unseren Team-Alltag mit Mails, Meetings usw. so organisieren, dass wir alle Projekte im Griff haben, aber der Produktivität und Kreativität unserer Mitarbeiter nicht im Wege stehen. Wer Interesse hat: dem Link folgen und seine Mail hinterlassen!

Workshop “Lean Startup / CustDev” überarbeitet

Unseren Workshop Lean Startup / CustDev, der den Innovationsprozess Lean Startup vorstellt, dann in die erste Phase, das Customer Discovery, einführt und das mit allen Teilnehmern in Form von Problem-Interviews einübt, haben wir überarbeitet. Wir haben den Workshop schon mehr als 10x durchgeführt. Ich kann das als Einstieg in die Materie und als Wiederauffrischung und vor allem als Antrieb dazu, seine Kunden zu befragen und das zu lösende Problem zu verstehen, nur empfehlen. Unsere Kunden auch, wie man an den Referenzen sehen kann.  Bei Bedarf: einfach melden!

WordPress spinnt weiter – wer kann mir einen guten Provider empfehlen?

Das harte manuelle Update von WordPress hat die Update-Problematik immer noch nicht gelöst. Es wird ein Fehler mit open_basedir ausgespuckt, aber der Provider meint, auf seiner Seite sei alles cool – ich habe was falsch eingestellt. Aber erst den Server komplett löschen und dann WordPress neu einspielen… wo soll da was falsch eingestelltes von mir sein, außer in der wp-config, aber da steht nix Falsches drin? Weiß jemand Rat – außer den Provider wechseln? Kann jemand einen Provider empfehlen, der für WordPress fit ist, schnell, billig und mit Zugriff auf die Error-Logs?

Brauchen wir Ethik-Kurse für Gründer?

Uber ist diese extrem erfolgreiche Fahrdienst-App, die in 48 Ländern operiert und mehr als 1,6 Mrd. $ Finanzierung eingesammelt hat. Von Uber weiss man bereits, dass

  • sie für ihre Vertriebsleute Anweisungen und Extra-Handys ausgeben, damit sie beim Wettbewerb Fahrten buchen, die sie dann stornieren
  • ihr Gründer Travis Kalanick soviel Frauen kennen gelernt hat, dass er meint, es sollte eigentlich Boober heissen (das könnte man jetzt als Neid meinerseits auslegen, aber ich finde es auch richtig dolle respektvoll dem anderen Geschlecht gegenüber)
  • sie bei einem Todesfall, verursacht durch einen Uber-Fahrer, der nicht versichert war, für den Schaden erst nicht aufkommen wollten (nach einer Klage aber doch)
  • sie in Deutschland trotz anderslautender Gesetze und Gerichtsbeschlüsse einfach weitermachen

Nun wird berichtet, dass sich Uber gegen kritische Journalisten zur Wehr setzen will, indem sie eine Schmutzkampagne starten. Dabei wollen sie auch das im Unternehmen leicht zu verfolgende Fahrverhalten dieser Journalisten untersuchen, sprich: sie unerlaubt ausspionieren, aber die Daten ihrer Nutzer setzen sie ohnehin auch gerne zur Belustigung auf Parties ein, wie man hört. Mittlerweile scheinen sich die negativen Stimmen zu mehren: Uber Gets the Silicon Valley Treatment – Bloomberg View. Selbst Peter Thiel findet, Uber geht zu weit: Uber is the most ethically challenged startup in Silicon Valley.

Egoismus uber alles

Das passt zu der Einstellung, die dort drüben gepflegt wird: der sogenannte Objektivismus von Ayn Rand ist das, würde ich sagen. Egoismus ist nicht eine schlechte Charaktereigenschaft, wie wir alle annehmen, sondern aktuell die beste Eigenschaft des Menschen. Denn wenn wir alle genügend egoistisch sind, entsteht auch immer für andere was Tolles, so Rand. In der philosophischen Diskussion spielt der Objektivismus keine Rolle, weil er einfach zu widerlegen ist. In der amerikanischen Gesellschaft spielt er eine sehr große Rolle: man lebt ihn einfach total. Witzig auch, dass in dem Land, wo man Schwierigkeiten mit dem Verständnis des Darwinismus hat, der Sozialdarwinismus am ausgeprägtesten gelebt wird.

Dabei werden von erfolgreichen Startups kaum Einschränkungen akzeptiert: der Gegner gehört zerstört, geltendes Recht und Regularien sind nicht mehr zeitgemäß, negative Presse muss beschmutzt und ausgeschaltet werden, einen gesellschaftlichen Diskurs über die langfristigen Auswirkungen braucht es nicht, weil Disruption per Definition immer nur gut ist. Und diese Einstellung schwappt über den Teich auch bis nach Deutschland: Samwer will Blitzkrieg, deutsche Pizza-Lieferdienste schiessen sich mit DoS-Attacken die Server kaputt und klauen sich gegenseitig Kunden-Daten.

Die Frage stellt sich: kann es sein, dass wir nach den MBAs der Finanzkrise auch für die Gründer der Startups Ethik-Kurse brauchen?