Mein Lean Startup-Vortrag auf Video

Letztes Jahr irgendwann im Sommer war ich in der wunderschönen Stadt Hamburg am dortigen Coworking-Tempel Betahaus, das übrigens auch wunderschön ist. Dort habe ich mal kurz ein bisschen was an die Wand gemalt und über Lean Startup gesprochen und irgendwer vom Startup Weekend Hamburg 2015 hat das aufgenommen und vor kurzem online gestellt:

Kundengewinnung und -Bindung mit Visitenkarten

In Zeiten von Internet und Smartphones könnte man meinen, dass Visitenkarten veraltet wirken. Doch genau das Gegenteil ist der Fall! Eine Visitenkarte ist im geschäftlichen Alltag wichtiger denn je, denn sie ist für ein Unternehmen eine Werbung im Kleinformat und kann die Brücke zu anderen Kanälen wie dem Internet sein, wo weitere Informationen angeboten werden. Beim Design einer Visitenkarte sollten jedoch einige Punkte beachtet werden, damit sie tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Analoge Kontaktaufnahme mit Visitenkarten

Der Kontakt zu Kunden aber auch zu Geschäftspartnern ist für ein erfolgreiches Unternehmen unverzichtbar. Smartphones während eines Gespräches zu zücken, um darin die Telefonnummer des Gesprächspartners zu speichern, zeugt nach wie vor nicht von guten Manieren – einige Branchen, die sich direkt mit diesen Geräten beschäftigen vielleicht ausgenommen. Im Gegensatz dazu steht der Austausch von Visitenkarten, wodurch das Gespräch eine sehr persönliche Note bekommt. Kann die Visitenkarte zudem noch mit einem kreativen Design punkten, entsteht ein nachhaltiger Eindruck beim Gegenüber. Dies wirkt noch verstärkt, wenn man der Visitenkarte große Aufmerksamkeit schenkt und sie nicht einfach in der Tasche verschwinden lässt. Kurze Notizen auf einer erhaltenen Karte zum Gespräch sind durchaus erwünscht und zeigen dem Gesprächspartner, dass er für den Empfänger der Visitenkarte einen hohen Stellenwert hat.

Mut zur Kreativität

Eine Karte mit den wichtigsten Daten kann jeder erstellen – eine Visitenkarte mit einem hohen Wiedererkennungswert sollte gut designt werden. Bereits bei der Auswahl des Papieres muss auf Qualität geachtet werden – billiges Papier greift sich nicht gut an und hinterlässt auch einen billigen Eindruck. Ähnlich ist es auch beim Druck, wobei man auch hier Mut zur Kreativität beweisen kann. Ein Prägedruck hinterlässt einen besseren Eindruck und auch Farben, haben ihren Platz auf der Visitenkarte. Nicht außer Acht lassen sollte man auch die Klientel, denen man die Karte überreichen möchte. So steht in Russland ein Goldprägedruck auf hochwertigem Papier für Erfolg, was jedoch hierzulande eher als protzig gilt. Von der Standardform wird nur selten abgewichen, allerdings verzichten leider viele darauf auch die Rückseite mit Daten zu füllen. Dies können beispielsweise branchenspezifische Daten wie ein Überblick des Produktsortiments sein, aber auch das Tor zu weiteren Informationen im Internet. Statt einfach eine Homepage anzugeben, kann ein QR-Code aufgedruckt werden, der direkt zu den Produktneuheiten führt. Die Kosten für den Druck, selbst bei hochwertigen Visitenkarten, sind vergleichbar gering im Gegensatz zur großen Werbewirkung. Hinzu kommt der Umstand, dass je höher die Stückzahl ist, umso günstiger die einzelne Karte wird.

Do’s & Dont’s

Auf einige Punkte sollte gerade beim Inhalt geachtet werden:

  • Der Inhalt sollte international gestaltet sein etwa mit Berufsbezeichnungen in Englisch.
  • Die Informationen immer zielgerichtet auswählen, dadurch wird die Werbewirkung erhöht.
  • Konkrete Informationen aufdrucken, statt sich in Allgemeinheiten verlieren (Was ist die Botschaft?).

Diese Fehler sollten vermieden werden:

  • Rechtschreibfehler und falsche Übersetzungen in Fremdsprachen.
  • Gibt es für einen Beruf oder eine Position keine entsprechende Übersetzung in der gewählten Fremdsprache, sollte diese weggelassen werden.
  • E-Mail und Internetadresse nur dann angeben, wenn auch regelmäßig E-Mails gelesen und neue Inhalte auf der Homepage bereitgestellt werden.

Babelfisch: Tolle Erfindung oder das Ende der Welt?

Der Pilot von Waverly Labs ist ziemlich cool, auch wenn der Gründer sich nicht einbilden soll, selber die Idee gehabt zu haben (wie er es im Video sagt). Das ist genau der Babelfisch, wie wir ihn aus Per Anhalter durch die Galaxis kennen – aber die hier haben ihn umgesetzt:

Ich will ja nicht als Kulturpessimist in die Geschichte eingehen, deswegen sehe ich das jetzt mal so: wenn wir alle fürderhin so ein Gerät benutzen, ist das doch ziemlich cool. Jeder spricht mit jedem! Überall auf dem Planeten! Jederzeit! Yeah!

Nun, so richtig überall klappt es leider doch nicht. Richtig gute Netzverbindung ist eine Voraussetzung, denke ich mal1. Das wäre Problem Nummer 1. Ist mal wieder eine Problemlösung für den Teil der Welt, der es sich leisten kann.

Aber sonst überall da, wo diese Babelfische genutzt werden, lernt dann nach einer Weile niemand mehr Fremdsprachen (Business Punk titelt ja auch: FREMDSPRACHEN ADÉ: DIESER KLEINE KOPFHÖRER SOLL FREMDSPRACHEN IN ECHTZEIT ÜBERSETZEN). Wozu auch? Das Ding ins Ohr, Smartphone an, fertig: Du kannst mit jedem Menschen der Welt reden (in den Sprachen, die angeboten werden – wer weiß, ob die Liste vollständig ist: Problem Nummer 2).

Problem Nummer 3: Keiner versteht Witz, Wortgewalt, Dynamik einer anderen Sprache, weil das alles naturgemäß beim Übersetzen verloren geht.

Problem Nummer 4: Wenn dann mal die beteiligte Technik nicht funktioniert, sind wir alle des Babelfishs wegen wieder beim Turm vom Babylon angekommen. Niemand versteht niemanden mehr. Oder lass die Technik immer funktionieren, aber einfach mal die Preise verdoppeln – selbes Problem.

Aber das wichtigste Problem kommt erst: Selbst vorher, ohne Technikausfall, ist es bereits so, dass niemand überprüfen kann, was genau übersetzt wird – da sich ja niemand die Mühe macht, die andere Sprache zu lernen. Und wer die Übersetzung kontrolliert, hat dann die Macht über jedes einzelne Gespräch und jede Verhandlung. Du hast immer eine dritte Partei am Tisch, die bestimmt, was von allem Gesagten verstanden wird.

So, bin ich jetzt doch ein Kulturpessimist oder wo sehe ich das jetzt mal wieder falsch?

  1. Ich schätze mal, dass wie bei Siri die Audio-Daten ins Netz übertragen werden, wo ein Künstlicher-Intelligenz-Algorithmus die Sprache transkribiert, übersetzt und wieder als gesprochene Sprache zurückliefert. ↩︎

Motorrad fahren: mehr als nur Fortbewegung

Motorradfahrer sind ja in Auftreten und Lärmpegel betont männlich und dabei auch gerne homophob, finde ich. Aber hinter all dem Gehabe steckt eigentlich das genaue Gegenteil, oder?

Denkt mal an das letzte Mal, als ihr einen Motorradfahrer an einer Ampel habt warten sehen. Meistens steht kurze Zeit später ein zweiter Motorradfahrer daneben. Schauen wir es uns mal an, dieses lederärschige Bonden, dass die beiden Motorradfahrer da miteinander durchziehen:

Zwei Motorradfahrer, in hautenges Leder gekleidet, schwitzend in der Hitze, auf einem Asphalt, der seine letzten leichtflüchtigen Kohlenstoffketten ausatmet. Beide Fahrer sitzen nebeneinander auf ihren jeweiligen, sanft vibrierenden Maschinen, die sie fest zwischen ihren Oberschenkeln verklemmt haben. Unmerklich drehen sie am Gas und die lautstarken Vibrationen, die die PS-starken Maschinen exakt in ihre Körpermitte überträgen, modulieren hoch und runter. Je lauter, desto heftiger die Vibrationen, die sie in ihren Skrota1 fühlen. Der Grad der Erregung korreliert mit der Lautstärke und Häufigkeit des vibrierenden Motors.

Sie spüren die Gegenwart des anderen, der da in derselben körperbetonten, eng sitzenden Ledermontur neben ihnen sitzt und schwitzt und geniesst, die strammen Oberarme mit spielenden Muskeln auf dem Lenker aufgestützt. Kein Wort wird gewechselt, kaum ein Blick getauscht, nur dieses wissende, gegenseitige Nicken, und ihr Blick schweift unabhängig voneinander in die Ferne, weit weg übers Land und unter den Wolken hindurch bis zu einem imaginären Heuschober, in dessen umfassender Halb-Dunkelheit sie sich, angeregt durch das ständige Vibrieren, gegenseitig die enganliegende Lederkleidung vom Leib reissen und hart zur Sache kommen.

Ihre Auspuffe, selber eine metallische Referenz auf von Altersschwäche ungetrübte Potenz, glänzen in der Sonne und spucken freudig kleine Spritzer Flüssigkeit aus. Das Wort Spritztour bekommt da gleich einen neuen Sinn.

Ich bin selber kein Motorradfahrer. Ich sage auch ganz offen, ich habe keine Ahnung, was in einem Motorradfahrer vorgeht, der an einer Ampel steht und wartet. Aber ich habe, wie man sieht, so meine Vermutungen.

Ihr dürft das alles ruhig anders sehen, Leute. Ihr dürft auch, wenn ihr wollt und euch Motorradfahren ziemlich dolle interessiert, zu einer Pressekonferenz mit folgendem Titel fahren: Die ökonomische Bedeutung der Motorradwirtschaft in Deutschland. Diese Pressekonferenz des Industrieverbands der Motorradwirtschaft in Deutschland e.V. findet am 19. Mai um 11 Uhr im Congress-Centrum Nord, Koelnmesse, Deutz-Mülheimer-Straße 111 statt.

Ick sach ja nur.

  1. Der Hodensack oder das Skrotum zählt zu den männlichen Geschlechtsorganen und ist ein Haut- und Muskelsack bei Säugetieren, der die Hoden, Nebenhoden, den Anfang des Samenleiters und das Ende des Samenstrangs enthält. ↩︎

Ist die Welt retten wollen ein Fehler?

Bei Produkten gibt es immer eine Badewannenfunktion, die die Fehler darstellt über die Zeit. Das heisst, am Anfang hat ein Produkt viele Fehler, dann ist lange sehr zuverlässig. Am Ende dann häufen sich die Fehler wieder. Das sieht dann so aus:

Die Badewannenfunktion
Die Badewannenfunktion

Witzig ist nun Folgendes: beim Welt retten wollen und den Menschen gibt es dieselbe Funktion, auch übers Alter aufgetragen. Am Anfang ihres Lebens wollen die Menschen gerne die Welt retten. Zwischendrin wollen sie nur in Ruhe gelassen werden, um sich im Hamsterrad des Lebens gut frei zu strampeln. Und gegen Ende ihres Lebens, wenn einem die Endlichkeit des Seins bewusst wird und es ums eigene Vermächtnis geht, da wollen wir auf einmal wieder die Welt retten, oder?

Also, das ist dieselbe Funktion, aufgetragen über dieselbe Größe (Zeit). Der Zusammenhang wäre aber jetzt, dass die Welt retten wollen für Menschen dasselbe ist wie Fehler für Produkte?

Startups, Künstliche Intelligenz, Mensch und Maschine, Bücher