Nie kam ich dazu, konzentriert zu arbeiten. Dann habe ich eine Sache geändert und es passierte Unglaubliches!

Hochkonzentriert brüte ich über dem Text. Richtig gut soll er werden. Die ersten Absätze sind geschafft, als …

Dies ist ein Gastartikel von Birgit Engelhardt. Birgit ist Fotografin mit beeindruckendem Auge für ihre Motive, arbeitet als Grafikdesignerin und schreibt freiberuflich Texte und gestaltet WordPress-Seiten.

Birgit hat vor ewiger Zeit mal auf meinen Blogpost auf Imgriff.com, Wie ich Evernote nutze, geantwortet (was mittlerweile bei Foerderland.de gelandet ist). Gefühlte 227 Jahre später hatten wir mal wieder Kontakt und daraus entstand jetzt dieser kleine Beitrag rund um Produktivität.

Den Titel habe ich mir selber ausgedacht. Ich wollte auch mal so eine richtig coole Überschrift haben, die nix sagt. Sorry, Birgit, dass ich mit Dir so rumexperimentiere

„Du musst noch die Handwäsche machen!“, meldet sich mein Gehirn.

„Die Handwäsche kann noch 3 Monate liegen, das juckt keinen – ist eh nur ein Schal und ein alter Pullover“, antworte ich und vertiefe mich wieder in meine Arbeit. Ich komme drei Absätze weit, als …

„Das Currypulver ist fast alle!“, meldet sich mein Gehirn wieder.

ARGH.

Letzten Herbst hat es mir gelangt. Weil ich wusste, dass mein Gehirn mich so lange an banalste Sachen erinnert, bis sie erledigt sind, schrieb ich zum ersten Mal bewusst eine To-Do-Liste.

‚Was da draufsteht, kann nicht vergessen werden‘, denkt mein Hirn und lässt mich seitdem in Ruhe. Seither habe ich mich etwas intensiver mit dem Thema „To-Dos auslagern“ beschäftigt und einen Weg gefunden, der für mich sehr gut funktioniert. Und weil er ziemlich simpel ist, habe ich ihn euch in drei Skizzen aufgezeichnet:

Das erste Bild zeigt, wie ich mit neuen Aufgaben / Mails etc. umgehe:

Umgang mit Aufgaben, von Birgit Engelhardt

Umgang mit Aufgaben, von Birgit Engelhardt

Auf dem zweiten Bild seht ihr, welche verschiedenen To-Do-Listen ich habe:

Meine verschiedenen To-Do-Listen, von Birgit Engelhardt

Meine verschiedenen To-Do-Listen, von Birgit Engelhardt

Und im dritten Bild habe ich dargestellt, wann und wie ich mich meinen Aufgaben widme:

Welche Aufgaben sind heute dran? (von Birgit Engelhardt)

Welche Aufgaben sind heute dran? (von Birgit Engelhardt)

Kennt ihr diese Unterbrechungen eures Gehirns auch? Was macht ihr dagegen? Wie organisiert ihr euch? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Carsharing funktioniert nur im innersten Bereich der Innenstädte

Carsharing wurde immer als hervorragendes Beispiel dafür benutzt, wie gut Teilen klappen kann. Dabei wurde immer vergessen, in welchem Kontext Carsharing Sinn macht – und dass dieser Kontext nur für gutverdienende Innenstadtbewohner passt.

Teilweise wurden die Autohersteller verhöhnt, so kam es mir vor. Wie rückständig sie seien, wie sehr sich die Nutzung von Autos ändern würde usw. Das stimmt alles: wir benutzen Autos heute anders. Wir sehen sie, zumindest in Berlin, nicht mehr als unbedingt notwendiges Statussymbol unseres eigenen Erfolgs an – ein fast protestantisches Symbol dafür, wie sehr Gottes Segen auf uns ruht sozusagen.

Aber das alles passiert nur in großen Innenstädten. Dort sind Parkplätze schwer zu ergattern (ein Problem, dass aber leider auch für Carsharing-Cars gilt). Außerdem ruht Gottes Segen auf uns nicht mehr so üppig wie seinerzeit – die Einkommen der Mittelschicht sind seit Jahrzehnten am Stagnieren, die Kosten für Autos steigen überinflationär. Also: warum ein Auto besitzen, wenn es in Anschaffung und Unterhalt kaum zu bezahlen ist? Warum immer im Stau stehen wegen all der Baustellen, und dann endlos auf Parkplatzsuche sein – und umso länger Du suchst, umso weniger Zeitersparnis hast Du gegenüber den Öffis1.

Aber außerhalb großer Innenstädte ist das alles anders: Carsharing klappt da nicht. Wenn alle Leute aus einer kleinen Gemeinde zur Arbeit wollen, brauchen die auch genügend Carsharing-Angebote, nämlich für jeden ein Auto. Die wollen aber alle fast gleichzeitig los, und sie fahren größere Distanzen, brauchen das Auto also auch länger. Und in der Großstadt ist das so: wenn da kein Carsharing-Auto steht, gehst Du um die Ecke, da steht dann eins. In einer kleinen Gemeinde funktioniert das nicht so einfach – aber Du brauchst Dein Auto dort für alles: Einkaufen, Arbeit, Doktorbesuch, Schule usw.

Es war also nie so, dass sich nun ein neues Autonutzungsprofil gebildet hatte, das alle anderen ablöst. Nein. Nur das Autonutzungsprofil in urbanen Ballungszentren unterscheidet sich immer mehr von dem in der Fläche.

Und das kommt auch bei Carsharing an: Daimler schrumpft Car2go, weil das neue, gefeierte Nutzungsprofil wirklich nur direkt in den Innenstädten funktioniert. Selbst am Stadtrand funktioniert das nicht. Weil eben alle gleichzeitig in die Stadt und später wieder hinaus wollen. Weil aber auch vielleicht das Einkommen am Stadtrand nicht so hoch ist, dass man sich täglich die Carsharing-Miete leisten kann (oder im Gegenteil, noch so hoch ist, dass man sich gleich die eigene Luxuslimousine hinstellt).

So oder so, der Kontext für Carsharing wird noch innenstadtbezogener denn je.


  1. Gemeint ist der öffentliche Nahverkehr. Der ist in Berlin so gut, dass man meistens ohnehin schneller unterwegs ist. Außerdem lernt man eventuell nette Menschen kennen oder kloppt sich mit ihnen um freie Plätze. Zumindest aber kann man im ÖPNV entspannt lesen. Das ist mein Dealmaker.  

Unsterblichkeit um den Preis des Lebens

Byung-Chul Han hat Metallurgie gelernt, sich aber bei einem Experiment verletzt. Heute experimentiert er in Gedanken, was man dann Philosophie nennt, lehrt dieses Fach auch an einer Berliner Universität und schreibt Bücher.

In einem Interview mit der Zeit1 sagt er was sehr Interessantes darüber, was Mensch und Maschine unterscheidet und immer unterscheiden wird:

Intelligenz ist intel-legere, ein Dazwischenlesen, eine Unterscheidung. Intelligenz ist eine Tätigkeit des Unterscheidens innerhalb eines Systems. Intelligenz kann kein neues System, keine neue Sprache entwickeln. Der Geist ist etwas ganz anderes als Intelligenz. Ich glaube nicht , dass ein sehr intelligenter Computer den menschlichen Geist kopieren könnte. Man kann eine total intelligente Maschine entwerfen, aber die Maschine wird nie eine neue Sprache, etwas ganz anderes erfinden, das glaube ich nicht. Eine Maschine hat keinen Geist. Keine Maschine kann mehr hervorbringen, als sie aufgenommen hat.

Gerade darin besteht das Wunder des Lebens, dass es mehr hervorbringen kann, als es aufgenommen hat, und etwas ganz anderes hervorbringt, als das, was es aufgenommen hat. Das ist das Leben. Leben ist Geist. Darin unterscheidet es sich von der Maschine. Aber dieses Leben ist da bedroht, wo alles maschinell wird, wo alles von Algorithmen beherrscht wird. Der unsterbliche, maschinelle Mensch, der den Posthumanisten wie Ray Kurzweil vorschwebt, wird kein Mensch mehr sein. Vielleicht werden wir irgendwann mithilfe von Technik Unsterblichkeit erlangen können, dafür werden wir das Leben verlieren. Wir werden Unsterblichkeit erreichen um den Preis des Lebens.


  1. Das Interview fand übrigens im Cafe Liebling statt. Das ist in der Raumerstrasse 34 am Helmholtzplatz, hier gleich um die Ecke. Und dort gibt es ein sogenanntes Alpenstück, eine mit Butter beschmierte Stulle aus wirklich gutem Brot mit entweder Rosmarinschinken oder Bergkäse drauf. Ich kann euch sagen, das ist das beste Stück belegtes Brot in der nördlichen Hemisphäre, global. 

Intel und die Super-Intelligenz

Ramez Naam ist SciFi-Autor und beschäftigt sich mit Nahzeit-SciFi. Dabei ging er der Frage nach, wie bald die Singularität1 auf uns zukommt: The Singularity is Further Than it Appears. Das liest sich sehr gut, und Ramez Naam zeigt so einige Probleme, die glücklicherweise zwischen uns und der Super-Intelligenz2 stehen.

Interessant finde ich den Gedanken hinsichtlich der Steigerungsrate, mit der die KI sich selber verbessert.

[Let's envision] a situation where the first smarter-than-human intelligence can make an even smarter entity inless time than it took to create itself. And that this keeps continuing, at each stage, with each iteration growing shorter, until we’re down to AIs that are so hyper-intelligent that they make even smarter versions of themselves in less than a second, or less than a millisecond, or less than a microsecond, or whatever tiny fraction of time you want.

Da kriegt man also Angst, und dann versteht man, warum die Singularität nicht zwangsläufig ein schöner Augenblick für uns Ex-Menschen-Affen sein wird. Dieses Szenario ist übrigens das Hard takeoff-Szenario der künstlichen Intelligenz.

Ist diese Steigerungs-Rate aber kleiner als linear, erreichen wir nie eine Super-Intelligenz. Einfach, weil jede künftige Generation der KI sich nur noch immer marginaler selbst optimieren kann. Die Zeiträume zur Selbstverbesserung werden nicht immer kürzer, sondern immer länger. Und wir haben bereits Beispiele für sowas:

Let’s focus on as [sic] a very particular example: The Intel Corporation. Intel is my favorite example because it uses the collective brainpower of tens of thousands of humans and probably millions of CPU cores to.. design better CPUs! (And also to create better software for designing CPUs.) Those better CPUs will run the better software to make the better next generation of CPUs. Yet that feedback loop has not led to a hard takeoff scenario. It has helped drive Moore’s Law, which is impressive enough. But the time period for doublings seems to have remained roughly constant. Again, let’s not underestimate how awesome that is. But it’s not a sudden transcendence scenario. It’s neither a FOOM nor an event horizon.

Dieses Beispiel war mir neu. Der Rest des Artikels ist auch gut geschrieben.


  1. Die Singularität bezeichnet den Moment, an dem eine künstliche Intelligenz super-schlau wird und Allmacht erreicht. Der Vorteil einer künstlichen Intelligenz ist ja, dass sie höchstwahrscheinlich skalierbar ist: pack einfach mehr von der Hardware dazu, auf der sie läuft, schon wird sie schlauer (wenn das bei Menschen so einfach wäre). Und wenn die KI dann also so schlau wie ein Mensch ist, verbessert sie sich selber oder skaliert, und schwupp: wir haben eine Super-Intelligenz und wahrscheinlich die letzte Erfindung der Menschheit vor uns. 
  2. Wir denken auch immer, was soll schon das Problem sein mit einer Super-Intelligenz? Wir stellen uns das immer mit einem meterlangen Massstab vor: links ein Affe, gleich daneben ein dummer Mensch, in der Mitte wir und ganz rechts ist Einstein. Und ein bisschen weiter eben die Super-Intelligenz. Es ist aber anders: meterlanger Massstab, ganz links der Affe, Millimeter daneben der dumme Mensch, Millimeter daneben wir, Millimeter daneben Einstein und die Superintelligenz ist am rechten Ende.  

Das Problem mit anekdotischen Beispielen

Logisch denken ist nicht so einfach, wie man leichthin annimmt. Nehmen wir mal diesen Artikel von James Altucher über den Sinn oder Unsinn von Schule: This 11 Year Old Dropped Out Of School… And Then This Happened

Zusammengefasst läuft die Argumentation des Autoren wie folgt ab:

  • der Autor schreibt in einem Artikel, dass er seinem 13jährigen Sohn empfiehlt, die Schule zu verlassen und sich selbst zu bilden
  • dafür wird er in den Kommentaren dort verbal angegriffen
  • dann postet ein 16jähriger einen Kommentar mit Podcast-Link, in dem er behauptet, die Schule mit 11 geschmissen zu haben, seitdem 9 Bücher schrieb und 4.000$ pro Monat damit verdient
  • seitdem sind alle anderen Kommentare still

James Altucher sieht sich also bestätigt, im Recht, und fühlt sich erhaben und toll. Seinem Sohn empfielt er jetzt wahrscheinlich nicht mehr, die Schule zu verlassen, sondern zwingt ihn sogar dazu.

Das ist ein wunderbares Beispiel, wie im Internet diskutiert wird. Aber ich hab da so meine Probleme damit.

Was auch immer in dem Podcast behauptet wird, muss ja nicht stimmen. Wir wissen nicht, ob diese Person mit 11 Jahren die Schule verliess oder das nur behauptet, weil es so eine tolle Genie-Story ergibt. Wir wissen auch nicht, ob er jetzt wirklich 4.000$ pro Monat mit Selbsthilfe-Büchlein verdient oder das nur behauptet, um Aufmerksamkeit auf sich, seine Podcasts und seine Büchlein zu ziehen (die sich vielleicht gar nicht verkaufen wollen). Wir wissen auch nicht, wie nachhaltig das ist und ob er das jetzt so in Ewigkeit durchzieht. Amen. 4.000 klingt erstmal viel, aber es sind Dollar. Für einen 16jährigen sollte das mehr als genug sein, aber auch das wissen wir ja leider nicht. Für einen 35jährigen zweifachen Familienvater ist es nicht mehr so viel, sondern nur noch halbwegs adäquat.

Das sind aber die offensichtlichen Einwände, die wir alle schnell vorbringen (und deretwegen wir dann schnell als Neider eingestuft werden). Hier aber das große logische Problem, das James Altucher übersieht:

Die Kausalität wird hier so dargestellt: verlasse mit 11 die Schule, damit Du mit 16 bereits 4.000$ im Monat verdienst. Wenn A, dann immer B, so unterstellt Altucher fälschlich.

Wir wissen aber (wenn wir mal annehmen, dass der Podcast uns nicht anlügt hinsichtlich Alter und Einkommen) dass dieser eine 11jährige das so hinbekommen hat. Und entweder weil das wirklich geklappt hat, oder weil es einfach eine tolle Lüge ist, die aber hilft, Aufmerksamkeit zu erregen und damit Umsätze, erfahren wir das jetzt.

Was wir aber nie so richtig erfahren, sind die unzähligen Geschichten aller anderen 11jährigen, die aus irgendwelchen Gründen die Schule schmeissen. Wie viel verdienen die im Schnitt mit 16 Jahren? Was wird aus ihnen? Wie viele von ihnen verdienen jemals 4.000 Irgendwas pro Monat?

Die eigentliche Kausalität, die wir aus diesem anekdotischen Beispiel lernen können, sieht so aus: in 1 von X (wobei X ziemlich hoch ist) Fällen gibt es anscheinend jemand, der nun trotzdem 4.000$ pro Monat verdient.

Und es kommt noch schlimmer: was wir auch nie wissen werden, ist folgendes. Es ist durchaus möglich, dass dieser spezielle 11jährige (wenn wir mal annehmen, dass seine Story stimmt), jetzt 6.000$ pro Monat verdienen würde, wenn er bis zum Alter von 12 Jahren an der Schule geblieben wäre, oder 35.000$ pro Monat, wenn er bis 21 zur Uni gegangen wäre.

Das ist das Problem mit dem Verallgemeinern anekdotischer Beispiele. Es tritt häufig dann auf, wenn Logik angewendet wird von Leuten mit fehlender oder kümmerlicher allgemeiner Bildung. Was ja unter anderem auftreten kann, wenn man zu früh die Schule verlässt, am Rande bemerkt.

Wie kann unsere Gesellschaft funktionieren?

Aus How the Nazi Concentration Camps Worked – The New Yorker:

The enemies we kill in war, the convicted prisoners we lock up for life, even the distant workers who manufacture our clothes and toys—how could any society function if the full humanity of all these were taken into account?

Last day of a man’s life

The Stranger - Albert Camus, Matthew    Ward

[“Musa” – The New Yorker](http://www.newyorker.com/magazine/2015/04/06/musa)

 
> The days blurred into an interminable single day, like a broad, deep valley I meandered through. The last day of a man’s life doesn’t exist. Outside of storybooks, there’s no hope, nothing but soap bubbles bursting. That’s the best proof of our absurd existence, my dear friend: no one is granted a final day, only an accidental interruption of life.
 
Und eine Idee, die ich auch schon hatte: dies ist eine Kurzgeschichte, die eine andere Sichtweise auf ein Ereignis in einem Buch von Albert Camus erzählt. Cool als Training, und für Camus-Fans. 

Original post:
denkpass.booklikes.com/post/1182297/last-day-of-a-man-s-life