Yihaaa! Nachdem sich die Waage in meinem Bad lange an das Bild gewöhnen konnte, hat sie heute zum ersten Mal nach etwa drei Jahren die 95 kg von unten angeschaut - wenn ich drauf stand. Sonst schaut sie sich diese Marke immer von unten an, außer vielleicht wenn meine Frau, mein Sohn und unser Auto gemeinsam draufklettern. Aber nicht, wenn ich mich auf der Waage breit gemacht habe. Dann drehte sich die Scheibe schnell so weit, daß unter dem Strich eine brutale 105 zu stehen kam. Natürlich nur, wenn ich mein Gewicht günstig auf den Fußsohlen hin- und herverlagert hatte.
Weil mir aber vor einigen Monaten ein ehemaliger Arbeitskollege über den Weg lief, der sage und schreibe 15 kg abgenommen hatte, beschloß ich seinerzeit, diesem Wert etwas entgegen zu setzen. Entgegen setzen zu müssen. Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder dahergelaufene Ex-Kollege Wiegeerfolge vorweisen kann und ich nicht? Natürlich gab es weitere Hinweise, daß Handlungsbedarf bestand: Als mein Sohn beim Baden die Shampooflaschensammlung in die Wanne schmiß und jeder Flasche einen Namen gab, bezeichnete er die Flasche mit dem Schaumbad (und jeder weiß, was das für Kaventsmänner sind) als Papa. Meine Frau fragte ihn, warum denn dieser Schaumbadflaschenblauwal, der da einsam zwischen den anderen kleinen Fläschchen schaukelte, der Papa sein sollte. Junior antwortete, weil der Papa immer so viel ißt. Was haben wir gelacht! Mein Gott, ich hätt´ ihm eine scheuern können.
An einem der nächsten Tage dann habe ich mir - als Diplomingenieur und angehender MBA - mein Excel geschnappt und darüber nachgedacht, auf welche Weise sich mein träger Körper am besten konditionieren liesse. Joggen fiel mir sofort ein, das hatten meine Frau und ich vor der Geburt unseres Sohnes regelmäßig (bis zu fünf Mal die Woche) gemacht. Schwimmen. Fahrradfahren. Aber es sollte auch etwas für den Bauch sein. Also, fix eine Tabelle entworfen: Am linken Rand die Kalenderwoche (es fing damals an mit KW 18), und daneben eine Reihe von sechs Feldern, in denen Zahlen stehen, die ganz links bei 1500 anfangen und in 250er-Schritten abwärts zählen. Das Ganze hängt in dieser Form an meinem Kühlschrank:
Für jede ernstzunehmende Einheit Sport, z.B. Joggen, Schwimmen oder Baseballspielen, darf in der aktuellen Kalenderwoche eines der Felder abgekreuzt werden. Die Zahlen, die am Ende stehen bleiben, sind dann mit Situps oder besser: Cramps abzuarbeiten. Cramps sind diese Übungen, wo man auf dem Rücken liegt, die Beine abstellt oder leicht anhebt und dann den Oberkörper etwa 15-25 cm nach oben Richtung der Beine anhebt. Dabei trainiert hauptsächlich den Bauch. Ich unterteile mir die 250 Wiederholungen in fünf 50er-Gruppen. Dazwischen fahre ich dann auf dem Rücken liegend "Fahrrad" und zähle bis 50. Oder auf dem Rücken liegend die Beine ausstrecken und in einem Winkel von etwa 30-50 Grad anheben und bis 50 zählen. Vorneweg und hintendran jeweils 20 Liegestütze.
In den meisten der bisher 11 Wochen Training bin ich viermal gelaufen. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag. An den läuferischen Ruhetagen habe ich dann mein Bauchtraining hinter mich gebracht. Angefangen habe ich mit etwa 5 km Joggen in knapp 32 min bei einem Puls von 135-145. Seit etwa 6 Wochen habe ich das auf 7,5 km gesteigert, wofür ich jetzt ungefähr 42-45 min benötige. Beim Puls achte ich, um maximale Fettverbrennung zu erhalten, auf ein Maximum von 145, will aber eigentlich recht genau zwischen 130 und 135 laufen.
Von Zeit zu Zeit, wenn es mir besonders gut geht, laufe ich auch längere Strecken. So zum Beispiel vor drei Wochen um den Wolziger See (südlich von Berlin). Die 12,5 km habe ich in 1:12 Stunden zurückgelegt, was mir nur zwei Blasen jeweils am kleinen Zeh, aber eine Menge Befriedigung eingebracht hat. Läuferisch befinde ich mich in wirklich guter Verfassung, besser als mich erinnern kann, jemals gewesen zu sein. Vom Gewicht her kann ich mir vorstellen, noch weiter abzunehmen. Was allerdings ein harter Kampf bleibt - jeden Morgen muß man sich neu motivieren, aufzustehen, Schuhe anzuziehen und loszurennen.
Auch beim Essen hat sich einiges getan - worauf ich aber achte, darüber an anderer Stelle mehr.
Ach, eins noch: Das Ganze hat natürlich nur in völliger Nacktheit geklappt. Das mit der Waage und den 95 kg von unten meine ich. Nicht das viele Joggen...
... in fitnesstechnischer Hinsicht und das liegt schlicht und einfach an der persönlichen Großwetterlage. Und die sieht in aller Kürze so aus:
- Junior kränkelt sich durch seine Geburtstagswoche (die ich ja in Nürnberg auf der Messe verbracht habe) und darüber hinaus
- das führt zu erheblichen Schlafstöungen, da der kranke Muschelhase darauf besteht, im "große Bett heia heia" zu machen
- diese Störungen der nächtlichen Bettruhe strahlen aus in eventuelle körperliche Betätigungsanwallungen (wie Joggen oder Schwimmen)
- während der Geburtstagswoche des Muschelhasen waren auch die Schwiegereltern aus der Bodenseegegend angereist
- deren Kochkünste scheinen erst ab zehn oder zwölf Portionen richtig zu greifen, so daß man erst Wochen später zum eigenen Ernährungsplan zurück kann
- auch das Wetter in Deutschlands Hauptstadt wartet mit Überraschungen auf, die gerade Joggingmaßnahmen erschweren können
- meine Frau hat in wenigen Wochen ihre Diplomarbeit vorzulegen, deswegen liegt die Verantwortung der Pflege des Muschelhasen einzig und allein bei mir (und das schlaucht, Freunde!)
Was lernen wir daraus? Nun, zum einen lebe ich in einer Familie, in der Aufgaben geteilt werden (was aber mit Sicherheit an einem großzügigen Arbeitgeber liegt). Zum anderen ist es bedeutend leichter aus Gewohnheiten raus-zu-fallen als in sie hinein zu kommen (s. Jogging, Schwimmen).
Ach ja: das Gewicht. Weiter 100 kg. Bauchumfang weiß ich nicht (liegt aber nur daran, daß hier gerade kein Maßband rumliegt).
Wenn es so weiter geht, werden die Anfangsüberschriften immer schwerer zu finden sein, schätze ich. Aber für den Start dieser neuen Kategorie haben wir ja noch einiges zur Auswahl...
Was das für eine Kategorie werden soll, erschließt sich ja aus dem Namen. Welche Gründe gibt es dafür? Nun, ich persönlich empfinde meinen Leibesumfang zwar nicht als störend (habe ja breite Schultern vom vielen Schwimmen in meiner Jugend). Aber man hört ja so Bemerkungen, nicht wahr? Arbeitskollegen, die auf meine Anmerkung, Kälte gegenüber unempfindlich zu sein, mit der Verbalinjurie reagieren, ich hätte auch eine gute Dämmschicht. Meine Frau, die auf die Frage ob ich dick bin, seit einiger Zeit antwortet, daß ich süß sei. Und zu guter Letzt mein zweijähriger Sohn, der beim Baden seinen Bauch nach vorne streckt, die Schultern nach hinten und so durch die halbvolle Wanne stolziert und "Papa, Papa" ruft.
Die Hinweise häufen sich also, daß hinsichtlich meines Korpus noch Optimierungspotenzial vorhanden ist. Und weil Jim Henley, Autor von Unqualified Offering, auf seiner Seite auch periodische Fitnesseinträge laufen ließ, gehe ich jetzt denselben Weg.
Dies hat mehrere Gründe. Zum einen ist es laut Henley so, daß genau solche Einträge sehr viele Leser anziehen. Die damit einhergehenden Hits sind natürlich für das eigene Ego nicht zu verachten und geben dieser Fitnessgeschichte eine weitere Sonnenseite. Zum anderen setzt man sich selber mit der Veröffentlichung einiger Parameter des eigenen Körpers gehörig unter Druck.
Welche Parameter denn? Na, fangen wir mal an:
Gewicht - 100 kg
Bauchumfang - 113 cm
Meine Maße insgesamt sind 106-113-118. Mit viel gutem Willen ist das noch eine V-Silhouette. Körpergröße ist übrigens 184 cm.
So. Wie geht es weiter? Nun, über die nächsten Wochen, Monate, Jahre will ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen das Gewicht und den Bauchumfang veröffentlichen, um mir und meiner Leserschaft eine präzise Zensur der Fortentwicklung meines Leibes zu ermöglichen. Um mein Gesicht nicht zu verlieren, wären sinkende Tendenzen optimal.
Wie will ich diese erreichen? Nun, bis Junior zur Welt kam, haben meine Frau und ich 4-6 Mal in der Woche gejoggt. Zwischendurch ging ich noch häufig schwimmen. Und ein tolles, teures Fahrrad habe ich auch. Wie es in unserer Konsumgesellschaft nun mal so läuft, habe ich auch in kleidungstechnischer Hinsicht einige Ausstattung vorzuweisen, was diese drei Sportarten betrifft. Ich werde also versuchen, meine diesbezüglichen Aktivitäten wieder aufzunehmen.
Die andere Waffe im Kampf gegen meinen durch Trägheit und viel Nahrung verformten Körper wird eine bewußtere Ernährung hergeben müssen. Dies geschieht durch Reduktion des Mahlzeitenumfangs und eine gesündere Verteilung über den Tag. Bewußt zu hungern kann auch Spaß machen (man frage bloß Kate Moss).
So, für den Einstieg reicht das hoffentlich an Information. Ich drücke mir schon mal selber die Daumen, daß das auch klappt...