Die Koalition hat sich nach gründlicher Beratung auf einen Koalitionsvertrag einigen können, welcher nur noch auf den Parteitagen oder Gremiumssitzungen oder was auch immer für Versammlungen der einzelnen Parteien abgesegnet werden muß. Dann aber, Juchhei!, hat dieses Land endlich wieder das, was es lange nicht haben durfte: Eine Regierung!
Allein, auf eine weitere unerlässliche Zutat für die Regiererei müßen die Wähler weiter verzichten: ein Regierungsprogramm. Nein, formulieren wir das anders. Wir warten weiterhin auf ein durchdachtes Regierungsprogramm. Bis wir eins haben, halten wir uns halt an das vorliegende Papier. Unter uns gesagt, dürfte das durchaus noch einige Legislaturen dauern. Wie aber kam der Koalitionsvertrag denn nun zustande, wenn dabei offensichtlich nicht ein Grämmchen Hirnschmalz verbraten wurde? Dem Denkpass liegen zuverlässige Informationen vor, wie diese schwierigen Verhandlungen in Wirklichkeit über die Bühne gingen.
Wie erzielt man beispielsweise Einigung darüber, ob bei unterschiedlichen Auffassungen entweder die Ansicht der CDU oder aber die der SPD ihren Weg in den Koalitionsvertrag findet? Ganz einfach - man spielt Schere, Stein, Papier:
Schere, Stein, Papier, auch Ching, Chang, Chong genannt, ist ein offenbar weltweit verbreitetes Kinderglücksspiel, welches auch bei Erwachsenen bekannt und beliebt ist. [Jawohl. Gerade bei gutverdienenden Erwachsenen!]So erzielten die Spitzen von CDU und SPD in kurzer Zeit Einigkeit über die offenen Punkte und hatten auch noch jede Menge Spaß dabei. Wenn man das mal anfügen darf, gab es einen weiteren Vorteil: ihre intellektuellen Kapazitäten wurden nicht gerade überfordert.Das Spiel wird ausschließlich mit den Händen gespielt: Handhaltungen werden Symbole zugeordnet, die sich wechselseitig "schlagen" können. Ziel des Spieles ist es, eine höherwertige Handhaltung zu haben, als der Gegenspieler. Damit keiner der Spieler einen Nachteil durch verfrühtes Zeigen seiner Handhaltung bekommt, bewegen beide Spieler ihre rechten Hände noch zur Faust geballt vor sich hin und her und sprechen dabei zusammen den Namen des Spiels, zählen bis drei, [pupsen oder rülpsen mehrfach] oder ähnliches.
Dann gab es ja da den Kernpunkt des Vertrags - die Höhe der Mehrwertsteuererhöhung. Sagen wir es mal so: Wir Wähler hatten einfach Glück, daß der Würfel auf der Drei liegen blieb. Es hätte auch, Gott bewahre!, die Sechs sein können.
Und zu guter Letzt mußten sich die Verantwortlichen natürlich auch noch auf die Besetzung des Kabinetts einigen. Wir wissen ja, was dabei heraus gekommen ist. Wie wird sowas effizient gehandhabt? Man stellt sich im Kreise auf, und einer zählt dann ab:
Eene meene mopel, wer frißt Popel? Süß und saftig, ein Euro achtzig. Ein Euro zehn und du darfst gehen.Zum Beispiel der Stoiber, der hatte einfach mal Pech.
So, wer jetzt noch folgende Frage beantworten kann, weiß wirklich wie Politik funktioniert: Warum hat das Ganze denn dann drei Wochen gedauert? Wär doch auch in zwei Stunden hinzukriegen!
Nahhhh. Ganz einfach. Es muß doch so aussehen, als ob die Damen und Herren was zu tun hatten. Wie wir Berliner sagen würden: Damit et so aussieht, als ob de Politiker sich richtich ´n Kopp jemacht haben. Sonst wären wir Wähler doch von vornherein unzufrieden!
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)