Über die merkwürdigen Verteilmechanismen, die zwischen Ost- und Westdeutschen wirken, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, berichtet die Berliner Morgenpost unter Berufung auf den MDR. Dabei ergibt sich die Erkenntnis, daß man in den folgenden Berufsgruppen
• Generäle bundesweit
• Richter und Universitätsrektoren in den neuen Ländern
so ziemlich unter sich ist. Für die, die nicht wissen, was unter sich in diesem Falle bedeutet, sei angemerkt, daß man in den jeweiligen Kreisen biographischen Schwerpunkt auf eine Geburt in den alten Bundesländern legt:

Ist der Denkpass nun ein chauvinistischer Ossi? Will er etwa, daß die Generäle der NVA auch in der Bundeswehr ihre Betonideologie in die Köpfe der Rekruten hämmern? Oder daß SED-Richter Urteile über freiheitsliebende Bundesbürger fällen dürfen?
Nein. Eigentlich nicht. Der Denkpass will nur darauf hinweisen, daß seinerzeit, so in den späten vierziger Jahren, frühen fünfziger Jahren etwa, kein Schwein Berührungsängste gegenüber den Generälen und Richtern des Vorgängerstaates hatte. Kein Schwein scherte sich ein bisschen darum, welche Ruhmeslorbeeren die Generäle der jungen Bundeswehr im letzten Waffengang gesammelt hatten, als einige von ihnen noch das Totenkopfsymbol auf ihrer Mütze trugen. Niemand stellte Fragen über die Vergangenheit von Richtern, die zuvor auch am Volksgerichtshof tätig waren. Niemand scherte sich auch nur einen Dreck um die Zwiedeutigkeit der beruflichen Erfahrungen fast aller Mitglieder des Auswärtigen Amtes.
Aber heute machen wir das. Weil wir aus den Erfahrungen gelernt haben? Weil die Zerrissenheit des Landes vom Jahre 1968 eine einmalige Erfahrung bleiben soll? Schön wär´s ja. Aber vielleicht auch bloß, weil man doch so einer ganzen Generation von Wissenschaftlern, Richtern und Generälen einfach mehr Jobs zur Verfügung stellen kann.
Ach. Schon wieder falsch. Eigentlich nur Dreiviertel der Generation. Den Pechvögeln aus den neuen Ländern eben nicht.
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)