04.08.05

Merkel - die Differenz zwischen Brutto und Netto

So, so. Der Kanzlerkandidatin Angela Merkel sei also kein Fehler unterlaufen, als sie Brutto mit Netto verwechselt hatte, verteidigt die CDU die geistigen Ausrutscher ihrer Galionsfigur. Als Merkel vom Spiegel befragt erläutern wollte, welche Vorteile die von der CDU geplante Senkung der Arbeitslosenversicherung den Arbeitnehmern brächte, erklärte sie, dadurch würden die Bruttolöhne sinken. Von der Kanzlerkandidatin der vermeintlich in Wirtschaftsfragen kompetenteren Alternative zur Regierung sollte man aber eigentlich mehr verlangen dürfen, oder?

Wie man weiß, wenn man schon mal selber arbeiten war, wird der Bruttolohn im Arbeits- und/oder Tarifvertrag fixiert. Direkte Eingriffe der Bundesregierung in diese Vertragsarten, zu mal in bestehendes Vertragswerk, sind aber unerhört. Nein, was die selbsternannte Kanzlerin der Zukunft sagen wollte, ist, daß die Nettolöhne steigen. Denn der Unterschied zwischen Brutto und Netto sind eben Steuern und Lohnzusatzkosten. Senkt man diese bei gleichbleibendem Bruttogehalt, steigt der Nettolohn. Wer allerdings wie Angela Merkel niemals in seinem Leben auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt tätig war, neigt unter Umständen dazu, diese Faktenlage auf die leichte Schulter zu nehmen oder gleich ganz zu übersehen. Sogar, wenn man sich über diesen Mist kostenlos im Internet informieren kann.

Da hilft es auch nicht, wenn ein paar ganz Schlaue aus der Wahlkampfzentrale darauf hinweisen wollen, daß die Kanzlerkandidatin Brutto und Netto nicht durcheinander gebracht hatte. Sie habe nur ein paar Wörtchen vergessen, erzählt man uns: Angela Merkel solle gemeint haben, daß der Lohn im Vergleich zum Brutto steige. Genau, und wenn meine Tante zwei Eier hätte, wäre sie mein Onkel. Und wenn meine Oma ein Bus wäre, könnte sie hupen. Und wenn ich fünf Nasenlöcher hätte, könnte ich mit einer Hand volle Kanne popeln und trotzdem mit der anderen Hand weiter auf´m Laptop rumtippen.

Die gute Frau Merkel, in ihrem offenbar dringend benötigten Urlaub in der Brandenburger Datschenidylle, hat so in den letzten Tagen in einigen Interviews den Überblick auch über andere Themen verloren: der Unterschied zwischen sinken und steigen sowie der parteiinterne Zeitplan zum Einhalten der Maastricht-Kriterien sind auch mal so nebenbei in des Kanzlerkandidatinnen-Köpfchen vom Regal gekullert und unsanft auf dem Boden der Realität gelandet. Vielleicht auch ein Grund, warum man sich auf nur ein TV-Duell mit Gerhard Schröder einlassen will?

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Der Wahlkampfmanager der Grünen, Fritz Kuhn, jedenfalls meint, daß Merkel nur brutto Kanzlerkandidatin sei, netto betrachtet für den Job aber ungeeignet wäre. Der Fraktionsvize der SPD im Bundestag, Joachim Poß, hält derweil ein Merkel für das Maß von einem Fettnäpfchen zum nächsten. Der Denkpass sieht das anders: Die Differenz zwischen Brutto und Netto ist Tara. Bislang. Ab heute heisst das also:

Brutto + Netto = Merkel

Brutto + Merkel = Netto

Netto + Merkel = Brutto

Die Versionen, die falsch sind, habe ich einfach mal durchgestrichen. Kann ja sein, daß der eine oder andere Politiker beim Denkpass demnächst mal reinschaut. Der weiß dann, was er nicht so daherplappern darf. Internet ist nämlich richtig dolle nützlich, sagt man doch!

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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