06.06.05

Ruhig mal die firmeninternen Memos lesen, Herr von Pierer!

Sabine Christiansen steht mit ihrem Namen für des Landes prominenteste Talkshow mit strikt politischem Gehalt. Diesen Platz an der Sonne der Zuschauergunst verdankt die Sendung nicht von ungefähr dem netten Äußeren von Frau Christiansen, auf deren Körper und Gesicht die Augen der zumeist männlichen Zuschauer sich gerne niederlassen. Auch ihre Stimme hat einen angenehmen Klang, wenn auch zuweilen etwas körperlos und kalt. Die Anziehungskraft auf ihr Publikum verdankt die Frau ihrem Selbstvertrauen und der damit verbundenen Präsenz im Kreise ihrer hauptsächlich maskulinen Gäste. Weibliche Zuschauer neiden ihr eben jenes selbstbewußte Auftreten, männliche Zuschauer würden dieses spezielle Weibchen in ihrer Phantasie wohl gerne dominieren.

Seltsamerweise sind es aber die Charakterzüge von Frau Christiansen, die den Erkenntnisgewinn des Publikums in Grenzen halten. Man erfährt nämlich nicht so viel, wie man erfahren könnte, wenn Sabine Christiansen sich selber und ihre Sympathien und Antipathien mehr im Zaume halten würde. Erfahrene Rhetoriker, und Politiker darf man in den meisten Fällen getrost zu dieser Personengruppe zählen, schaffen es sehr leicht, Frau Christiansen von der Fährte zu locken. Mit allen Wassern gewaschene Polit-Profis wie Roland Koch oder Gregor Gysi lotst Frau Christiansen daher nicht so leicht aufs Eis. Gerade das aber wäre interessanter als der Sermon einstudierter Phrasen.

Aber dies nur am Rande. Kommen wir zum eigentlichen Gegenstand dieses Artikels. Gestern nämlich waren Wolfgang Clement, Friedrich Merz, Gregor Gysi und Heinrich von Pierer zu Gast bei Frau Christiansen. Man sprach darüber, ob die womöglich kommende Neuwahl das Land verändern würde. Heinrich von Pierer, dem als Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens AG zugestanden sei, nicht nur die Interessen der Bevölkerung im Blickfeld zu haben, griff dabei mit Wolfgang Clement vehement den einzigen Vertreter der SPD - und damit der Regierungskoalition - an. Er warf der Regierung unter anderem Polemik vor, wenn diese von den Wirtschaftsunternehmen mehr Patriotismus verlange. Sobald Bund oder Länder nämlich selber Aufträge vergeben, kommen dort nicht nur deutsche Unternehmen zum Zug.

Recht hat er natürlich, obwohl ein Verweis auf das geltende Ausschreibungsrecht in der EU erklärt, warum den öffentlichen Auftraggebern in diesem Fall die Hände gebunden sind, selbst wenn sie patriotisch vergeben möchten. Trotzdem sollte gerade der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG der Bundesregierung keinen fehlenden Patriotismus bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen vorwerfen. Denn wie verträgt sich dieser Vorwurf mit dem Fakt, daß die Siemens AG für ein Trikotsponsoring in der Fußballbundesliga kein Geld zu haben scheint, für die Brust von Real Madrid aber schon? Und mit 12 Millionen € jährlich gar nicht mal so wenig.

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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