05.03.05

Der Tag der Befreiung

Es sind nur noch wenige Tage - genau genommen sind es 64 -, da jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 60. Male. Dies führt seit geraumer Zeit zu einigen unsäglichen Äußerungen und Vorgängen, die von provokativen Demonstrationsanmeldungen der NPD bis zu eilig zusammen geschusterten Gesetzesvorlagen etablierter Parteien reichen.

Hermann Rudolph sah sich daher heute im Tagesspiegel veranlasst, zur Bedeutung des Tages Stellung zu nehmen. Dabei erfasst er die Schwierigkeit des Umgangs mit diesem Datum, die sich für die Deutschen aus der Gleichzeitigkeit von Befreiung und Zusammenbruch, von Dank und Scham, von Trauer und Schuld ergibt:

Am 8. Mai 1949, in der Schlussdebatte über das Grundgesetz, nannte Theodor Heuss diesen Tag die „tragischste und fragwürdigste Paradoxie der Geschichte“, weil „wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind“. Was damals noch jeder verstand: Vier Jahre nach Kriegsende war ganz gegenwärtig, dass das Befreiende an diesem Ende durchdrungen war von der Trauer über die Opfer des Krieges und den Schmerz über den Zusammenbruch.

Nun ist das offenbar nicht mehr so. Aber muss man diese Ambivalenz des 8. Mai trotzig hervorheben, als spreche man damit etwas aus, was man nicht sagen dürfte? Muss man wirklich, andererseits, die Deutschen, wenn sie an ihre Leiden und Verluste erinnern, sogleich mit dem Hinweis auf den Holocaust festhalten wie ertappte Sünder, die ihrer Schuld entlaufen wollen? Doch ohne die Anerkennung seiner bedrängenden Zwiespältigkeit ist dem Tag nicht gerecht zu werden.

Genau so ist es.

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
Comments
Post a comment









Remember personal info?