31.01.05

Ein Kamin, der sehr gut zieht

Guy de Maupassant nimmt in seinem wohl bekanntesten Roman Bel-Ami auch Bezug auf tagespolitische Ereignisse des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, wenn er im letzten Drittel die Rede eines Abgeordneten im französischen Parlament wider gibt. Wandelt man die Ortsbezüge und Namen ein wenig um und passt sie aktuellen Geschehnissen an, sieht man, daß es Guy de Maupassant gelang, die negativen Folgen hegemonialen Machtstrebens in einem zeitlos schöne, zugleich aber grotesken Gleichnis unterzubringen:

"Afrika, meine Herren, ist in der Tat für Frankreich ein Kamin, ein Kamin allerdings, der unser bestes Holz aufbraucht, ein Kamin, der sehr gut zieht und den wir mit Banknoten anzünden.

Sie haben sich den originellen Luxus geleistet, meine Herren, den linken Flügel des Kamins mit einem tunesischen Souvenir zu schmücken, das Ihnen sehr teuer zu stehen kommt, und Sie werden sehen, daß Monsieur Marrot es seinem Vorgänger nachtun wird auf dem rechten Flügel des Kamins ein Schmuckstück aus Marokko aufstellen wird.

Ein Stück klassische Bildung aus dem "alten Europa", dessen Lektüre sich so mancher Politiker in Übersee anscheinend gespart hat. Die egoistische und bereichernde Verhaltensweise de Maupassant´scher Protagonisten hat man - hüben wie drüben - gleichwohl noch nicht verlernt.

chiefpedro in Literatur | TrackBack(0)
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