Die Zahlen steigen. Der durch ein unterseeisches Erdbeben auf den Weg gebrachte Tsunami, der fast die gesamte Küstenlinie des Indischen Ozeans verwüstet hat, hat sich bereits jetzt in der Geschichte der Menschheit seinen Platz als eine der größten Katastrophen aller Zeiten erobert. Und nicht nur wegen der schier unermesslichen Anzahl der Opfer, sondern auch wegen der Bedrohung unserer Urlaubsgebiete und der damit verbundenen, realen Gefahr für uns, die Bewohner der Industrienationen, fragt man sich weltweit, wie man ähnlichen Unglücken vorbeugen kann.
Mögliche Ursachen für erneute Tsunamis gibt es genügend:
• natürlich überall da, wo sich aufgrund der Plattentektonik unterseeische Verwerfungen ergeben, die Seebeben auslösen können
• Vulkanische Aktivität in der Nähe von oder auf dem Meer kann Tsunamis auslösen
• große Inseln mit vulkanischer Entstehungsgeschichte, deren Hänge durch Erdrutsche gigantische Wellen auslösen können (z.B. Hawaii oder Kanarische Inseln)
• unterseeische Atombombentests wie sie seinerzeit im Bikini-Atoll oder auf Mururoa durchgeführt wurden
• der Einschlag eines Meteoriten auf dem Meer kann die wohl größten Tsunamis auslösen (so gibt es Hinweise auf eine mehr als 1.000m hohe Flutwelle, die seinerseit mehr als 1.000km ins Landesinnere vordrang)
Der Ruf wird laut nach einem Vorwarnsystem für alle von potenziellen Tsunamis bedrohten Küsten der Welt. Im Pazifik gibt es solch ein System immerhin bereits seit 1949. Wenn man aber den Aufwand sieht, den einige mit reichlich Tsunami-Erfahrungen ausgestattete japanische Gemeinden betreiben, wird schnell klar, daß den meisten Ländern der Welt - man denke an Südamerika, Afrika und einige asiatische Staaten - der finanzielle Hintergrund für diese Maßnahmen fehlen dürfte. Entgegen der Meinung der Berliner Zeitung entstehen Kosten dabei nicht nur beim Sensornetz im Ozean, daß die seismischen Daten sammelt und weiterleitet, sondern gerade bei der anschließenden Auswertung und Kommunikation der gesammelten Daten sowie den Küstenschutz- und Evakuierungsmaßnahmen. Ohne sie wäre eine Frühwarnung sowie sinnlos.
Davon abgesehen wird ein Frühwarnsystem ohnehin nur helfen können, die Zahl der Opfer zu minimieren. Eine totale Sicherheit kann das beste Frühwarnsystem nicht bieten. Zum einen muss es eine ausreichende Vorwarnzeit geben, was von den Telekommunikationsmöglichkeiten ebenso abhängt wie von der Entfernung des Ortes, an dem der Tsunami entsteht, bis zur bedrohten Küste. Zum anderen müssen dann vor Ort nicht nur geeignete Maßnahmen zur koordinierten Evakuierung der betroffenen Küstenstriche durchgeführt werden. Es muss auch Orte in unmittelbarer - das heißt: erreichbarer - Nähe geben, die der Bevölkerung Schutz vor den anstürmenden Wassermassen bieten. Gerade auf den Malediven mit ihrem flachen Landniveau über dem Meeresspiegel bleibt dann nur die Flucht aufs tiefe Wasser, wo die Amplitude der Tsunamis die Meterhürde noch nicht überwunden hat. Andernorts müssten notfalls - wie in Japan vereinzelt zu sehen - aufwändige Maßnahmen zum Küstenschutz ergriffen werden.
Solange aber ein solches Frühwarnsystem global nicht zur Vefügung steht, bleibt das Erkennen erster Anzeichen bis dahin einzige Hilfe:
• wenn Tiere vom Strand flüchten, spüren sie vielleicht etwas
• wenn urplötzlich das Wasser weit vom Strand zurückläuft, sammelt es sich für die Wucht einer großen Welle
In diesem Falle hilft nur noch die Flucht. Und selbst die sollte unter einem glücklichen Stern stehen.
chiefpedro in Wissen-schaf(f)t-Macht | TrackBack(0)