In Heft 12/04 der Zeitschrift Technology Review äußert sich Prof. Dr. Karlheinz A. Gießler von der Bundeswehruniversität München über die Rolle, die wir der Zeit in unserem Leben einräumen (der Artikel ist leider online nicht verfügbar). Dem interessanten Blickwinkel, den der Professor auf die Probleme fehlender Zeit anwendet, kann man dabei nur zustimmen.
Geißler würde einem Kind Zeit auf die folgende Art erklären:
Die Zeit ist etwas, was nicht vorhanden ist und was wir uns ausdenken. Und warum denken wir es uns aus? Damit wir unser Leben ordnen können.Weil unser Leben spätestens seit dem Erfolg des Calvinismus in England und Holland auf Arbeit und Aktivitäten konzentriert sei, von denen wir uns Fortschritt, Entwicklung und Reichtum - und damit Glück - versprechen, nimmt dieses Konstrukt unseres Geistes jedoch eine so zentrale Rolle in der Gestaltung unseres Lebens ein. Unser Problem sei es auch nicht, so der Professor, daß wir zuwenig Zeit hätten. Wir würden uns nur zuviel an Aktivitäten aufbürden in den uns gegebenen Zeiträumen.
Dabei ändert sich gerade die Strategie der Gesellschaft, mehr im Leben unterzubringen. Waren bislang schnellere Technik, Transporte, Produktionszeiten und Konsummöglichkeiten das Maß der Dinge, wird die Zeit des Einzelnen nunmehr verdichtet - durch Gleichzeitigkeit. Deswegen üben Mobiltelefonie, Hörbücher und Laptopsteckdosen im ICE solchen Reiz aus: Sie ermöglichen uns simultane Aktivität und werden uns als ein Mehr an Freizeit uns somit auch ein Mehr an Freiheit verkauft.
Daß es ein bewußtes Mehr an Freiheit auf diese Art nicht geben kann, darauf weist Prof. Dr. Geißler hin. Soziale Systeme, von denen intelligente Wesen wie der Mensch abhängig sind, können "weder verdichtet noch beschleunigt werden".
"Wir werden einsamer, weil wir kurzfristiger werden."Auswege aus dieser Krise bietet die Verknüpfung der verschiedensten Formen von Zeit: Langsamkeit, Schnelligkeit, Hektik, Warten, Ruhe. Eine Aussage von Prof. Dr. Geißler ganz wenig abwandelnd, kann man sagen:
"Man muss möglichst viele dieser Formen praktizieren, um ein erfülltes Leben zu erlangen.Die Dualität von aktivem und beschaulichem Verhalten, sozusagen. chiefpedro in Allgemein | TrackBack(0)