17.10.04

Schwarze Weite

Vom Popcorn hatte er gerade die Hälfte verzehrt, als sein Handy zu klingeln anfing. Um die Suche interessant zu gestalten, änderten sich in diesem Moment die Lichtverhältnisse. Im Dämmerlicht des Kinosaals suchte er in seinen mit Popcorn bedeckten Sachen nach seinem Telefon und stieß dabei die Flaschen um, die er zuvor ausgetrunken und neben seinen Füßen aufgestellt hatte. Eine von ihnen kullerte den ganzen Weg von der letzten bis zur ersten Reihe hinunter und kam dort mit einem lauten Klirren zum Stillstand. Endlich fand er sein Gerät.

"Ja?"

"Ne. Ick bin grad im Kino."

"Wat?"

"Ne. In Stralsund."

"Ne."

Er lachte laut auf.

"Wesste, wat schön is?"

"Wenn man´n Fuß in kalte Scheiße steckt."

"In kalte Scheiße."

"Wat?"

"´n Fuß."

"Meinetwegen ooch in Kühlschrank."

Er lachte wieder.

"Jenau. Hilft jegen Schweißfuß."

"Echt? Wann?"

"Um sieben? Ick dreh glei´ richti´ durch."

"Ja. Ick komme."

"Ja."

"Halt´s Maul."

Er legte auf und steckte das Gerät in seine Hosentasche, griff nach seiner Jacke und stand auf. Als er das Kino kurze Zeit später verlassen hatte, bemerkte er den sternenklaren Himmel über der menschenleeren Stralsunder Altstadt. Sein Wagen sprang brüllend an, schoß aus der Parklücke wie ein bockiger Esel und schlidderte um die Ecke. Der Asphalt unter seinen Reifen glänzte im kalten Licht des Vollmondes, ein Band glitzernder Schwärze, das sich vor ihm ausstreckte wie Adern über ein Krebsgeschwür.

chiefpedro in Lebensächliches | TrackBack(0)
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