Mit einem ohrenzertäubendem Knall zersprang das Glas. Durch die Wolke von Glassplittern sprang ein junger Mann, schwer wie ein ausgewachsener Kaffernbüffel und auch genauso beweglich. Sein Schrei zerriss die Ruhe der Nebenstraße. Ein Mann zog seinen Dackel angstvoll einige Schritte näher an sich ran, bevor er sich, aufgeschreckt durch die Ereignisse, nach der Quelle des Lärms umwandte. Der junge Mann stand mit weit gespreizten Beinen vor der zersplitterten Eingangstür des Plattenbaus, brüllte weiterhin und hielt an seinem hoch ausgestreckten Arm eine Tüte voller Biomüll. Mit seinem anderen Arm schlug er in die Luft, dazu wackelte er mit dem Kopf.
Mit mehreren beherzten Armdrehungen liess er schliesslich die Mülltüte rotieren, die dabei viel von ihrem stinkenden Inhalt verlor. Nach fast einer halben Minute, die fliegenen Teile des Inhalts liessen auf ein unvermutet großes Abfallbehältnis schliessen, trat er gegen den Biocontainer. Der Deckel sprang hoch, kurz bevor die Mülltüte im Container aufschlug. Der junge Mann brüllte noch einmal kurz auf und verharrte dann still in einer vorgebeugten Position. Sein ausgestreckter Arm hielt die Henkel der Mülltüte, die er erst losließ, als der Deckel mit einem leisen Klappern zufiel.
In der plötzlichen Stille sagte der junge Mann: "Hinein."
Er drehte sich um und schaute über den Hundeführer hinweg die Straße hinunter. Quer über seinen Kopf und die Brust lief ein Streifen der übel riechenden Suppe aus seiner Mülltüte, die ihn aber nicht zu beeindrucken schien. Daß seine Probleme jetzt öfter bereits vor 18:00 Uhr zutage traten, kümmerte ihn etwas mehr. Aber was soll´s, dachte er und furzte.
"Jawohl!", schrie er auf, "Ich bin ein Profi."
Das Wochenende hatte gerade erst angefangen.
chiefpedro in Lebensächliches | TrackBack(0)