Wie zu lesen ist, befürchtet man in Regierungskreisen den Verlust von einigen Milliarden Euro durch zum Schein angemeldete Ich-AGs. Diese könnten nur angemeldet worden sein, um sich während des vorgesehenen Zeitraums die staatliche Unterstützung zu erschleichen - ein Gedanke von solch abscheulicher Unverfrorenheit, daß man ihn im Unschuldsland Bundeshauptstadt bislang nicht ernst nehmen wollte. Gewappnet mit den ersten Erfahrungen im Umgang mit Ich-Aktionären, wolle man künftig die Geschäftskonzepte der sich in die Selbständigkeit stürzenden Arbeitslosen überprüfen, bevor man der Auszahlung von Fördermitteln zustimme.
Sollten nun verzweifelt Ideen gesucht werden, die förderfähig sind und zugleich unternehmerischen Erfolg bieten können, braucht man nicht weiter als bis zum Denkpass zu surfen. Denn hier gibt es Hilfe, auch wenn man nicht danach fragt. Aber der Reihe nach:
Eine Folge von Hartz IV, auch wenn sie vom Artikel-20-Blog indirekt hinterfragt wird, ist die zunehmende Verarmung der Dauerarbeitslosen. Diese müssen sich gar, so fordert es das Gesetz unbarmherzig, nach einer kostengünstigen Wohnung umschauen, falls Mietzins und Betriebskosten ihrer alten Gemächer eine bestimmte Summe überschreiten. Da die Antragsteller von ALG-II-Geldern der Definition nach knapp bei Kasse sind, suchen sie mit Sicherheit vehement nach dem billigsten Umzugsservice.
Den aber bietet meine erfolgreiche Geschäftsidee für eine Ich-AG - der Fahrrad-Möbeltransport. Geeignet auch für Leute mit Hang zum Alkohol und dementsprechenden Führerscheinentzug, bietet sich hier dem harter Arbeit nicht abgeneigten Dauerarbeitslosen eine Möglichkeit für horrende Umsätze und Gewinne. Betriebskosten gibt es fast keine, denn zum einen kommen Fahrräder ohne Brennstoff aus und zum andern kann wegen der stetigen körperlichen Ertüchtigung auf die Zahlung von Krankenkassenbeiträgen sowieso verzichtet werden. So hält man auch die Lohnnebenkosten flach - ein Punkt, der heutzutage oft im Mittelpunkt des rhetorischen Interesses unserer Politiker steht. Und Kunden wird es in Zukunft in Deutschland ohne Ende geben. Und wenn es nicht klappt, organisiert man halt seinen eigenen Umzug mit dem Fahrrad. Nach dem Ende des Förderzeitraums nämlich.
Wie man sieht, schlägt diese wirklich grandiose Idee mehrere Fliegen mit einer Klappe. Warum aber, so wird sich der gequälte Wähler besorgt fragen, ist diese Idee dann keinem unserer Politiker eingefallen? Auch der Denkpass weiß darauf keine Antwort. Allein, er glaubt, gerade deswegen eine politische Revolution einleiten zu können. Dazu aber morgen mehr...