Der Tagesspiegel, in Studentenkreisen als beste - weil neutrale - Tageszeitung Berlins bekannt, positioniert sich zum Thema Blogging. Blogs können "die Defizite des herkömmlichen Mediensystems korrigieren", sie seien aber häufig mit einem entscheidenden Malus behaftet:
Allzu häufig stecken hinter [ihnen] gescheiterte Journalisten, die gern auf die inhaltlichen und ethischen Regeln des Berufs, nicht aber auf die Aufmerksamkeit verzichten möchten.Damit die Leser des Tagesspiegels auch wirklich verstehen, was mit dieser schweren Anschuldigung gemeint sei, steckt Hannah Pilarczyk, die verantwortliche Journalistin, ihren Finger auch gleich beispielhaft in eine offene Wunde. Da gäbe es zum Beispiel das Blog wonkette.com, wo eine in der Vergangenheit gefeuerte (vielleicht mittlerweile wieder untergekommene?) Journalistin Klatsch und Tratsch aus dem Washingtoner Polit- und Medienzirkus veröffentlicht. "Ob wahr oder unwahr", wird dabei nicht weiter geprüft, so Pilarczyk, verzichtet aber - aus welchen Gründen auch immer - auf die journalistisch korrekte Anführung unwahrer Beispiele.
Pilarczyks Gedankengang geht aber weiter. In Deutschland seien die Blogs eher "unpolitisch", so wird Nico Lumma zitiert, "aber vielleicht ändert sich das bald":
Noch wird dort vor allem „Hartz IV“ diskutiert, doch wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir das erste Mal von Joschka Fischers neuer Freundin aus einem Blog und nicht aus der Zeitung erfahren.So, so. Die Entwicklung zur ernstzunehmenden politischen Berichterstattung, die Hannah Pilarczyk kommen sieht, reduziert sich also auf die Erstmeldung der arterhaltenden Tätigkeiten des bundesdeutschen Außenministers. Von der Diskussion der problembehafteten Umsetzung deutscher Sozialgesetzgebung könne man gedankenlos Abstand nehmen, so ihre Empfehlung an die deutsche Blogosphäre.
Na, wenn hier mal keiner neidisch auf die Erfolge eines Mediums ist, dessen Entwicklung völlig verpennt wurde.
[via Plastic Thinking]
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)