Florian vom Röhrenden Hirsch hinterfragt das Leitmotiv des ersten Teils unter diesem Titel. Die Saarländer Politiker Ulrich und Hartmann könnten aus anderen Gründen der Berliner Politikszene den Rücken kehren, als ich es unterstellt habe, so Florian. Daß sie in ihren jeweiligen Parteien Landesvorsitzende sind, macht dies sogar wahrscheinlich. Paßt dann aber noch meine fragende Unterstellung, diese Rückzüge in die Landespolitik böten Rückschlüsse auf die wahren Geschehnisse hinter den Kulissen der Macht?
Für einen Rückzug aus der Bundespolitik in den beschaulichen Saarländer Landtag mag es viele Gründe geben:
• Gründe familiärer Art
• bessere Lebensbedingungen im Saarland
• gesundheitliche Probleme
• Idiotentum, das zur Isolation innerhalb der Bundestagsfraktion führt
• gewalttätige Meinungsverschiedenheiten mit Berliner Drogenhändlern und Prostituierten
• Verzweiflung angesichts der Tatsache, daß bekannte Politiker aus dem Saarland bislang nur Oskar Lafontaine oder Erich Honecker hießen
Mit Sicherheit kann aber auch eine generelle Desillusionierung der beiden Landesvorsitzenden hinsichtlich der Bundespolitik in Erwägung gezogen werden.
Ganz allgemein betrachtet, ist das Ziel der meisten Karrieren, an den Entscheidungen innerhalb der jeweiligen Organisationen, in denen die Karriere abläuft, beteiligt zu sein. Entscheidungen werden von Entscheidungsträgern gefällt, die sich in den meisten menschlichen Organisationsformen in oberen Leitungsebenen zu Machtzentren zusammenballen. Ganz abstrakt betrachtet, findet sich in dieser Hinsicht kein Unterschied zwischen dem FC Bayern München, der LIDL GmbH und der bundesdeutschen Politik. Dem Gedankengang folgend, wäre dann das Ziel jeglicher Karrierebemühungen ein Sitz in einem dieser Machtzentren. Im Falle bundesdeutscher Politik also im Bundestag, womöglich als Kanzler.
Daß jetzt also zwei saarländische Landesparteivorsitzende ihre Stühle im Bundesparlament räumen, finde ich - vom Standpunkt ihrer Karriere aus betrachtet - interessant. Ich räume ein, daß es zum Einen vielerlei andere Gründe geben mag, die für diesen Umzug sprechen und ich zum Anderen wenig bis keine Ahnung von taktischen Manövern in jeglichen Karrieren - geschweige denn politischen - habe.
Diese Unsicherheit kommt aber, so finde ich, im letzten Satz des Beitrags zur Geltung. Dort wird gefragt, in welcher Anzahl andere Bundespolitiker mit Neid auf die Entscheidungen der Herren Ulrich und Hartmann schauen.
Was lernen wir daraus? Wie immer, nicht viel. Aber doch zumindest eines: Beim Denkpass gibt es unmittelbaren Kontakt zum Autor. Florian fragt, ich antworte. Sofort. Ohne Umschweife. Glasklar. Präzise. Und das ist doch auch was wert, oder?
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)