Henryk M. Broder nimmt den dritten Jahrestag des 11. September zum Anlaß, um uns vor falschem Verständnis für terroristische Tatmotive zu warnen. Dem kann in der Sache nur zugestimmt werden: So trägt beispielsweise nicht der russische Präsident die Schuld an der Vielzahl von Opfern in Beslan, sondern einzig und allein die Gruppe von Tätern, ohne die es die Situation in der Schule nicht gegeben hätte.
Dem Tenor des Beitrags mag ich dann aber doch nicht folgen. Tut Herr Broder hier doch jeglichen Versuch, Ursache und Motivation terroristischer Gewaltorgien zu begreifen, als "liberale, von sozio-pädagogischer Nachdenklichkeit bestimmte Einstellung gegenüber dem Terror und den Terroristen" ab, dessen ziellose Schlußfolgerungen die Wahrheit nur weiter verschleiern.
Unser allgemeiner Algorithmus zur Lösung von Problemen, der sich von der Analyse über das Verstehen zum steuernden Eingreifen erstreckt, könnte in der Bewältigung terroristischer Bedrohungen zum Scheitern verurteilt sein. Was [wäre], so fragt Broder, wenn [Terroristen] kein anderes Motiv haben als die Lust am Töten und den Spaß am Sterben?.
Dann gäbe es auch nichts zu verstehen. Und somit auch nichts zum Handeln. Dann bliebe uns eigentlich nur die von Henryk M. Broder am Ende seines Beitrags vorgeschlagene Handlungsweise:
Warum gehen wir nicht hin und machen ihnen ein faires Angebot: "Liebe Leute, wenn ihr euch unbedingt umbringen wollt, dann macht es. Wir werden euch daran nicht hindern. Aber macht es bei euch zu Hause. Alles Gute und viel Erfolg."Wirklich vielversprechend scheint mir diese Möglichkeit aber nicht zu sein. Denn selbst wenn die Terroristen selber Monstren sind, die keine Gnade kennen, weil sie [vermeintlich] in Gottes Auftrag handeln, die von der Freude an der Barbarei angetrieben werden, so haben sie dennoch aller Wahrscheinlichkeit nach kühl kalkulierende Auftraggeber, Financiers und Sympathisanten.
Und deren Handlungen, da bin ich mir sicher, folgen logischen Regeln. Und begreifen wir deren Systematik, können wir ihnen zuvorkommen: Agieren, statt reagieren.
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)