Mit dem Taxi fährt jeder Mal. Manch einer öfter, manch einer weniger oft. Und manch einer nur, wenn er
• zu einem der drei Berliner Flughäfen will und viel Gepäck bei sich führt
• wenn er einen gesunden Schlaf hat und mit den öffentlichen Verkehrsmittel einen wichtigen Zug nicht mehr erreichen würde
• total besoffen und bekifft keine unnötigen Wagnisse auf sich nehmen möchte
• sich nicht anders zu helfen weiß, wenn er angesoffene Discobekanntschaften unauffällig in die Nähe der eigenen Sportmatratze bugsieren möchte
Nun hört man, daß die Taxifahrer ihre wertvolle Kundschaft hintergehen, indem sie ihnen die übliche Taxe fürs Umherfahren berechnen, aber nicht alle Einnahmen versteuern. Allein dem Land Berlin gehen so im Jahr an die 50 Millionen € flöten. Der Denkpass möchte gleich darauf hinweisen, daß sich also auch Taxifahrer nur so benehmen wie der Rest der Gesellschaft auch:
Jedem das Seine, mir das meiste.Wir wollen uns die Zahlen trotzdem einmal anschauen. In der Bundeshauptstadt fahren 12.000 Taxifahrer etwa 6.500 Taxen umher. Durchschnittlich macht eine Taxe 3.000 € Umsatz im Monat. Somit geht die folgende Geldmenge durch die Hände der Berliner Taxifahrer:
6.500 • 3.000 € • 12 Monate = 234.000.000 €Gehen wir mal von einem durchschnittlichen Steuersatz von 40 Prozent aus, so erarbeitet die Berliner Taxiflotte 93.600.000 € für den Fiskus. Im Rahmen des vertikalen Finanzausgleichs zwischen Bund und Ländern landen ungefähr 45 Prozent der für Taxifahrer relevanten Steuern beim Land. Von den oben errechneten 93,6 Mio. € wandern also knapp 42.120.000 € in die Kassen der Bundeshauptstadt.
So weit, so gut. Wir haben hier ja die Zahlen verwendet, die uns vom rbb zur Verfügung gestellt wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind das Zahlen, die der im Artikel erwähnte Vorsitzende der Berliner Taxi-Vereinigung Matthias Bornschein präsentiert hat. Die Umsatzzahlen, die genannt wurden, können also bereits die 70 Prozent der Rechnungen enthalten, bei denen man von Manipulationen ausgeht. Mit anderen Worten, wir haben hier die durch Hinterziehung geminderten Steuern errechnet.
Das würde dann aber heißen, daß sich unter Berlins Taxifahrern einiges an krimineller Energie aufgestaut hat. Denn wenn man von 50 Millionen € hinterzogenen Steuern spricht, wir aber nur 42 Millionen € gezahlte Steuern errechnen können, heißt das, daß Berlins Taxifahrer weniger als die Hälfte ihres Umsatzes ordnungsgemäß versteuern. Wenn man aber 70 Prozent der Rechnungen so manipulieren will, daß 55 Prozent des Umsatzes verschwinden, muß man sie auf 20 Prozent ihres eigentlichen Wertes mindern:
30 % voll + 70 % • 0,2 = 45 % UmsatzUnd das ist wirklich viel. Entweder stimmen hier die Zahlen nicht, oder die Taxifahrer der Hauptstadt sind zu großen Teilen eine ruchlose Bande von Schwerverbrechern.
Und die Lösung? Die wäre ganz einfach. Jedes Taxi fährt jährlich einmal zum TÜV. Da werden die Taxometer geeicht, damit nämlich Fahrgäste keine durch Manipulation überhöhten Fahrpreise zahlen. Und bei der Gelegenheit könnte man die Taxometerdaten auslesen und analysieren. Die speichern nämlich alle Vorgänge ab. So würde man Steuerhinterziehung nicht unmöglich machen, aber immerhin erschweren.
Aber soweit sind wir noch lange nicht. Warum auch? Berlin hat´s ja dicke. Hier der Schuldenstand in Milliarden €:
