Dem Land geht es schlecht. Steigende Arbeitslosenzahlen, eine ratlose Regierung und kein Ende dieser ausgedehnten Konjunkturdelle in Sicht. Selbst was den Sport betrifft, befindet sich die Nation eindeutig auf dem Rückmarsch. Bundesverbraucherministerin Renate Künast beschwert sich über schwabbelige Teenis mit zuviel Kaufkraft, Jan Ullrich greift nur noch selten an und wird dann trotzdem bloß Dritter und zur Olympiade fahren unsere Ahtleten auch bloß als Statisten. Und beim Fußball? Beim Fußball waren wir doch schon immer wer...
Ja, waren. Seit Nur-ein-Rudi-Völler seinen Graubart vom grausigen Gekicke unserer Nationalmannschaft abgewandt hat, steht es auch da nicht mehr zum Besten. Nicht, daß es vorher gut aussah - Rudi wußte schon, warum er keine Lust mehr hatte. Seit Jahren fehlte der deutschen Nationalmannschaft das entscheidende Quentchen Glück. Ob das nun bei der fehlenden Einsatzbereitschaft, zu vielen ausländischen Bundesligaprofis oder einer mangelnden taktischen Schulung unseres Fußballnachwuchses seinen Ursprung nahm, spielt keine Rolle mehr. Denn besagtes Glück will auch der eigens eingesetzten Trainerfindungskommission nicht über den Weg laufen.
Ottmar Hitzfeld sagt ab, Rehhagels Otto lässt sich mit Euromillionen und einem olympischen Fackellauf bestechen und alle anderen ziehen den Schwanz ein. Zu guter Letzt taucht Loddar auf und spielt sein altbekanntes Spiel: Keiner fragt und Lothar antwortet. Nun müssen ausländische Trainer ran, doch auch die zögern, stellen sich dumm oder sagen ab.
Dabei gäbe es doch eine Lösung, die man fast schon akzeptiert hatte und die trotzdem nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Und sie führt über Gütersloh und Dortmund in Fußballdeutschlands heimliche Hauptstadt: München.
Für einen kurzen Moment, als es den Mitgliedern der Trainerfindungskommission so vorkam, daß Ottmar Hitzfeld vielleicht nur etwas Zeit für sich und seine Familie bräuchte, war man drauf und dran, seinen Assistenten Michael Henke als Interimscoach zu installieren. Und zwar solange, wie Ottmar Hitzfeld brauchen würde für all die Sachen, für die man so Zeit braucht in seinem Leben. Nur Ottmar hat sich nicht überrumpeln lassen und diesen Kuhhandel sofort glatt gestellt. Sein Nein sei endgültig, so erklärte er aufgebracht.
Und alle taten die ganze Idee sogleich als Hirngespinst ab und suchten fleißig weiter nach einem Mann, der unser Team in zwei Jahren zum Weltmeister formen soll. Dabei ist Michael Henke doch mehr als nur eine Interimslösung. Der 47-Jährige ist seit vielen Jahren Co-Trainer bei den erfolgreichsten Klubs der Bundesliga. Er konnte dabei dem Wunschkandidaten Gerhard Mayer-Vorfelders, der Trainerfindungskommission und ganz Deutschlands, Ottmar Hitzfeld, seit 13 Jahren über die Schultern schauen. Zusammen gewannen sie zweimal die Champions League und den Weltpokal, wurden fünfmal Deutscher Meister und gewannen den DFB-Pokal, den Ligapokal und den Supercup.
Sie bildeten das erfolgreichste Trainerduo in der Geschichte des deutschen Fußballs. Aber irgendwann wird es Zeit für Michael Henke, sein gewonnenes Wissen und seine gesammelten Erfahrungen alleine anzuwenden. Warum nicht jetzt? Warum nicht als Trainer der deutschen Nationalmannschaft?
Im Gegensatz zu vielen anderen stünde er obendrein sofort zur Verfügung.
chiefpedro in Fussballerisches | TrackBack(0)