20.03.04

Grand Prix-Ausrichter drohen türkischen Votern

Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, verlief die in Berlin-Treptow stattfindende deutsche Vorentscheidung zur Teilnahme am European Song Contest mit auffallend agressiven Untertönen. So kam es zu einer Reihe von Zwischenfällen, so ein Augenzeuge unter Berufung auf Anonymität, die darauf ausgerichtet waren, dem deutschen Vertreter im Endausscheid die Gesamtheit aller türkischen Stimmen zu sichern. Die Dramaturgie des Abends unterstützt diese Anklagen.

Den Anfang nahm die Beeinflussung türkischer Wählerstimmen, als die Moderatorin des Abends, Sandra Kuttner, in türkischer Trachtenmode die Bühne betrat. Man hätte ihre "unrasierten Hammelhaxen sehen" können, so unser Mann vor Ort. Einzig und allein ihr Verzicht auf weitere typisch türkische Mode-Acessoires wie "Ringelsöckchen und krumm gelaufene Pumps" hätten die Produzenten davon abgehalten, Sandra Kuttner aus dem Programm zu nehmen.

Zu einem späteren Zeitpunkt habe der Komoderator Jörg Pilawa, als er einen Reporter in Istanbul per Lifeschaltung befragen wollte, die Wörter Istanbul und Israel vertauscht. Dass der Moderator der Wissenshow "PISA-Der Ländertest" dieser Verwechslung zufällig erlegen sei, "ist wohl auszuschließen", so die dem Denkpass zugängliche Quelle. Statt dessen wolle man hier gezielt drohen: Istanbul werde vor der arabischen Welt mit Israel gleich gesetzt, sollten die Türken nicht richtig abstimmen. Über die Bedeutung dieser Gleichsetzung sei sich wohl jeder im Klaren, so unser Informant weiter.

Während der erwähnten Lifeschaltung folgte sofort die nächste unverhohlene Drohung. Ein unbekannter ARD-Reporter, der sich als Leiter des ARD-Studios in Istanbul, Dieter Sauter, ausgab, stellte territoriale Ansprüche an die Türkei: Istanbul sei nichts weiter als ein "überdimensionales Kreuzberg". Den Türken werde hier gezeigt, "wie man mit Abweichlern verfahre", so das Fazit unseres Informanten, "annektieren und fertig".

Der Höhepunkt war der Auftritt des in London lebenden türkischen Sängers Mustafa Sandal. "Ihm wurde das Mikro abgedreht", um auch so Türken zu zeigen, "welche Macht Deutschland habe". Trotzdem beendete Sandal seinen Auftritt mit professioneller Routine. Das i-Tüpfelchen der Beeinflussung türkischer Grand-Prix-Wahlstimmen bildete "mit Sicherheit die Kleidung" von Mustafa Sandal, so die Meinung unseres Beobachters. Sandal wurde buchstäblich "mit vorgehaltener Pistole" gezwungen, ein weißes T-Shirt mit einem blutroten Fleck auf der Brust zu tragen. "Wer diese Symbolik nicht versteht, tut mir leid.", wies der anonyme Informant auf die bildhafte Drohung hin.

Äußerungen der Türkei zu den Vorwürfen liegen dem Denkpass noch nicht vor.

chiefpedro in Lebensächliches | TrackBack(0)
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