28.02.04

Neue olympische Disziplin

Ja, es ist wahr: Der engere Kreis meiner Bekannten - mich eingeschlossen - steht kurz davor, über Nacht stinkreich zu werden. Der Grund? Ich gebe es offen zu - wir arbeiten mit Hochdruck daran, eine neue, faszinierende Gelddruckmaschine zu entwickeln: eine olympische Sportart. Wie das alles gekommen ist?

Nun, als Gruppe wie auch als Individuen sind die Mitglieder dieses engeren Kreises wirklich keine Senkrechtstarter. Betrachten wir diese Personen einmal der Reihe nach, so werden wir feststellen, daß sie auf einen kurzen Blick hin wunderbar in die bundesdeutsche Konsum- und Spaßgesellschaft hineinpassen. Manierlich mit Surfer-Marken-Kleidung ausgestattet der eine (nennen wir ihn der Einfachheit halber "Rene"), trägt ein anderer exklusivere Marken und wechselt häufig seine Handys, um stets aktuell zu bleiben (nennen wir ihn ruhig "Jan"). Ein dritter kennt in jeder Hinsicht kein Maß: beim Feiern, Spielen, Saufen, Rumschweinern. Sein Name sei "Olaf". Ein weiteres Mitglied, er sei "Mario" genannt, fängt - erstmal richtig besoffen - in den Klubs immer an herum zu schreien. Und zu guter Letzt jemand, der keine Kosten und Mühen scheut, wenn es ums Internet geht - und immer dabei sein will, wenn irgendwo gefeiert und gefressen wird. Wir wollen ihn "Gregor" nennen. Kennzeichnend für alle hier, aber das fällt nicht sofort auf, ist eine genetisch veranlagte, todesverachtende Vergnügungssucht. Letzten Endes ist sie der Grund, warum sich alle kennen und einigermaßen leiden können. Am Rande bemerkt: Da nur zwei von ihnen wirklich ernsthaft arbeiten, tritt die Gruppe oft auch unter der Woche zusammen.

Aber weiter. Wir sind ein klitzekleines Bisschen abgeschweift. Nun ergab es sich, daß des Einen ("Marios") Beziehung vor geraumer Zeit in die Brüche ging. Leidtragende waren in diesem Fall die drei Wellensittiche der jungen Lebensgemeinschaft. Um sie nicht auseinander zu reißen, wurden sie der ehemaligen Lebensabschnittspartnerin untergejubelt - nennen wir sie "Ramona". "Ramona" ist darüber nicht wirklich glücklich, steht aber über eine zufällig fast termingleiche Geburt ihres Kindes und des Kindes von "Gregor" weiterhin in engem Kontakt mit dem oben beschriebenen engeren Kreis. Einige Zeit später fand es "Olafs" Oma an der Zeit, sich vom Alltagsgeschäft der Sterblichen zurück zu ziehen (So it goes). Da sie eine große Tierfreundin war, vermachte sie ihrem Enkel "Olaf" nebst einer Datsche und einem Keller voller Lebensmittel auch zwei Wellensittiche.

Die Ingredienzen für den Konflikt dieser mittlerweile viel zu langen Geschichte sind nun endlich beisammen: Fünf Wellensittiche, die ihr Unwesen auf den Feiern einer rücksichtslosen Vergnügungsbande treiben. Ihr Geschrei stört jede noch so harmlose Unterhaltung - und tritt ja an verschiedenen Orten auf. So sind "Ramonas" und "Olafs" Wohnung betroffen. Ernst gemeinte Versuche von "Olaf" und "Ramona", dem jeweils anderen Vogelliebhaber die eigenen Tiere unauffällig unterzujubeln, scheiterten bislang an der übertriebenen Wachsamkeit und dem fehlenden Vertrauen der beiden zueinander. Der weise Ratschlag der Gruppe war also gefragt, wie es weiter gehen könne.

Und hier kam nun - wir wollen keine Namen nennen, weil wir es auch nicht mehr so richtig wissen, denn wir waren wie alle anderen bereits etwas umnebelt - jemanden die grandiose Idee: Wir entwickeln eine spezifische, aber hoch interessante, neue olympische Sportart. Sie bietet tollen Spaß, kann mit richtig interessanten Zeitlupenaufnahmen dienen und bietet - wichtigste Voraussetzung für den finanziellen Erfolg - genügend Möglichkeiten für Werbeunterbrechungen. Einige unwichtige Regeln der neuen Sportart weisen noch Holprigkeiten auf - oder sagen wir es mal so: Der Feinschliff ist noch nötig. Einen Namen haben wir aber schon:

WELLENSITTICH - FEDERBALL

chiefpedro in Lebensächliches | TrackBack(0)
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