Aus Albert Camus, Die Pest:
Das Böse in der Welt geht fast immer von Unwissenheit aus, und der gute Wille kann ebensoviel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist. Die Menschen sind eher gut als böse, und eigentlich geht es gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster, wobei das hoffnungsloseste Laster das der Unwissenheit ist, die alles zu wissen vermeint und sich deshalb das Recht nimmt zu töten. Die Seele des Mörders ist blind, und es gibt keine wirkliche Güte oder wahre Liebe ohne die größtmögliche Klarsichtigkeit.- Aktueller Bezug -
Gerade der Teil des Zitats, wo es um das hoffnungsloseste Laster geht, scheint - unter dem rechten Licht betrachtet - doch sehr genau auf die amerikanische Regierung zu passen. Wie wir mittlerweile alle wissen, weiß sie anscheindend nicht wirklich Bescheid über irgendwelche Massenvernichtungswaffen im Irak, über Kontakte der ehemaligen irakischen Führung um Saddam Hussein zu internationalen Terroristen oder aber über das Machtgefüge in der Region, nimmt sich aber aufgrund ihrer - wir nennen es jetzt so - Unwissenheit in diesen Fällen trotzdem zweierlei Recht heraus:
Zum einen werden der Öffentlichkeit andere Informationen präsentiert, als vorhanden sind. Man kann es nicht stark genug betonen: Offensichtlich deshalb, weil die Entscheidungsträger in der amerikanischen Regierung "alles zu wissen" vermeinen, ohne daß dementsprechende Fakten existieren. Zum anderen nimmt man sich auf der eigenen (Un)-Wissenheit aufbauend das Recht, zu töten. Das hoffnungsloseste Laster also, dem George Bush und Donald Rumsfeld verfallen sind: bösartige Unwissenheit.
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