25.02.04

Das Ende der Welt

Der stets unterhaltsame und über astronomische Zusammenhänge sehr gut informierte Michael Himsolt hat darauf hingewiesen, daß neueste Erkenntnisse ein bisher nicht für möglich gehaltenes Ende des Universums wahrscheinlich machen. Ich versuche das mal mit einfachen Worten zu erklären, so wie ich es verstanden habe.

Bisher hielten die Astronomen zwei Szenarien für möglich. Beide hängen stark davon ab, wie schnell sich das Universum ausdehnt. Der Unterschied bei beiden bisherigen Szenarien dreht sich einzig und allein um die Ausdehnungsgeschwindigkeit - ist sie groß genug, die Massenanziehung zu überwinden oder nicht? Wäre sie es, würde sich das Universum endlos ausdehnen, soweit, daß später auf der Größe unseres heutigen Universums ein Atom verteilt ist. Ist die Ausdehnungsgeschwindigkeit geringer, so wird die Ausdehnung irgendwann zu einem Ende kommen und das Universum anschließend in sich zusammenfallen. Möglich wäre es, daß dann alles durch einen neuerlichen Big Bang von vorne beginnen würde.

Nun gibt es offensichtlich eine dritte Möglichkeit. Schuld daran ist die Masse- und Energiebilanz des Universums. In unserem Universum fehlt nämlich einiges an Masse, was auch durch Kohlenstoffwolken, Planeten um ferne Sonnen und andere visuell nicht registrierbare Objekte in Ordnung gebracht werden kann. Wissenschaftler neigen deswegen zur Annahme, daß dunkle Materie existiere, die nicht nachweisbar sei - außer über Impuls- oder Bilanzierungsberechnungen. Da wir seit Einstein wissen, daß Materie und Energie verschiedene Ausdrucksformen des gleichen Objektes sind, liegt die Vermutung nahe, daß auch dunkle Energie existieren mag. Und deren Existenz, so scheint es, kann das Universum in ferner Zeit in einem Big Rip vernichten.

Interessant soweit. Kommen wir zu den, sagen wir mal, philosophischen Konsequenzen dieser drei Möglichkeiten. Der Tod des Universums durch unendliche Ausdehnung sowie der Tod durch einen Big Rip machen mir Angst. Warum? Wie Michael Himsolt selber in den Kommentaren zu seinem Artikel hinweist, sind vor den möglichen Endszenarien noch 30 Milliarden Jahre voll anderer Gefahren zu überdauern.

Vorher hat sich die Erde eine neue Sonne zu suchen, denn die wird in 4,5 Milliarden Jahre zu einem Roten Riesen. Vorher wird die Erde, in ihrem ständigen Fall Richtung Sonnenoberfläche, aber auch den für kohlenstoffbasierte Lebensformen zulässigen Temperaturgürtel rund um die Sonne verlassen. Es werden Asteroideneinschläge zu verkraften sein, gigantische Erdrutsche in Hawaii oder den Kanarischen Inseln oder aber Vulkanausbrücke der Klasse VEI-8, die nur alle hunderttausend Jahre einmal vorkommen.

Aber nehmen wir einmal an, das Universum hat einen Sinn. Um selber von seiner Existenz zu wissen, braucht das Universum geistige Kraft, wie unsere oder die von E.T. Und vielleicht ist eben die Herausbildung und Fortentwicklung dieser geistigen Kraft der wirkliche und einzige Grund der Existenz des Universums.

Dann wären aber Szenarien für das Ende des Universums, die endgültig sind, erschütternd. Eben deshalb, weil sie keine Hoffnung auf Kontinuität zulassen. Weil sie dem Leben ein grausames und unbarmherziges Ende voraussagen. Vor allem aber, weil sie dem Leben - uns - nur eine Rolle als zufällige und willkürliche Erscheinung übrig lassen. Leben wäre eine Posse der Natur, eine Laune - ein kosmischer Scherz.

Warum aber wären nur diese Szenarien erschütternd und grausam? Nun, das Szenario mit der zu kleinen Ausdehnungsgeschwindigkeit bietet immerhin den Reiz der Wiederholung. Welchen Reiz denn, möge man fragen. Nun, vielleicht den, daß Neo oder Jesus einen Weg finden, das ewige Spiel aufzuhalten. Nicht, daß ich an Neo oder Jesus glaube - in dem Sinne, daß ich mich auf sie verlasse. Aber so bleibt zumindest eins: Hoffnung, daß aus dem Experiment Leben etwas werden möge. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

chiefpedro in Allgemein | TrackBack(0)
Comments
Post a comment









Remember personal info?