Elektroden im Hirn

Phil Kennedy arbeitet an der Implantation von Elektroden ins Gehirn, um unser Denken elektronisch verarbeiten zu können. Für seinen Traum geht er so weit, dass er sich, als seine Forschungsgelder gestrichen werden, die Elektroden in sein eigenes Gehirn einpflanzt (Wired: The Neurologist Who Hacked His Brain—And Almost Lost His Mind).

Meines Erachtens ist er somit ein Physikalist: Physikalisten glauben laut Thomas Nagel1, dass psychische Zustände schlicht Zustände des Gehirns sind. Das ist aber leider in keinster Weise eindeutig, ob es so ist. Nehmen wir Nagels Beispiel des Schokolade-Essens: wenn ich messe, was im Hirn passiert, wenn ich Schokolade esse (wie es Kennedy für Sprache tun will), so kann ich die physikalischen Prozesse aufdecken, die mit dem Geschmacksempfinden einhergehen. Ich kann sagen, die Schokolade tut dies oder jenes mit den Nerven auf meiner Zunge oder in meiner Nase oder in meinen Augen und dies führt zu diesen oder jenen Reaktionen in meinem Nervensystem.

Wir können sogar sagen, welches Atom der Schokolade oder welches Molekül diese oder jene Reaktion erzeugt, weil die Schokolade und die Nerven und so weiter physikalische Objekte sind, die wir einfach immer weiter zerlegen können. Aber auf diese Art und Weise, so Nagel, werden wir leider niemals dahinter kommen, wie Schokolade für uns aussieht, schmeckt oder sich anfühlt. Diese Dinge ereignen sich in unserer inneren Erfahrung, sagt Nagel, und sind eben nicht physikalisch messbar. Aber das nur am Rande.

Interessant fand ich diesen Abschnitt, der sich mit dem Hype um die vielen tollen demnächst zu erwartenden Durchbrüche in solchen Technologien beschäftigt:

I try to square this idea with all the stunning cyborg demonstrations that have made their way into the media over the years—people drinking coffee with robotic arms, people getting brain implants in Belize. The future always seems so near at hand, just as it did a half century ago when José Delgado stepped into that bullring. One day soon we’ll all be brains inside computers; one day soon our thoughts and feelings will be uploaded to the Internet; one day soon our mental states will be shared and data-mined. We can already see the outlines of this scary and amazing place just on the horizon—but the closer we get, the more it seems to fall back into the distance.

  1. Der sowas in seinem Buch „Was bedeutet das alles?“ in Kapitel 4 „Das psychophysische Problem“ erklärt. ↩︎