Das Geschäftsmodell von Groupon erklärt

Vor kurzem habe ich auf die negativen Zahlen von Groupons Börsengang hingewiesen. Negative Kritik findet sich im Web zuhauf, z.B. bei Dirk Ploss, der wunderbar darauf hinweist, was für Kunden Groupon den beteiligten Händlern zutreibt (nämlich Schnäppchenjäger, die zwar zufrieden sind, aber leider fast keine Kundentreue zeigen).

Den IPO-Prospectus von Groupon findest Du bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Das beste Tool, um ein Geschäftsmodell verständlich zu machen, ist das Business Model Canvas von Alex Osterwalder und Yves Pigneur. Das gibt’s interaktiv fürs iPad als Business Model Generator. Das Business Model Tool hat den Vorteil, dass man das Business Model Canvas ganz einfach mit interaktiven Post-its füllt, deren Farbe man ändern kann. Das erhöht die Übersichtlichkeit. Zusätzlich sind Kommentare möglich. Das wichtigste sind aber neben den tollen Erläuterungen ganz besonders die Möglichkeit, Zahlen einzusetzen, um die Profitabilität abzuschätzen. Dabei kannst Du prozentuale Chancen ausrechnen oder feste Zahlen einsetzen (z.B. im Fall von Groupon 82 Millionen Kunden → ca. 20% davon kaufen → durchschnittlich 2 Deals → für insgesamt knapp 22$ → 713 Millionen Dollar Umsatz).

Ich habe das Geschäftsmodell von Groupon mit den Zahlen aus dem IPO-Prospectus hinterlegt. Hier das Ergebnis, das ich mithilfe des Business Model Tools erzeugt habe:

Groupon Geschäftsmodell als Business Model Canvas (klicken für größer)
Groupon Geschäftsmodell als Business Model Canvas (klicken für größer)

Hier die Zahlen aus dem IPO-Prospectus in tabellarischer Form:

Groupons Zahlen für 2010 (Klicken für größer)
Groupons Zahlen für 2010 (Klicken für größer)

Dass mich niemand falsch versteht: ich glaube fest daran, dass Groupons IPO sehr erfolgreich wird. Ich würde gerne ein paar Aktien zugeteilt bekommen. Die würde ich aber ganz schnell wieder versuchen, los zu werden. Ich nehme mal an, dass die gleich steigen werden. So war das früher immer am Neuen Markt – künstlich verknappte Aktien, deren Geschäftsmodelle niemand verstand, waren sehr gut für kurzfristige Profite.

Ich bin aber nicht überzeugt davon, dass Groupons Aktien langfristig steigen. Dafür sehe ich folgende Gründe:

  • Die Kunden sind Schnäppchenjäger mit wenig Treue, bringen also den beteiligten Händlern keine langfristigen Vorteile.
  • Die Rabatt-Aktionen sind für Händler teuer (weil rabattiert und dann noch fast die Hälfte an Groupon abzuführen) und bieten wenig langfristige Vorteile. Mehr als 42% der befragten Händler haben in einer Umfrage geäußert, mit Groupon nicht wieder zusammen zu arbeiten.
  • Das Geschäftsmodell ist angreifbar
    • biete den Händlern mehr Anteile vom Kuchen
    • konzentriere Dich auf Nischen (z.B. Angebote für Eltern oder für Extremsportler etc.)
    • biete den Händlern einen größeren Pool an möglichen Käufern, z.B. wenn Facebook einsteigt
  • die Kosten für die Expansion sind viel zu hoch (selbst wenn wir die Übernahme-Kosten weglassen, verbrennt Groupon mehr als 200 Millionen Dollar, was im 1. Quartal 2011 noch zugenommen hat)
  • die Gründer scheinen es auf den Exit abzusehen und sind anscheinend mit sparsamen Wirtschaften überfordert

Ein Gedanke zu „Das Geschäftsmodell von Groupon erklärt“

  1. Wie von http://www.preisgenial.de sprechen mit vielen Händlern die mit Groupon zusammenarbeiten wollen und hören immer wieder das Gleiche: Die AGB ist teilweise völlig bodenlos und kann Händler in große Schwierigkeiten bringen. So darf der Deal von Groupon innerhalb eines Zeitraumes jederzeit on- und offline gesetzt werden je nach Bedarf. Auch häufig genannt ist die 24 monatige Sperre, diesen Deal bei keinen anderen Anbieter oder sonstwo schalten zu dürfen. Sehr gute Erfahrungen hingegen haben wir von Händlern gehört die mit lokalen Anbietern wie OecherDeal oder myPerfectDeal zusammengearbeitet haben. (Stadt Aachen bzw. Frankfurt)

    Viele Grüße

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