horizobu: Webrecherche statt Websuche

In einem Artikel bei Netzwertig.com (horizobu: Erkunden statt suchen) bin ich auf eine neue Suchmaschine aus der Schweiz gestoßen: horizobu. Und ich muss gestehen, ich bin beeindruckt. horizobu macht Spaß und bietet etwas, was anderen Suchmaschinen fehlt.

Das Problem mit der Suchmaschinen-Optimierung

Suchmaschinen sind unser Instrument, um mit der Informationsflut im Internet klar zu kommen. Wie ich in meinem Artikel Die kürzeste Anleitung zur Suchmaschinenoptimierung aller Zeiten ausgeführt habe, gibt es dabei leider das Problem, dass der Platzhirsch Google nicht wirklich die besten Suchresultate liefert: Habt ihr schon mal nach einem Hotel, einem Restaurant oder einer anderen Location gesucht – und die ersten vier Ergebnis-Seiten sind voller Location-Aggregatoren? Wenn ich ganz spezifisch nach einem Hotel soundso in der Soundso-Strasse suche, dann finde ich, das relevanteste Ergebnis ist die Webseite dieses Hotels. Das gehört auf Seite 1 an Platz 1. Dort aber finden sich nur die Webseiten, die ganz besonders dolle suchmaschinenoptimiert sind. Wobei Google Webseiten als am suchmaschinenoptimiertesten einstuft, wenn möglichst viele Links darauf zeigen und der Inhalt relevant sein soll.

Die Industrie der Suchmaschinen-Optimierer erreicht dies dadurch, dass sie folgende Dinge machen:

  • sie lassen Programme und Praktikanten im Web rumschwirren, die sich überall mit hirnlosen Kommentaren verewigen (Hauptsache, die sind verlinkt und zeigen auf ihre zu pushende Webseite)
  • sie erschaffen geistlose Blogs, in denen hirnlose Texte stehen (Hauptsache, die Keyword-Dichte stimmt)
  • diese Texte lassen sie durch Schüler und Praktikanten oder gleich durch Software schreiben
  • Dann kommt es anscheinend noch auf Keywords im Titel, in der URL etc. an

All das führt zu folgenden negativen Begleiterscheinungen:

  • die meisten Kommentare heutzutage kriegt man nur noch des Links wegen: der eigentliche Sinn ist gleich Null
  • es gibt mittlerweile haufenweise Inhalte und ganze Blogs im Web, deren Ziel nur ist, von Google-Bots auf ihre Keyword-Dichte geprüft zu werden
  • aus meiner Sicht funktionieren SEO-Optimierungs-Unternehmen wie Schneeballsysteme: oben wird durch die Geschäftsführer Kohle gescheffelt, unten wird von den Praktikanten für wenig Geld sinnlos geschuftet

Aus meiner Sicht trägt Google zu diesen negativen Folgen sehr viel bei. Google legt nicht offen, sie sein Suchalgorithmus funktioniert – und es fördert damit diese Überflutung des Webs mit sinnlosen Kommentaren und Inhalten. Wie Du langsam aber sicher merkst, bin ich nicht der allergrößte Fan von Google (ich hoffe, die lesen das nicht – in Deutschland erfolgen mehr als 95% aller Suchen mit Google und ich will ja, dass der Denkpass weiterhin gut und leicht gefunden wird).

horizobu – Nicht suchen, sondern recherchieren

Nun ist horizobu nicht wirklich anders, zumindest in dieser Hinsicht. Aber es ist anders darin, wie es mit Suchergebnissen umgeht. Wenn Du etwas suchst, erscheinen sechs möglichst relevante Ergebnisse in einem großen Rahmen. Falls Dir diese Ergebnisse nicht zusagen, kannst Du sie einzeln (durch Klick auf das Kreuz an jedem Ergebnis) oder mehrere oder alle (durch Klick auf More) austauschen und durch die nächsten Ergebnisse ersetzen lassen. An jedem der sechs Ergebnisse gibt es auch eine Nadel zum Fixieren – dann kannst Du die anderen austauschen und dieses Ergebnis bleibt.

Screenshot von horizobu
Screenshot von horizobu

Auch mit der Maus kannst Du die Ergebnisse bearbeiten – nach links geschoben, verschwinden sie. Nach rechts geschoben, landen sie in einem Container, der die von Dir ausgesuchten, wichtigsten Links sammelt. Diese Sammlung kannst Du anschliessend mit einem Klick per Facebook oder Twitter teilen, als Link zur Verfügung stellen (hier z.B. mein Link für eine kurze Recherche über Schlafen im Büro) oder alle dort gesammelten Links in neuen Browser-Tabs öffnen. Die Links bleiben übrigens erhalten, selbst wenn Du eine neue Suche beginnst.

Oben, über den Ergebnissen, wartet horizobu mit zehn aus seiner Sicht relevanten Suchbegriffen auf, die Deiner Suche entsprechen. Nicht alle sind angeklickt – schaltest Du weitere an oder aus, verändern sich sofort Deine Ergebnisse. Du kannst auch weitere Schlagwörter eingeben, um Deiner Recherche eine neue Richtung zu geben.

Ich bin beeindruckt, weil horizobu recherchieren ermöglicht, wo Google nur suchen erlaubt. Dazu kommt, dass horizobu bislang werbefrei ist, was ich auch nicht schlecht finde (obwohl ich, unter uns gesagt, noch nie bewusst auf eine Werbung geklickt habe).  Es macht Spaß – ich suche ab jetzt mit horizobu.

(via netzwertig.com: horizobu – Erkunden statt suchen)

3 Gedanken zu „horizobu: Webrecherche statt Websuche“

  1. Spannender Service mit ganz neuem Suchgefühl. Google ist aktuell notgedrungen mein Hauptwerkzeug und auf den ersten Blick scheint horizobu den Zweck besser zu erfüllen. Witzigerweise ist hier auch mein Unternehmen weiter oben gelistet als bei Google.

  2. Guter Tipp, danke dafür! Ich bin auch kein großer Anhänger von Google, aus den von dir genannten Gründen. Aber es ist schwer, sich dessen Omnipräsenz und Markenmacht zu entziehen. Ich hab vor einen halben Jahr Google als Startseite verbannt (jetzt ist es der musik-streamer shuffler.fm) und bin auf DuckDuckGo umgestiegen. Durch die Jahrelange Prägung bin ich unbewusst wieder zu Google geswitched, obwohl DuckDuckGo deutlich angenehmer ist. Bin gespannt, wie es mit dem Thema Suche weitergeht. Google nimmt denke ich langsam ab, während aus der semantischen Ecke neue Dienste wie Qwiki kommen, und aus der SocialMedia Ecke ist wohl auch noch einiges zu erwarten…

    1. Google wird solange die Suchmaschinerie beherrschen, wie wir alle googlen sagen, wenn wir was suchen. Zumindest in der Hinsicht bleibt Google horizobu überlegen…

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