Wellen kommen und gehen. Manchmal überlagern sie sich und wachsen zu riesigen Monsterwellen. Die meisten von ihnen aber verlaufen im Sande, unbemerkt und ganz für sich allein. Und einige Wellen erleben erst das eine und dann das andere. Auf ihrer Reise um die Welt werden sie Teil einer Monsterwelle, erfahren eine Größe, die nur wenigen vorbehalten bleibt und kommen am Ende ganz einsam an einem Strand an, um völlig unbemerkt das Ende ihrer Reise zu erreichen.
Was wurde Google Wave gelobt! Nicht nur das Web, auch gedruckte Zeitschriften lobten die neueste Erfindung der Innovationsmaschine Google über alle Maßen. Neuartige Kommunikation! eMail 8.0! Warum kommt Microsoft nicht auf solche Ideen? Es lebe Google mit seiner großartigen Innovations-Kultur! Auch wir Internet- und Social Media-Junkies haben uns gar nicht mehr eingekriegt: bist Du schon eingeladen? Wavest Du schon oder eMailst Du noch?
Das Problem scheint zu sein, dass Googles innovative Kultur zwar gut darin ist, Ideen zu erzeugen (darüber habe ich schon mal geschrieben), aber die Umsetzung der Ideen doch recht oft scheitert. Zwar starten Googles neue Projekte mit viel Pomp, enden aber manchmal im Mittelmaß. Oder sogar noch tiefer. Eigentlich hat Google das Problem, seit der Suchmaschinen-Werbung keine Idee mehr gefunden zu haben, die sich zu Geld machen lässt (und in diesem Bereich sind sie einfach aus Gewohnheit vieler Nutzer ein Quasi-Monopolist). Viele neue Google-Ideen sind entweder kostenlos (und dienen einfach der Abschreckung möglicher Konkurrenten, was ganz klar eins der Ziele von Google Android oder Google Chrome ist) oder sind kopierbar – und somit nicht zu schützen (z.B. Maps). Irgendwie scheint die Firma, die viele für die kreativste der Welt halten, doch recht große Probleme damit zu haben, Ideen in (finanziell) erfolgreiche Produkte umzusetzen.
So auch bei Google Wave – das ja vor gerade einmal 15 Monaten an die Öffentlichkeit trat und von vielen als die Zukunft der Kommunikation gepriesen wurde. Google Wave hatte gute Ansätze, weil es beispielsweise gemeinsames Arbeiten an Texten online oder offline ermöglichte. Das Problem war nur, dass es all die Ideen von Google Wave bereits gab. Hier wurden sie einfach vermischt und zusammengefügt, ein innovativer Ansatz, der durchaus akzeptabel ist, wenn auch nicht besonders originell. Anscheinend hatte das Gemenge an Ideen (Micro-Blogging, eMail und gemeinsame Dokumente, versehen mit Bildchen, Web2.0 und einigen lustigen Apps) aber große Probleme, vom Publikum verstanden und bedient zu werden. Mir haben jedenfalls viele gesagt, sie blicken nicht, wie sie da arbeiten sollen und warum sie sich das antun sollten. Zudem waren einige der bahnbrechenden Ideen zwar angekündigt und angepriesen, aber leider noch nicht online. Ob das nun Schlampigkeit war oder ob die Leute bei Google einfach immer davon ausgehen, dass ihre Ideen genial sind – niemand weiß es.
Fakt ist, Google stellt die Entwicklung von Google Wave ein (Meldung im Official Google Blog). Die Webseite bleibt noch bis Ende das Jahres online. Der Code wird zu Open Source – möge jemand anders die Idee aufgreifen und in eine erfolgreiche Innovation verwandeln.
Es ist durchaus möglich, dass wir irgendwann auf diesen Moment der Zeit zurückblicken werden: den Moment, als Google seine neueste Erfindung einstellte und Google Wave der Open Source-Gemeinde übergab. Von all der Begeisterung über Googles neue Ideen ist wenig übrig geblieben, ebenso wie von der Sympathie für die Firma mit dem tollen Motto “Don’t be evil”. Geblieben ist das Gefühl der Winzigkeit im Angesicht eines Informationsriesens, der für sich selber in Anspruch nimmt, alleine zu wissen, worauf es ankommt. In Iron Man 2 sagt der Widersacher von Iron Man: “Wenn ich Gott bluten lassen kann, hören die Leute auf, an ihn zu glauben.” Google ist nicht mehr innovativ, sondern lebt von seinem Quasi-Monopol. Googles Innovationsfähigkeit blutet seit langem, Google Wave ist ein weiteres Zeichen.
Vielleicht war der Tag, an dem Google Wave der Öffentlichkeit präsentiert wurde, die Hochwassermarke, der Punkt an dem die Welle zurück schwappte.
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Tags: Google, Google Wave, Iron Man 2







