Pablo de Santis ist mir bereits wegen seines Buches Die Fakultät aufgefallen. Dieser leicht kafkaeske Roman,  ist sehr intelligent in Szene gesetzt, kurz und knapp  geschrieben, dabei sehr unterhaltsam und fesselnd. Pablo de Santis verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, als Leser denkt man noch lange Zeit später über die Geschichte und ihren Einfluss auf die eigene Erfahrungswelt nach. So sieht Lese-Unterhaltung aus, wie ich sie mir wünsche. Gestern habe ich mir Die Übersetzung von Pablo de Santis geschnappt – und noch am selben Tag fertig gelesen.

Pablo de Santis: Die Übersetzung

Pablo de Santis: Die Übersetzung

Die Geschichte handelt von einem Kongress für Übersetzer. Der Protagonist, Miguel de Blast, will eigentlich nicht teilnehmen, weil er sich von allem im Leben zurück gezogen hat. Als er jedoch den Namen seiner Ex-Freundin auf der Liste der Teilnehmer sieht, fährt er doch. Kaum begonnen, wird der Kongress vom Selbstmord eines Teilnehmers überschattet. Eine tödliche Epidemie unter Seehunden und weitere Selbstmorde folgen. Alle Teilnehmer eines Arbeitskreises Mythische Sprachen scheinen betroffen – waren sie dabei, eine alte Sprache zu übersetzen, die nicht gesprochen werden darf?

Es sind mehrere Plots, die sich auf den gerade mal 150 Seiten umeinander winden: die Selbstmord-Serie, die Epidemie und die Dreiecksbeziehung zwischen Miguel, seiner Ex-Freundin und dem ehemaligen Kollegen und Leiter des Arbeitskreises Mythische Sprachen, der ihm vor 10 Jahren die Freundin ausspannte. Hervorzuheben ist die kompakte Erzählweise, die trotzdem weit über eine Skizze hinausgeht. Atmosphärisch dicht, ohne überflüssiges Beiwerk. Spannend und die Neugierde anstachelnd. Zudem besonders intelligent, vor allem die Beschreibung der Vorträge auf dem Kongress der Übersetzer. Und ganz besonders intelligent auch das Wortspiel mit dem Titel: Übersetzen kann ja auch übersetzen bedeuten.

Mehr wird nicht verraten. Das Buch, das einen Tag zum schönsten Lese-Tag des Jahres macht: Die Übersetzung von Pablo de Santis. Wenn ihr es lest und unzweifelhaft weiter empfehlen werdet, denkt dran: Der Denkpass hat’s euch gesagt!

Print Friendly

Tags: , ,