Teil 2 von 2 in der Serie Denkfallen

Stell Dir vor, Du bist der Manager eines Fussball-Teams in der Bundesliga. Vor 2 Jahren hast Du einem Deiner besten Spieler einen 4-Jahres-Vertrag angeboten: er hatte gerade 21 Tore geschossen. Der Vertrag sieht vor, dass Du ihm jährlich 4 Millionen Euro zahlst. Im 1. Jahr des Vertrags hat er noch mal 18 Tore geschossen, im 2. Jahr plötzlich nur noch 6 – und das obwohl er alle Spiele gemacht hat. Wir sind jetzt in der Winterpause des 3. Jahres seines Vertrags. Du schuldest dem Spieler also noch 6 Millionen Euro für die verbliebenen anderthalb Jahre. Allerdings ist er wirklich schwach: langsam, glücklos, ohne Bindung zum Team. In der Hinserie hat er in 15 Spielen 1 Tor erzielt.

In Deinem Amateurteam gibt es einen 21jährigen Stürmer, der im letzten Jahr in der 3. Liga Angst und Schrecken verbreitet hat: 32 Tore! In diesem Jahr hat er in der Hinrunde bereits 21 Tore erzielt. Du könntest Deinen alten Stürmer ersetzen und würdest wahrscheinlich eine bessere Mannschaft haben. Aber Du müsstest die 6 Millionen bezahlen, ohne dass Dein alter Stürmer spielt. Was wirst Du tun?

Anderes Beispiel:

Vor zwei Monaten hast Du Dir Karten für ein Eishockeyspiel der Eisbären Berlin gekauft. Am Tag des Spiels bist Du ziemlich erschöpft und draußen regnet’s in Strömen. Du ärgerst Dich, dass das Spiel heute ist, weil Du lieber zuhause bleiben möchtest: den Kamin anwerfen, einen Cola-Rum mixen und das Spiel im Fernsehen schauen. Was wirst Du tun?

Vielen von uns fällt es schwer, diese Entscheidung zu treffen. Viele Bundesliga-Manager setzen weiterhin auf den alten Spieler, weil der Vertrag ja läuft und die 6 Millionen Euro nicht auf der Bank schmoren sollen. Viele von uns Eishockeyfans würden ins Stadion gehen, weil sie sich ärgern, das Geld umsonst ausgegeben zu haben.

Warum versunkene Kosten sowieso anfallen

Das Problem bei diesem Denkansatz ist, dass das Geld in jedem Fall verschwunden ist.

Was Wikipedia sagt:

Versunkene Kosten sind Kosten, die bereits in der Vergangenheit entstanden sind, d. h. bereits zu Auszahlungen geführt haben oder deren gegenwärtiges oder zukünftiges Anfallen durch vergangene Entscheidungen unwiderruflich festgelegt ist. Ihr zentrales Merkmal ist, dass sie in der Gegenwart und in der Zukunft nicht mehr beeinflusst werden können – daher die Bezeichnung „versunken“. Da „sunk costs“ unabhängig davon bestehen, welche Alternative ein Entscheidungsträger wählt, dürfen sie bei einer rationalen Entscheidung zwischen Handlungsalternativen keine Berücksichtigung finden und stellen somit entscheidungsirrelevante Kosten dar.

 Die 6 Millionen Euro für den Spieler hat man in dem Augenblick ausgegeben, als man ihm den Vertrag anbot. Und das Geld für die Eintrittskarte hat man ausgegeben, als man sie erwarb. Ob der Spieler spielt oder nicht, ist egal: das Geld ist futsch. Und ob man selber – trotz Unwohlsein und Erschöpfung und schlechtem Wetter – zum Eishockey geht oder nicht: das Geld ist futsch. Es handelt sich um versunkene Kosten – und sie sollten die Entscheidung nicht beeinflussen!

Wenn das Geld so oder so futsch ist, sollte man sich den Rest der Situation anschauen und fragen, wie man besser dran ist. Als Fussball-Manager bleibt dann die Frage: welcher Spieler nützt meinem Team mehr? Und als Eishockey-Fan bleibt die Frage: wo und wie werde ich mich wohler fühlen, zuhause vor dem Fernseher oder im Stadion? Und bei unseren Beispielen lautet die Antwort: der junge Spieler aus dem Amateur-Team UND zuhause bleiben.

Wie man das Prinzip der versunkenen Kosten immer beachtet

Was kann man tun, um nicht in die Denkfalle des Prinzips der versunkenen Kosten zu tapsen?

  • Notiere Deine Entscheidungen und die Gründe und Annahmen, warum Du sie getroffen hast (und überprüfe sie ab und zu)
  • Akzeptiere, dass Du manchmal Fehlentscheidungen triffst
  • Vergegenwärtige Dir das Prinzip der versunkenen Kosten, wenn Du an alten Entscheidungen festhältst (Betrachte die Kosten nicht, wenn sie sowieso anfallen)
  • Richte Deinen Fokus auf Dein Ziel, nicht auf Deine vergangenen Entscheidungen, die Dich dorthin führen sollen
  • Prüfe Deine Entscheidungen im Gespräch mit Leuten, die an der damaligen Entscheidung nicht beteiligt waren

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