Napoleon Hill wurde 1883 geboren. Während seines Jurastudiums schrieb er nebenbei für Zeitungen. Unter anderem schrieb er Kurzbiografien berühmter Persönlichkeiten. Das wiederum fand Andrew Carnegie ziemlich interessant und beauftragte Hill, herauszufinden, was das Geheimnis des Erfolgs sei. Carnegie war seinerzeit der reichste Mensch Amerikas und wollte anscheinend, dass es anderen ebenso gut ging wie ihm. Hill ging seine Aufgabe an, indem er 500 self-made Millionäre befragte – heraus kam im Jahre 1937 ein Buch, das bis heute aktuell und lesenswert ist: Think and Grow Rich! Und weil der Denkpass nicht nur selber gerne ein self-made Sonstewas wäre, sondern dieses Glück auch seinen Lesern wünscht, im Folgenden eine kurze Rezension.
Die überragende Bedeutung von Leidenschaft und Vorsätzen
Nach all den Interviews mit all den self-made Millionären, angefangen bei Andrew Carnegie, kam Hill zur Schlussfolgerung, dass insbesondere Leidenschaft und gute Vorsätze den Erfolg vorbestimmen. Es kommt aber darauf an, sich nicht nur vorzustellen, dass man reich werden möge. Wunschträume sind der Anfangspunkt allen Erfolgs, aber unsere Wünsche müssen sehr explizit sein, um erfolgreich umgesetzt zu werden. Hill schlägt einen Sechs-Punkte-Plan vor:
- Stelle Dir eine Zahl vor, wieviel Geld Du haben möchtest. Eine konkrete Zahl.
- Nenne Deinen Preis: Was bist Du bereit, dafür zu tun?
- Setze Dir eine Deadline, ein Datum, an dem Du es geschafft haben willst.
- Beginne, Aufgaben zu formulieren, die Dich zum Ziel führen. Beginne sofort!
- Schreibe Dir ein kurzes Mission Statement für Deine Mission.
- Erkläre Dich vor Dir selber: Lese Dir Dein Mission Statement 2x pro Tag laut vor.
Der Glaube an Deinen Erfolg entsteht, wenn Du Deinen Erfolg ständig visualisierst. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Spitzensportler sich so auf ihre Wettkämpfe vorbereiten – sie visualisieren ihren Erfolg beim anstehenden Wettkampf. Natürlich kann man jetzt sagen, dass bei einem Fussball-Spiel 11 Spieler damit Erfolg haben, während die 11 Spieler der Gegenseite sich ihren Erfolg umsonst visualisieren. Aber: Wenn Du auf Brandenburgs Alleen von der Straße abkommst, dann solltest Du Deine Konzentration auf die Lücke zwischen den Bäumen richten – nicht auf die Bäume vor Deinem Auto!
Erfolg stellt sich also leichter ein, wenn wir ihn visualisieren. Das liegt daran, weil unser Gehirn an etwas glaubt, was wir ihm ständig erzählen. Das ständige laute Vorlesen des Mission Statements hilft, Ängste und negative Emotionen zu vertreiben, so Hill. Das funktioniert aber nicht, wenn wir diese Auto-Suggestion auf Autopilot durchziehen. Wir müssen das Mission Statement fühlen:
- Schliesse Deine Augen
- Stelle Dir den Berg Geld vor, den Du verdienen willst
- Schau Dir diesen Berg täglich an
- Mache dieses Vorstellen zum Teil Deiner täglichen Routine
- Suche Dir morgens und abends ein ruhiges Plätzchen, wo Du Dir in Ruhe Deinen Erfolg visualisieren kannst
- Lese Dein Mission Statement morgens als erstes und abends als letztes
Weitere wichtige Eigenschaften
Wichtig ist auch Spezialwissen. Thomas Alva Edison beispielsweise hat in seinem Leben 3 Monate die Schule besucht, und war trotzdem einer der größten Erfinder aller Zeiten. Sein Erfolg beruht auf Spezialisierung, Organisation und Networking. Hill empfiehlt, Spezialwissen zu sammeln, indem man Praktika macht und sich neben dem Beruf fortbildet.
Und eine ganz besondere Bedeutung hat die Vorstellungskraft. Die meisten der self-made Millionäre verdanken ihren Erfolg ihrer Vorstellungskraft. Damit haben sie neue Geschäftsmodelle erdacht. Hill unterscheidet synthetische Vorstellungskraft, die vorhandene Ideen, Konzepte und Strategien neu verknüpft, und kreative Vorstellungskraft, die völlig neue Ideen entwickelt. Eins von beiden braucht man. Daran muss man arbeiten, zum Beispiel, indem man aufmerksam den Denkpass verfolgt – der ja zum Ziel hat, die kreativen Fähigkeiten seiner Leser zu steigern!
Erfolg lässt sich planen
Um Erfolg zu haben, ist Planung wichtig. Das fängt mit der Planung des richtigen Teams an. Diesen Schritt darf man nicht überspringen, was ich auch eigener Erfahrung bestätigen kann. Meine besten Business-Ideen sind bislang die, wo ich die passenden Partner gefunden habe: Leute, die in den Aufgaben, die sie übernehmen, deutlich fähiger sind als ich. Die aber auch an den Erfolg glauben und bereit sind, Arbeit und Zeit zu investieren (das geht am besten, indem sie finanzielles Risiko übernehmen!).
Hill schlägt folgendes vor:
- Umgebe Dich mit talentierten Verbündeten (helfe ihnen mit Deinen Talenten und bitte sie dann um Unterstützung)
- Bespreche Deine Pläne bei regelmässigen Treffen
- Pflege harmonische Beziehungen im Team
Wichtig ist, keine Niederlagen zu akzeptieren. Wenn ein Plan nicht klappt, ändere ihn. Identifiziere aussichtsreiche Möglichkeiten. Schaue Dir Deinen Wettbewerb an. Liste Deine Fähigkeiten auf und verfeinere sie. Vermeide die folgenden Fehler beim Führen von Mitstreitern:
- zu wenig Liebe zum Detail
- Unfähigkeit, bescheidene Aufgaben selber auszuführen
- Unsicherheit
- fehlende Vorstellungskraft
- keine Disziplin
- kein Vertrauen
- alleiniges Verlassen auf Macht und Autorität
- zu viel Egoismus
- Bestehen auf Titeln und Ehren
Des Erfolgs größter Feind: Prokrastination
Prokrastination (auf deutsch: das ist das, was Studenten machen, wenn sie an ihrer Diplomarbeit schreiben sollen: nämlich NICHTS und WAS ANDERES, in beliebiger Reihenfolge) ist der Feind des Erfolgs. Hill versteht unter Prokrastination aber weniger die Ablenkung vom Arbeiten, als das Zaudern beim Entscheiden. Nach seiner Erfahrung hängt Erfolg vom schnellen Entscheiden ab. Hill empfiehlt sogar, seine Strategien nicht laut zu verkünden, um seine Wettbewerber im Unklaren zu lassen.
Fazit
Napoleon Hill bietet ein erstaunliches Erfolgskonzept, weil es nämlich seiner Ansicht nach für jeden reproduzierbar ist. Sein Buch wurde mehr als 15 Millionen mal verkauft. Wie viele der Leser später erfolgreich wurden, ist nicht bekannt. Aber das kann ja auch daran liegen, dass sie nicht wirklich an ihren Erfolg geglaubt haben. Das ist das Wichtige an Hills Konzept: der Glaube an den eigenen Erfolg. Das Buch hilft auf jeder einzelnen Seite, diesen Glauben zu finden und aufrecht zu erhalten. Trotzdem scheint das nicht sehr einfach zu sein. Und man kann nicht mal sagen: einen Versuch ist es wert. Das ist bereits zu halbherzig, um Erfolg zu haben.
Entweder/Oder. Das ist das Fazit. Entweder man mag Napoleon Hills Buch, dann kann man damit Erfolg haben. Oder man bleibt skeptisch – dann ist es nutzlos. Diese Entscheidung kann ich dem Leser nicht abnehmen. Ich hoffe aber, dass diese Rezension einige Leser dazu bringt, es zu versuchen. Ich überlege noch…
Tags: Andrew Carnegie, Erfolg, Napolean Hill, Think and Grow Rich








