Eins vorne weg: Gehaltvolle Bücher lesen dauert erfahrungsgemäß. Das ist anstrengend, da muss man sich konzentrieren und braucht Ruhe. Manchmal habe ich darauf keinen Bock – und will einfach nur unterhalten werden. Unterhaltsame Bücher lesen geht schnell und anstelle von anstrengend ist es entspannend. Daher erlaube ich mir (ziemlich oft), Bücher alleine wegen ihres Unterhaltungswertes zu lesen – und nicht wegen ihres scheinbaren intellektuellen Gehalts. Das liegt zum großen Teil an dem Problem, dass ich beispielsweise mit Büchern von Christa Wolf habe:
Die Einstufung eines Buches durch Kritiker als gehaltvoll und die Dramaturgie der in dem Buch erzählten Geschichte sind indirekt proportional.
Im Grenzwert betrachtet scheinen die üblichen Verdächtigen der Literaturszene also zu denken: damit ein Buch gehaltvoll ist, darf es keine Dramaturgie aufweisen. Im Umkehrschluss ist ein Buch, das dramaturgisch so gut funktioniert, dass man es in einem Stück lesen will, intellektuell wertlos. Wenn ich die Kino-Kritiken unserer Zeit verfolge, scheint es ähnliche Maßstäbe zu geben. Für mich jedenfalls sind mittlerweile Filme besonders interessant, die von den Kritiken zerrissen werden. Eine schlechte Kritik in einer Tageszeitung ist schon fast sowas wie ein Gütesiegel, finde ich!
Hier nun jedenfalls drei Bücher, deren intellektuelle Reichweite begrenzt sein dürfte, die aber dramaturgisch kaum zu überbieten sind. Jedenfalls konnte ich sie nicht aus der Hand legen und habe sie innerhalb von knapp einer Woche alle drei durch gelesen:
Call of Ctulhu – Eine Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft, bei der man sich nichts sehnlicher wünscht, als dass es keine Kurzgeschichte sei. Gelesen auf dem iPhone, wo es kostenlos ist. Dort waren es knapp 100 iPhone-Seiten, also wirklich überschaubar. So spannend, dass man Gänsehaut kriegt. Mehr als empfehlenswert!
Thunderhead von Douglas Preston und Lincoln Child – diese beiden Autoren sind das beste Beispiel dafür, dass man besonders gut zu zweit schreiben kann. Das bekannteste ihrer Bücher dürfte Das Relikt sein, dessen Verfilmung die Stimmung des Buches wunderbar einfängt. In Thunderhead begibt sich eine Expedition auf die Suche nach der verschollenen Stadt Quivira, einer der sieben goldenen Städte, auf deren Suche sich 1541 der Spanier Coronado begab. Vor etwa 700 Jahren zog sich das Volk der Anasazi scheinbar grundlos aus dem offenen Flachland in tief in den Bergen liegende Höhlenstädte zurück – warum? Wovor hatten die Indianer Angst? Als die Expedition die Stadt findet, wird ihnen klar, warum manche Dinge besser für immer versteckt sind… Wenn man große Literatur sucht, ist man hier falsch. Wenn man sehr gut unterhalten werden will, aber genau richtig!
The Reckoning von Jeff Long handelt auch von einer Expedition. In Kambodscha sucht man die sterblichen Überreste verschollener US-Soldaten. Mit dabei ist eine Journalistin, die zunehmend in den Sog der Geschichte gerät. Ist einer der toten Soldaten ein Verwandter von ihr? Haben sich die Mitglieder der verschollenen Einheit der Reihe nach selber umgebracht? Jetzt und damals verschwimmen, als die Journalistin und einige andere zivile Helfer die Expedition auf eigene Faust fortsetzen und tief im Urwald eine Stadt finden, die Vorläufer von Angkor Wat zu sein scheint. Auch die Mitglieder der Such-Expedition fangen an, gegeneinander Krieg zu führen… oder bildet sich die Journalistin alles nur ein? Wie immer bei Jeff Long sehr spannend, packend und geheimnisvoll. Man fühlt sich als Teil der Expedition: es geht auch um die Haut des Lesers! Wenn man nur ein Buch von Jeff Long lesen will, dann besser The Descent. Hat man das und Deeper aber schon gelesen, dann ist The Reckoning genau so, wie man es erwartet: Lesenswert!
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