Aus meiner Sicht ist die Entscheidung von Angela Merkel, Christian Wulff als Bundespräsidenten (#BP geht ja nicht mehr als Tag, oder?) vorzuschlagen, ein ziemlich genialer Schachzug. Denn damit entspannt sich die bedrohliche politische Gesamtwetterlage für Merkels Regierung gleich an mehreren Fronten.
Als nämlich Roland Koch vor einigen Wochen ein machtpolitisches Vakuum am rechten Rand der christlichen Parteien hinterliess, da geriet deren Wahlmodell im 21. Jahrhundert ein bisschen ins Wanken. Das Geheimnis der CDU in den letzen Wahlkämpfen beruht nämlich darin, sich auf die Mitte zu konzentrieren OHNE die Wähler des radikaleren Flügels an der Straße stehen zu lassen. Die CDU kümmert sich sorgfältig um die Mitte und sprach bislang mit unverwechselbaren Figuren wie Roland Koch auch die stark konservativen Wähler sehr gut an. Intern ist die CDU seit Kochs Weggang nicht mehr im Gleichgewicht – es wäre gut, wenn die Balance zwischen den Bedürfnissen der Mitte und denen des konservativen Flügels gewahrt bliebe. Merkel hat’s da leichter als Joachim Löw, wenn kein neuer Rechtsaußen in Sicht ist, streicht sie kurzerhand eine Position im Mittelfeld.
Und ein Mann der Mitte ist Christian Wulff. Das und den Erfolg des Hätschelkonzepts für die Mitte konnte man deutlich sehen, als Niedersachsen und Hessen seinerzeit im Landeswahlkampf waren. Koch heizte außen ein, was in dem großen Augenblick der Ypsilanti-Selbstzerstörung endete. Ypsilanti war überhaupt erst in die Position ihres Dilemmas geraten, weil Koch den hessischen Wählern zu radikal wurde. Wulff dagegen schlug einen gemäßigten Ton an, blieb mit beiden Beinen auf dem Boden und beging auch keine groben Fehler. Wulff gewann seine Wahl mehr oder weniger, was auch der Kanzlerin den Weg für die Bundestagswahl zeigte.
Wulff ist ein Mann der Mitte. Wenn er das tagespolitische Feld verlässt, findet das Machtgefüge der Bundespartei eine neue Balance. Ein Problem gelöst. Und wer wäre besser geeignet, ein Präsident aller Deutschen zu sein, als ein Mann der Mitte? OK, eine Frau der Mitte. Das stimmt, aber die einzige offensichtliche Kandidatin hätte es der CDU bis in alle Ewigkeit mit der Netzgemeinde verdorben. Wenn man so über den großen Teich schaut und die Bedeutung von Social Media im Wahlkampf erkennt, war das ein Preis, den die Kanzlerin nicht zahlen wollte. Weiteres Problem gelöst.
Ich sag’s ja, Leute. Ich finde, das ist ein ziemlich genialer Schachzug unserer Kanzlerin. Ich kann jedenfalls weit und breit keinen besseren erkennen. Oder ihr?
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