Wer sich mit Kreativität beschäftigt, ist immer wieder über die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns verblüfft. Etwas Verständnis dafür, wie unser Gehirn arbeitet, ist nicht unnütz, um seine kreativen Fähigkeiten zu verstehen. Nachfolgend eine sehr kurze, vereinfachende Zusammenfassung.

Aufbau unseres Gehirns

Das Gehirn besteht aus etwa 1,3 Kilogramm Fleisch, Nerven und Flüssigkeiten (bei Frauen im Schnitt 1245 Gramm, bei Männern im Schnitt 1375 Gramm, was wohl an den durchschnittlich größeren Schädeln liegt). Es sieht aus wie eine große Walnuss, ist aber deutlich weicher. Das Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden spezialisierter Nervenzellen (sogenannten Neuronen). Die Neuronen sind voneinander durch winzige Abstände getrennt, den sogenannten Synapsen. Über die Synapsen hinweg kommunizieren die Neuronen miteinander und bilden mit Hilfe von bestimmten Chemikalien (sogenannten Neurotransmittern) und winzigen elektrischen Ladungen riesige Netzwerke.

MRT eines menschlichen Hirns (Bildquelle: Wikimedia.org)

MRT eines menschlichen Hirns (Bildquelle: Wikimedia.org)

Die Länge aller Nervenbahnen eines Gehirns beträgt fast 6 Millionen Kilometer. Die Speicherfähigkeit des Gehirns wird auf etwa 2 Petabyte geschätzt (2.000 Terabyte). Das Gehirn benötigt dafür etwa 20 Watt Leistung (Vergleich: Supercomputer brauchen mehr als ein Megawatt bei vergleichbarer Leistung). Um diese Leistung bereit zu stellen, benötigt unser Gehirn 20% des Sauerstoffs, den wir einatmen, und etwa 25% der im Körper bereit gestellten Glukose. Viel Sauerstoff und etwas Traubenzucker tun dem Hirn also wirklich gut.

Das Gehirn lässt sich in mehrere Bereiche einteilen: das primitive Gehirn (auch bekannt als Hirnstamm), das Kleinhirn, das emotionale Hirn und das denkende Hirn.

Der primitive Hirnstamm

Der Hirnstamm sitzt am Ende des Rückenmarks und ist der stammesgeschichtlich älteste Teil des Hirns. Der Hirnstamm verarbeitet eingehende Sinneseindrücke und ausgehende motorische Informationen. Ein Teil des Hirnstamms, das sogenannte Nachhirn, kümmert sich um die automatisierten Grundfunktionen des Körpers wie Atmung, Herzschlag, Verdauung, Schlaf, Erregung etc.

Der Hirnstamm ist vergleichbar mit dem Betriebssystem unseres Körpers.

Links und Rechts und über Kreuz – zwei Hemisphären

Das restliche Gehirn über dem Hirnstamm ist geteilt in zwei ähnliche, aber nicht identische Hemisphären. Diese sind mit einem dicken Band von Fasern und Nerven verbunden, dem sogenannten Corpus Callosum. Beide Hemisphären arbeiten unterschiedlich. Aus Gründen, die wir bislang nicht verstehen, verlaufen die Verbindungen zwischen Hirn- und Körperhälften über Kreuz: die linke Hirnhälfte steuert den rechten Teil des Körpers und umgekehrt.

Das Kleinhirn

Das Kleinhirn liegt hinter dem Hirnstamm und ist für unser Gleichgewicht und Bewegungen verantwortlich. Bei Tieren, insbesondere bei schnellen Raubtieren und fliegenden Tieren, ist es stärker entwickelt als bei uns. Laut Wikipedia ist es aber auch beteiligt am Lernen, z.B. beim Erwerb von Sprachen, sozialer Kompetenz und beim unbewussten Lernen. Wahrscheinlich ist also das Kleinhirn verantwortlich, wenn wir Kreativtechniken fürs Unterbewusstsein (der Denkpass berichtetet über die Kreativmethode Set & Forget) erfolgreich anwenden oder wenn uns im Tiefschlaf Lösungen für unsere Probleme einfallen.

Das emotionale Hirn

Das emotionale Hirn, auch limbisches System oder Zwischenhirn genannt, sitzt tief im Innern des Hirns und fungiert als Pförtner zwischen dem Rückenmark und dem denkenden Hirn darüber. Es reguliert unsere Überlebensmechanismen und bestimmt unsere sexuelle Aktivität, regelt unsere Schlafzyklen und steuert unseren Hunger. Alle unsere Emotionen kommen aus dem emotionalen Hirn, wie z.B. Angst und Freude.

Das Zwischenhirn besteht aus Amygdala (Gefahrenanalyse, Angst), Hippocampus (Überführung von Erinnerungen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis, Koordinierung verschiedener Gedächtnisinhalte, z.B. zur Orientierung), Thalamus (Weiterleitung sensorischer Eindrücke ans Großhirn) und Hypothalamus (biologische Uhr und Hormon-Ausschüttung) und einigen weiteren Bereichen.

Mit dabei ist der Nucleus Accumbens, der sowas wie das Zentrum unseres internen Belohnungssystems ist und auch beim Entstehen von Sucht maßgeblich beteiligt ist. Durch Glückgefühle werden bestimmte Verhaltensmuster gefördert, was auch zur Abhängigkeit führen kann oder Leute dazu bringt, bei Extremsportarten die Sicherheit außer Acht zu lassen.

Das denkende Hirn

Das denkende Hirn ist der äußere Teil, den wir sehen würden, könnten wir in unseren Schädel schauen. Es kontrolliert Gedanken, das logische Denken, Sprache, Planung und Vorstellungsvermögen. Außerdem werden hier Sinne verarbeitet: Sehen, hören, sprechen und darüber hinaus sitzt hier auch unser Urteilsvermögen.

In der 2-4 Millimeter dicken Großhirnrinde sitzen um die 20 Milliarden Nervenzellen. Die sind übrigens rosa und färben sich erst im Todesfall grau. Grey Matter sollte also eigentlich Pink Matter heissen. Die Rinde ist unterteilt in Rindenfelder, und zwar in primäre Rindenfelder und Assoziationsfelder. Primäre Felder verarbeiten nur Informationen einer bestimmten Art, wie Wahrnehmungen oder einfache Bewegungen. Assoziative Felder sind für höhere Denkvorgänge und das eigentliche Gedächtnis verantwortlich.

(entnommen, verknüpft und verdichtet aus The Scientific American Brave New Brain und aus Wikipedia)

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