Wer diese Frage überzeugend beantworten kann, findet sehr schnell sehr viele interessierte Investoren. Unternehmen gründen ist bereits eine schwierige Aufgabe. Unternehmen gründen, die vom Start weg mehr als eine Milliarde Dollar umsetzen, ist beinahe unmöglich. Aber nicht ganz. Adam Kidron versucht es gerade mit seinem neuesten Start-Up Beyond Oblivion. Hier die Mission des Unternehmens (eigene Übersetzung):
Beyond Oblivion ist ein Musik-Service, der ein soziales Netzwerks mit unlimitierter, ewigem Zugriff auf die größte Musik-Bibliothek der Welt kombiniert, in einem Ökosystem, in dem Content-Besitzer bezahlt werden pro abgespieltem Song. Egal ob die originale Datei gerippt, oder legal oder illegal gedownloadet wurde.
Die Ausgangslage in der Musik-Industrie
Der Verkauf von CDs ist seit Jahren rückläufig, der von DVDs nicht nennenswert. Songs werden heutzutage auf Player und Mobil-Telefone gedownloadet, die überwiegende Mehrzahl aber anscheinend illegal, so die Musik-Industrie. Die globalen Einkünfte aus dem Verkauf digitaler Musik liegen bei ca. 3,7 Mrd. $. Man nimmt an, nur jeder 20. Download wird bezahlt – der Industrie entgehen also nach dieser Rechnung fast 70 Milliarden Dollar Umsatz (so ein Artikel in der Financial Times). In Ländern wie China mit einer ausgeprägten Kultur von Alles im Internet gehört mir versuchen es die Musik-Konzerne gar nicht erst und bieten die Downloads von vornherein umsonst an.
Für jemanden, der es schafft, der Musik-Industrie einen Teil der entgangenen Umsätze zu verschaffen, ohne die Kunden zu vergraulen, wäre eine Millarde oder mehr drin. Das ist eine der Erkenntnisse, wenn man das wirtschaftliche Umfeld der Musik-Industrie mit SEEDTIP analysiert.
Die brilliante Idee hinter Beyond Oblivion
Adam Kidron hat sich überlegt, wie oft digitale Musik pro Jahr abgespielt wird. Er kommt auf etwa 4.000 Milliarden Mal. Dann hatte er die Einsicht, wenn alle etwas bezahlen würden immer wenn ein Song gespielt wird, wäre es für die Industrie besser. Niemand bräuchte sich um Piraterie Sorgen zu machen, da es nicht mehr um Besitz, sondern um Benutzung geht. Die Herausforderung ist, Leute bezahlen zu lassen in einer Art und Weise, dass sie es nicht bemerken:
Es ist besser, von allen sehr wenig zu verlangen als von nur 5% sehr viel.
Wenn nur 5% der Nutzer die Songs bezahlen, die sie downloaden, weil die anderen 95% illegal gedownloadet werden, enthält selbst ein Preis von 99 Cent (wie bei iTunes) zuviel Umlage für die illegalen Downloads. Die ehrlichen 5% werden bestraft, weil die anderen sich nicht an die Regeln halten. Was, wenn Beyond Oblivion die Wertschöpfung vom Besitz von Songs zur Benutzung verschiebt?
Wenn sich Endkunden ein elektronisches Gerät kaufen, mit dem sie Musik abspielen können, dann enthält der Preis des Laptops oder Mobil-Telefons bereits eine Umlage für die Musik. Sagen wir 50 Euro. Das funktioniert wie bei Betriebssystem-Software, die ist auch im Preis enthalten und niemand regt sich ernsthaft darüber auf. Ein Laptop würde also nicht mehr 699 Euro kosten, sondern vielleicht etwa 749 Euro (genaue Preise sind noch nicht bekannt). Mit diesem Laptop hätte man dann aber das Recht erworben, völlig umsonst alle Musik der Welt zu hören:
- die bereits gerippte, illegal gedownloadete Musik auf der alten Festplatte
- die Musik in der größten Musik-Bibliothek der Welt, zu der man Zugriff hat
- alle künftige Musik, die in diese Bibliothek aufgenommen wird
Also wirklich alle Musik. Spielt man die Musik ab, registriert ein Programm das und meldet diese Daten zu Beyond Oblivion, die dann entsprechend der konsolidierten Abspielzahlen aller technischen Geräte errechnet, welche Musiker wieviel Geld erhalten. Bezahlt werden die Musiker aus all den Umlagen aus den Verkäufen von Laptops, Playern und Mobiltelefonen. Dort gibt es konstante Einnahmen, also hat Beyond Oblivion auch konstant Geld zum Verteilen. Übrigens fliesst so immer neues Geld zu Beyond Oblivion: zwar könnte ich mit einem einmal erworbenen Laptop auf ewig Musik hören, aber nach einer Weile kauft man sich ja einen neuen Laptop und zahlt die Prämie aufs Neue.
Vorteil 1:
- Zwar verkauft Dieter Bohlen mehr CDs als beispielsweise Morcheeba. Aber nachdem der Hype vorbei ist, hört die doch niemand mehr. Morcheeba schon, und deswegen würden die gerechterweise auch mehr verdienen.
Vorteil 2:
- Die Transaktion ist deutlich unkomplizierter. Beim Kauf eines Laptops, Players oder Mobiltelefons ist dieses Modell eingepreist. Auf dem Gerät befindet sich die Software. Von da ab braucht man Musik nie wieder bezahlen.
Vorteil 3:
- Auch alte gerippte Musik auf der Festplatte wird legal. Bezahlt wird nach Nutzung, nicht nach Besitz.
Vorteil 4:
- Weil alle Musik umsonst ist, wird wahrscheinlich mehr gehört.
Vorteil 5:
- In Deutschland hätte der Abmahn-Schwachsinn rund um illegale Downloads ein Ende, der die Situation zwischen Nutzer und Musik-Publisher nicht positiv bereichert.
Eine Milliarde und mehr mit einem Startup: Ändere die Regeln des Spiels!
Adam Kidron verändert mit Beyond Oblivion die Regeln des Spiels. Er vereinfacht die Nutzung digitaler Musik dramatisch und verändert das Business-Modell der gesamten Industrie. Endkunden haben’s einfacher und können mehr hören, die Musik-Industrie löst ein großes Dilemma und niemand wird kriminalisiert. Das Geschäftsmodell von Beyond Oblivion greift sogar das überaus erfolgreiche Geschäftsmodell von iTunes an. Bislang war Apple immer dafür verantwortlich, das Geschäftsmodell einer Industrie zu verändern (Smartphones, Software-Downloads, Musik-Downloads, Handheld Gaming Consoles etc.).
Wie lange Apple tatenlos zuschaut, werden wir sehen. Adam Kidron hat eine Mammut-Aufgabe vor sich: mit allen Geräte-Herstellern sprechen, mit allen Musik-Publishern sprechen und sie alle zu einem Teil seines Programms machen. Denn das funktioniert erst, wenn fast alle mitmachen. Dann funktioniert es aber immer besser. Es macht dann nämlich kaum noch Sinn, sich einen Laptop oder ein Mobiltelefon zu kaufen, auf denen man nicht für immer endlos alle Musik der Welt hören darf!
Kidron sagt selber, dass die Aufgabe, die vor ihm liegt, beängstigend umfangreich sei. News Corp. investiert in Beyond Oblivion. Das Geld wird genutzt, um Musik-Publisher im Voraus dafür zu bezahlen, dass sie mitmachen.
Wir haben’s verdient, eine Milliarde umzusetzen, weil wir das Risiko aufgenommen haben, die Musik-Industrie im Voraus zu bezahlen.
Und weil es eine wirklich brilliante Idee ist, die hinter Beyond Oblivion steckt. So brilliant, dass es klappen kann. So sieht sie also aus, die Idee hinter einem Unternehmen, das vom Start weg eine Milliarde Dollar oder mehr umsetzt.
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Tags: Adam Kidron, Beyond Oblivion, Musik, Startup








