Ein Professor und sein Student wandern durch Alaska, um Pflanzen zu sammeln. Sie werden von einem riesigen Bären bemerkt, der ihre Spur aufnimmt. Beide fangen an zu rennen, aber es ist klar, dass der Bär schneller ist. Der Student setzt sich hin, packt seinen Rucksack aus und fängt an, sich Turnschuhe anzuziehen.
Der Professor sagt: “Du kannst keinem Bären davon laufen, nicht mal mit Turnschuhen.”
Der Student antwortet: “Ich brauche dem Bären nicht davon zu laufen. Es reicht, wenn ich schneller bin als Du.”
Paul E. Plsek definiert Kreativität wie folgt: Kreativität ist das Verbinden und Neuordnen von Wissen – im Hirn von Menschen, die sich selber erlauben, flexibel zu denken – um neue, oft überraschende Ideen zu entwickeln, die von anderen als nützlich verstanden werden. Das passt auf die beiden Arten von Kreativität, die wir kennen. Da sind Kunst, Mode, Gesang, Theater etc. – die kreativen Künste. Beim Denkpass geht es eher um die andere Art von Kreativität – das kreative Problemlösen. Im Rahmen dieser Definition suchen wir also neue Ideen, um bekannte Probleme zu lösen.
Ein falsch definiertes Problem zu lösen ist sehr schwer
Wichtig ist dabei, dass Problem richtig zu definieren. Den Wissenschaftlern früher waren zwei Dinge bekannt:
- Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums.
- Der Kalender hat so einige Macken.
Also haben seit Urzeiten alle möglichen Leute versucht, unseren Kalender in Ordnung zu bringen. Im Wesentlichen ging es darum, Kalender und Realität in Einklang zu bringen – damit beispielsweise das christliche Osterfest immer unter demselben Himmel stattfinden würde. Das Problem, den Kalender auf die astronomischen Gegebenheiten anzupassen, konnte nie richtig gelöst werden, denn es war falsch definiert. Erst als Kopernikus das Problem heliozentrisch statt geozentrisch formulierte, konnte es gelöst werden. Mehr als 1.000 Jahre hatte man vertrödelt, weil man das falsche Problem lösen wollte!
Kommen wir zurück zum Studenten und Professor in Alaska. Das eigentliche Problem ist nicht, schneller als der Bär zu sein. Der Student definiert das Problem neu: es geht darum, schneller als der Professor zu sein. Dem Bären reicht eine Beute.
Ein weiteres Beispiel. In einem großen Hotel haben sich die Gäste kurz nach dem Bau darüber beschwert, dass die Fahrzüge so langsam seien. Der Manager hat den Fahrstuhl-Installateur angerufen, er solle den Fahrstuhl beschleunigen. Leider ging das nicht – der Fahrstuhl lief bereits so schnell, wie er konnte. Also plante man, einen weiteren Fahrstuhl einzubauen. Kurz bevor die Bauarbeiten begannen, fand man heraus, dass das Problem falsch definiert war. Das eigentliche Problem war, die Leute von ihrer Wartezeit abzulenken. Die Hotelgäste hörten auf, sich zu über den langsamen Fahrstuhl zu beschweren, als man genau gegenüber von den Fahrstühlen Spiegel anbrachte.
Das Problem richtig definieren
Bevor wir anfangen, Probleme zu lösen, müssen wir das Problem richtig definieren. Dazu müssen wir uns das Problem auch richtig anschauen. Oft behandeln wir Symptome anstelle der zugrunde liegenden Ursache. Symptome behandeln führt oft zu schnellen Erfolgen, längerfristig aber zu mehr Arbeit und Kosten. Schwierig wird das Ganze dadurch, dass wir oft erst wissen, welches die richtige Problem-Definition ist, wenn wir eine Lösung gefunden haben (wie beim Studenten und dem Professor).
Auf jeden Fall lohnt es sich bei jeder kreativen Problemlösung immer auch über das Problem und seine Definition nachzudenken. Einen allgemein gültigen Ansatz, Probleme richtig zu definieren, kenne ich leider auch nicht. Sich aber gemeinsam Gedanken über die richtige Definition des Problems zu machen, ist übrigens auch von Vorteil für eine Gruppe. Es erhöht das gemeinsame Verständnis für die vor der Gruppe liegende Aufgabe.
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