In Somalia gibt es keine funktionierende Regierung, das Land wird offiziell von einer Übergangsregierung und inoffiziell von Stammesfürsten regiert (Link zum CIA World Fact Book). Das hat viele negative Folgen, nicht zuletzt für Somalias Einwohner. Da es beispielsweise kein offiziell funktionierendes Ministerium gibt, das Fischfang-Lizenzen ausstellt, konnte man sich diese Lizenzen inoffiziell besorgen. Somalia liegt am Indischen Ozean, seine Küstengewässer sind Fanggrund unter anderem für Thunfische, Makrelen und Lobster. Illegale Fänge in Somalias Gewässern hatten einen Wert von bis zu 300 Millionen Dollar pro Jahr, so die Financial Times und Treehugger.com. Somalias Gewässer wurden systematisch von Fisch befreit, ohne dass irgendein Somali etwas davon hatte.

Somalias Piraten schützen die Umwelt? (Foto via Treehugger.com und warisboring.com)

Somalias Piraten schützen die Umwelt? (Foto via Treehugger.com und warisboring.com)

Und während ausländische Fischererflotten mit illegalen Fischfang-Lizenzen die Gewässer leer fischten, luden andere ausländische Schiffsflotten in Somalias Gewässern Giftmüll und radioaktiven Abfall ab. Somalias Küste verkam zu einem Umweltproblem mit mehr als 3,000 km Länge.

Dann erschienen die Piraten.

Weil es weder eine somalische Marine noch eine funktionierende Küstenwache gab, nahmen somalische Fischer ihr Recht in ihre eigenen Hände. Das führte anfangs zu vielen Verlusten und dann zu mehr Bewaffnung und der Entwicklung seeräuberischer Kenntnisse und Fertigkeiten. Einige dieser Fischer entdeckten, dass Piraterie sehr viel lukrativer ist als die bloße Verteidigung ihrer Fischerei-Rechte. Die Piraten verdienen Millionen mit der Entführung von Schiffen. Die Versicherung von Schiffen, die durch den Golf von Aden fahren, ist unglaublich teuer bis unmöglich geworden. Eine der meist benutzten Routen der Welt-Schiffahrt wird nun kaum noch benutzt.

Für die Umwelt hat das alles aber einen großen Vorteil. Auch ausländische Fischer meiden den Golf von Aden nun. Kenianische Fischer sagen, die Fischbestände haben sich sehr gut erholt. Greenpeace-Mitarbeiter Hassan Farah Obaidullah sagt, dass dies mittlerweile auch die somalischen Fischer spüren – ihre Fänge haben sich mehr als verdoppelt. Und es traut sich auch niemand mehr, Müll in somalischen Gewässern zu verklappen. Die Financial Times schlägt dann auch vor, Somalias Piraten sollten mal über ihr Image nachdenken und sich als Umweltaktivisten rebranden.

Diese Geschichte verdeutlicht, worüber der französische Ökonom Frederic Bastiat bereits vor mehr als 150 Jahren in seinem letzten und vielleicht bedeutendsten Essay schrieb:

Im Bereich der Ökonomie ruft eine Handlung, eine Gewohnheit, eine Einrichtung, ein Gesetz nicht nur eine einzige Wirkung hervor sondern eine Reihe von Wirkungen. Von diesen Wirkungen ist nur die erste direkt, sie zeigt sich gleichzeitig mit ihrer Ursache, man sieht sie. Die anderen entwickeln sich erst nach und nach, man sieht sie nicht; glücklich wenn man sie vorhersieht.

Dies ist der ganze Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ökonomen: Der eine klebt an der sichtbaren Wirkung, der andere berücksichtigt sowohl die Wirkung, die man sieht als auch diejenige, die man vorhersehen muss.

Aber dieser Unterschied ist enorm, denn es ist fast immer so, dass die unmittelbare Folge günstig ist und die letztendlichen Folgen unheilvoll und umgekehrt.

Die Absicht der Piraten war zu allererst, um ihre Fisch-Rechte zu kämpfen (gut). Nun sind sie Piraten und bei der Ausübung ihres Handwerks sterben Menschen (schlecht). Aber die Piraterie sorgt auch für sich erholende Fischbestände und weniger Müll an Somalias Stränden (gut).

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