Zusammenfassung: Was bedeutet Entrepreneurship? Aus welchem Holz sind Unternehmer, Entrepreneure, Start-Up-Gründer geschnitzt? Der Denkpass geht diesen Fragen in einer kleinen Serie auf den Grund. Im ersten Teil schauen wir uns die Bedeutung des Wortes Entrepreneurship an.
Zwei Bekannte von mir (@matthiaspatz, @dennisjust) haben vor einiger Zeit eine Firma gegründet. Ihr Unternehmen Compreo bietet einen Marktplatz für Online-Übersetzungen an, inklusive Back-End für die Übersetzer und ihre verschiedenen Rollen. In meinem Unternehmen alpha-board gibt es einen Praktikanten (@dinow), der auch gerade dabei ist, eine Idee in ein Unternehmen umzusetzen. Es handelt sich um ein Informations-System für Schulen, das mobil kommuniziert. Ob die Idee funktioniert und die drei demnächst ihre Unternehmen an Google verkaufen und mehrere hundert Milliarden Doller scheffeln, das weiss kein Mensch. Das ist aber auch nicht der Punkt. Viele große Entrepreneure haben mehrfach Start-Ups in den Sand gesetzt, bevor sie Erfolg hatten. Erfahrung ist die Summe aller Fehler, die wir machen. Ohne Fehler keine Erfahrung, und ohne Erfahrung bleibt Erfolg nur glücklich.
Worauf haben sich diese drei Entrepreneure da eingelassen? Was bedeutet Entrepreneurship? Die Bedeutung des Wortes hat sich im Laufe der Zeit gewandelt.
Entrepreneurship im Laufe der Zeit
Das Wort Entrepreneur kommt vom französischen entreprendre, was im 18. Jahrhundert verstanden wurde als dazwischen zu sein. Der Entrepreneur war seinerzeit der Zwischenmann zwischen den Herstellern und Käufern. Unternehmen dieser Art waren klein und wurden von ihrem Besitzer betrieben. Das Geschäft war riskant, denn die Entrepreneure mussten ihre Ware zwischenfinanzieren. Unternehmen wuchsen oft natürlich, finanziert vom Eigentümer. Als Entrepreneure verstand man Eigentümer und Manager zugleich, und zwar von allen Unternehmen, die es gab – also nicht nur für neu gegründete Unternehmen.
In der Zeit der industriellen Revolution wuchsen viele Unternehmen sehr schnell. Um ihr Wachstum und ihre Investitionen zu finanzieren, brauchten die Unternehmen sehr viel Geld, das von den Eigentümern in diesem Maßstab nicht mehr zu bekommen war. Banken übernahmen die Finanzierung, aber Unternehmen gingen auch an die Börse, um sich Geld zu beschaffen. Es kam die große Zeit der Aktiengesellschaften, bei denen die Rolle als Eigentümer und Manager voneinander getrennt sind. Die Manager spezialisierten sich und übernehmen Teilaufgaben wie Finanzbuchhaltung, Personal, Operatives Geschäft etc. Die Arbeit wurde strukturiert und in Regeln gefasst, die Unternehmen wurden hierarchisch und bürokratisch. In dieser Zeit verstand man Entrepreneure als Menschen, die ihre eigenen Firmen starteten und alle diese Manager-Rollen übernahmen. Meistens wurden Firmen gegründet, um neue Erfindungen in die Realität umzusetzen, die einen Mehrwert für den Markt boten. Man sah Entrepreneure als Vagabunden, die sich nicht an Regeln halten können, besonders ehrgeizig waren und bereit, ein hohes Risiko zu übernehmen.
Unsere heutige Definition Entrepreneurship
Im letzten Jahrhunderts entwickelte sich der Begriff Entrepreneur weiter, voran getrieben durch wissenschaftliche Untersuchungen beispielsweise von Peter Drucker oder Joseph Schumpeter. Wir verstehen heute Entrepreneurship als das, was Unternehmer tun, die sich mit Innovationen beschäftigen. Entrepreneure managen Innovationen in einem Umfeld nicht vollständiger Informationen, was sie einem hohen Risiko aussetzt. Sie führen neue Produkte oder Dienstleistungen ein, und setzen sich mit den notwendigen Veränderungen und Risiken auseinander, die dabei auftreten.
Die Hauptelemente des Unternehmertums (Entrepreneurship) sind also:
- großer Freiheitsgrad in der Entscheidungsfindung
- Innovationen in Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen einführen
- Entscheidungen ohne vollständige Informationslage treffen
- hohes finanzielles Risiko eingehen
Dabei gibt es einen Unterschied zum selbständig sein. Entrepreneurship hat etwas mit Innovationen zu tun, mit neuen Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen. Selbständig sein kann man aber auch ohne Innovationen, z.B. als Anwalt oder Imbissbuden-Betreiber oder Steuerberater. Das ist immer noch beachtenswert, aber es ist kein Entrepreneurship.
Bei meinen drei Bekannten sind diese Bedingungen erfüllt. Sie sind Entrepreneure, so wie Schumpeter und Drucker es verstanden haben wollen. Und weil sie sich von dem hohen Risiko, das damit verbunden ist, nicht abschrecken lassen, verdienen sie meinen Respekt.
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