Machen uns nachhaltige Produkte zu besseren Menschen? Zwei kanadische Wissenschaftler, Nina Mazar und Chen-Bo Zhong, sind dieser Frage nachgegangen. Ihr Artikel “Do green products make us better people?”, veröffentlicht im Journal Psychologigal Science, kommt zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist.
Nach einer Reihe von Versuchen und Befragungen kommen die beiden Wissenschaftler von der Universität von Toronto zur Erkenntnis, dass Menschen, die nachhaltige Produkte kaufen (wie Bio etc.) eher bereit sind, zu lügen, zu betrügen und zu klauen als solche, die diese Produkte nicht kaufen (siehe dazu auch den Kommentar von Matthew Engel in der Financial Times). Menschen, die nachhaltige Produkte kaufen, sind auch weniger dazu bereit, nett zu sein, so ein weiteres Ergebnis.
Obwohl wir Menschen eine positive moralische Ausrichtung bevorzugen, ist der Unterhalt dieser positiven Ausrichtung oft mit viel Aufwand verbunden, da soziale und ethische Dilemma Interessenkonflikte erzeugen können. So sind wir Menschen hoch motiviert, uns pro-sozial und ethisch zu verhalten, wenn ein kürzlich erfolgter Verstoß unser moralisches Empfinden bedroht. Aber es ist wenig wahrscheinlich, dass wir moralische Implikationen künftiger Handlungen prüfen und unser Handeln dementsprechend regulieren, wenn unsere Moral vor kurzem einen positiven Schub durch eine gute Tat erhielt. Das impliziert, dass gute Taten uns Menschen eine Lizenz geben für anschliessendes asoziales und unethisches Verhalten.
Interessanterweise scheint dieses negative Verhalten mit dem Kauf nachhaltiger Produkte verbunden zu sein. Sehen und hören wir nur von nachhaltigen Produkten oder Dienstleistungen, ohne sie zu kaufen, wollen wir in diesem sozialen Bereich auch positiv handeln. Sehen wir also ein Restaurant mit nachhaltigen Lebensmitteln, wollen wir uns oft direkt im Anschluss auch nachhaltig ernähren. Kaufen wir uns aber ein Essen in diesem Restaurant, fühlen wir uns moralisch erhaben und haben damit eine Lizenz zur Egomanie in anderen sozialen Bereichen. Nina Mazar und Chen-Bo Zhong erklären sich das mithilfe des Licence Phenomen, das in Deutschland wohl eher bekannt sein dürfte als Ablass-Handel. Wenn wir Menschen etwas richtig machen, glauben wir, dass diese Handlung im Anschluss unrichtiges Verhalten rechtfertigt – wir also eine Lizenz dafür haben, schlecht zu sein.
Ein weiterer Beweis für dieses Phänomen? Menschen, die Nationalparks besuchen (also die Schönheit konsumieren und dafür bezahlen), sind weniger wahrscheinlich dazu bereit, finanziell Organisationen zu unterstützen, die die Natur erhalten wollen. Das ist das Ergebnis einer Studie aus den USA, veröffentlicht in PLoS ONE (via Treehugger). Ich frage mich, ob dieses Lizenz-Phänomen vielleicht auch eine Erklärung für den laxen Umgang des IPCC mit den Fakten ist (zum Artikel über den Weltklima-Rat beim Denkpass). Fühlen sich die Wissenschaftler beim IPCC so sehr gerechtfertigt durch ihren Kampf für eine gute Sache, dass sie sich im Besitz einer Lizenz wähnen?
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Tags: Chen-Bo Zhong, Ethik, Grüne Produkte, Licence Phenomen, Nachhaltigkeit, Nina Mazar








