Hinter dem Begriff Innovation steckt oft ein schwammiges Konzept. Scott Anthony von Innosight Ventures hat in einem Blogartikel vor kurzem folgende, aufeinander bauende Definitionen in den Ring geworfen:
- eine Inspiration, die eine Möglichkeit eröffnet, auf neuartige Weise Wert zu schöpfen
- Eine Idee oder ein Plan, ein Angebot zu entwickeln, das auf dieser Inspiration basiert
- Die Umsetzung dieses Plans in ein reales Geschäft (die Implementierung)
Interessanterweise ist eine der weltweit anerkanntesten Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Thema Innovation beschäftigt, auch in Harvard tätig. Theresa M. Amabile definiert Innovation wie folgt:
Kreativität ist die Erzeugung neuer und nützlicher Ideen in allen Bereichen menschlicher Aktivität. Innovation ist die erfolgreiche Umsetzung solcher Ideen.
Wenn man genau hinschaut, trifft das die Definition von Scott Anthony ziemlich gut, ist aber deutlich kürzer und prägnanter. Was den Ansatz von Anthony aber so interessant macht, ist der Fakt, dass in der Geschäftswelt die Umsetzung von Ideen in die Realität, also die eigentliche Innovation, ziemlich genau diesem Schema folgt. Und die Manager großer Firmen, mit denen Anthony über Innovationen redet, glauben mehrheitlich, dass die Innovationsklemme in ihrem Geschäft irgendwo in den ersten beiden Punkten zu suchen sei – also entweder der Inspiration oder der Entwicklung der Idee (oder nach Amabile, in der Kreativität).
Das rührt anscheinend daher, glaubt Anthony, dass der letzte Punkt, also die Umsetzung, als Stärke der großen Unternehmen betrachtet wird. Dabei ist es genau dieser Punkt, die Umsetzung einer Idee in die Realität – also laut Amabile die eigentliche Innovation, die fast allen Firmen so schwer fällt. Anthony beschreibt das als Problem der ersten Meile: Alle Unternehmen stecken bis zu den Hüften in Einsichten und Inspirationen in ihr spezielles Fachgebiet. Überall gibt es haufenweise interessante Ideen und gut durchdachte Pläne. Trotzdem, und das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, tun sich sehr viele Firmen sehr schwer mit der Umsetzung ihrer Ideen in die Realität – sprich: in erfolgreiche neue Geschäftsfelder.
Du kannst eigentlich jeder Firma ein Geschäftsfeld mit 50 Mio. Dollar Umsatz schenken, mit der Aufgabe, das zu skalieren – und sie werden es mühelos hinkriegen. Du kannst ihnen ein existierendes Produkt geben, und sie sollen es verbessern – kein Problem. Aber etwas zu starten, die erste Meile [bis bis zum ersten Euro, Dollar oder Rupee] zurücklegen, das ist ein großes Problem.
Ein Konzept, was auf der ersten Meile sicherlich hilft, ist “Nichts Großes hat jemals groß angefangen”. Auch große Firmen sollten die Umsetzung ihrer Ideen so schnell und einfach wie möglich beginnen, und die Idee dann den Realitäten anpassen. So etwas versuchen wir in meinem neuen Startup Tigr Solutions, wo wir gerade mitten in der Ersten Meile stecken. Wichtig ist auch, den Glauben an die eigene Idee nicht zu verlieren, aber mit der Idee auch flexibel umzugehen. Und anscheinend ist ein großes Problem oft, dass es in den Firmen Leute gibt (Gatekeeper), die von der Idee nicht überzeugt sind und die Innovation ausbremsen. Auch das ist ein Problem, das wir bei Tigr Solutions erfahren haben, zumindest auf Kundenseite.
Mich würde interessieren, wie ihr das seht. Habt ihr ähnliche Erfahrungen bei der Umsetzung von Ideen gemacht? Wie sehen eure Probleme in euren Firmen aus?
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Tags: Erste Meile, Innovation, Kreativität, Scott Anthony, Theresa M. Amabile, Umsetzung







