Leiden Investment Banker am sozialen Phänomen der Eigen-Gruppe? Beurteilen Investment Banker deswegen den Rest der Welt als Fremdgruppe – mit der damit einhergehenden Abgrenzung und negativen Beurteilung? Ein Artikel der Financial Times handelt von Magdalena Sniegocka, einer Investment-Bankerin bei Nomura. Frau Sniegocka war Praktikantin bei Lehman Brothers und anschliessend für 2 Monate festangestellt, bevor Lehman Brothers implodierte und die größte Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren begann.

Lehman Brothers (Quelle: de.wikipedia.org)

Lehman Brothers (Quelle: de.wikipedia.org)

Von der auf Lehman Brothers Implosion folgenden Weltwirtschaftskrise und dem Anstieg von Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Insolvenzen bekam Magdalena Sniegocka nicht besonders viel mit. Die japanische Investmentbank Nomura übernahm einen großen Teil der Mitarbeiter von Lehman’s Europa- und Asienteams, unter anderem auch sie.

Wie steht es um die kollektive Psyche von Bankern, was ihre Gehälter angeht? Frau Sniegocka beispielsweise findet hohe Bankergehälter unter anderem deswegen gerechtfertigt, weil Banker alle sehr hart und lange arbeiten. Lange Stunden also als Grund für 700.000$ Bonus PRO Mitarbeiter bei Goldman Sachs?

Klingt nach Meinung von Lynda Gratton, Professor für Management Practices an der London Business School, plausibler als die von den Banken kolportierte Sicht, dass Investment-Banker durchweg besonders intelligente und fähige Menschen seien und deswegen Anspruch auf hohe Gehälter hätten. Gratton schliesst aus, dass besondere Begabungen aller Investmentbanker eine Rechtfertigung für hohe Bankersgehälter seien:

Interessanterweise gibt es bislang keine akademischen Untersuchungen, die nahelegen, dass Banker fähiger sind als andere Berufsgruppen.

Lynda Gratton weist in diesem Zusammenhang auf die Gefahr hin, die dieses Phänomen der Eigen-Gruppe / Fremd-Gruppe erzeugt:

Wenn Leute zusammen kommen und einander in ihren Meinungen zustimmen, können sie sich damit in ihrem Denken als Gruppe isolieren. Der nächste Schritt ist dann eine erhöhte Risiko-Bereitschaft, was Psychologen als risky shift bezeichnen.

Diese Risiko-Bereitschaft hatte dann ja die entsprechenden Folgen bei der Auswahl der Investments. Diese Risikobereitschaft auf der Suche nach vermeintlich hoher Rendite hat für Anleger und die Wirtschaft zu mehreren tausend Milliarden Verlusten geführt, an der die Wirtschaft noch heute knabbert – während die Gruppe, deren kollektiven Fehlentscheidungen wir das Fiasko verdanken, sich mittlerweile wieder Boni in Milliardenhöhe auszahlen will. Und so sieht auch für Magdalena Sniegocka die Welt seit den Lehman Brothers nicht so schwarz aus:

“Wir werden über den Kollaps der Lehman Brothers unser ganzes Leben reden.”, so Magdalena Sniegocka, Investmentbankerin bei Nomura, “Aber nach allem was passiert ist, finde ich, dass es eine super Gelegenheit war.”

Ist halt alles nur eine Frage, zu welcher Gruppe man gehört, oder?

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