Ich bin Berliner. Ich lebe, seit ich denken kann, im Prenzlauer Berg. Das war früher mal ein Arbeiterbezirk mit zerschossenen, zerfallenden Häusern, begraben unter einer Schicht von Kohlenstaub und Dreck. Traurig und verlassen, vergessen selbst von der ostdeutschen Regierung und der Staatssicherheit. Ich bin da aufgewachsen, in der alten Postleitzahl 1055 – heute ist die Kenntnis dieser Zahl ein Merkmal dafür, wie lange ich hier schon lebe. Mir hat hier immer gefallen, dass sich alle an das Motto leben und leben lassen halten. Sei wie Du bist, aber lass mich in Ruhe.
Diese Einstellung, diese Freiheit, sein Leben zu führen, hat schon immer viele Menschen angezogen. In der DDR fanden sich hier viele Intellektuelle wieder, zogen sich hierhin zurück. Nicht bereit, gegen den Staat zu kämpfen, nicht in der Lage, für ihn zu sein, zog man sich in seine eigenen vier Wände zurück. Es gab Galerien in Privatwohnungen, man tauschte Bücher aus dem Westen, man schaute Westfernsehen, aber nur dritte Programme. Nach der Wende schien das auch vielen anderen Menschen zu gefallen. Die Stadt richtete ein Sanierungsgebiet in dem seit dem Weltkrieg unveränderten Stadtbezirk ein, und bundesdeutsches Kapital sanierte meinen Heimatbezirk. Schwaben zogen zu und Bayern (der Volksmund nennt sie manchmal kaltschnäuzig Schwanaken und Baynaken!), brachten hohe verfügbare Einkommen mit und den Bedarf an Deli-Feinkost. Der nördliche Prenzlauer Berg zwischen Helmholtzplatz, LSD-Viertel und Kollwitzplatz kam im 21. Jahrhundert an.
Auch die neuen Bewohner der Prenzlauer Bergs lieben Bücher und Musik: Das Lebensgefühl ist geblieben. Die Gegend rund um Kollwitz- und Helmholtzplatz ist vom Osten ausgezogen und im Paradies angekommen, so Simon Kuper in der Financial Times. Heute ist der Prenzlauer Berg Berlins schönste Wohngegend, findet Kuper:
Das Zentrum dieser Gegend, der Kollwitzplatz, ist nun sicherlich Berlins schönster Platz. In seiner Mitte sitzt eine Statue von Käthe Kollwitz, einer Bildhauerin aus der Zeit der Weimarer Republik und Anwohnerin. Die Statue ist umgeben von einem Spielplatz für Prenzlauer Berg’s unzählige Kinder, einem kleinen Wald und Cafés und Restaurant aller Nationalitäten – sogar deutsch! Der Kollwitzplatz entspricht dem platonischen Ideal eines europäischen Platzes. (eigene Übersetzung)
Ich habe mir da eine Wohnung gebaut, keine 3 Minuten Fussweg vom Helmholtzplatz entfernt. Ich liebe den Prenzlauer Berg, für mich das coolste Stückchen Großstadt auf unserem Planeten. Ich bin Berliner, 1055. Ich werde es immer sein. Schön, dass sogar die einzig globale Zeitung der Welt, die Financial Times, erkannt hat wie schön es hier ist.

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test
Posted 18 Feb 2010 at 09:31 ¶