Kreative Problemlösung mit Hilfe des Unterbewusstseins (Set & Forget)

Teil 3 von 5 in der Serie Kreative Methoden

Es gibt einige Arten von Kreativität, die genau dann schwer abzurufen sind, wenn wir sie am nötigsten brauchen. Beispielsweise haben wir im wirklichen Leben bereits Zeitnot, wenn wir ein Problem lösen wollen – um die Kraft des Unbewussten zu nutzen, bleibt dann wenig Muße. Zudem ist unser Unterbewußtsein schwer anzuzapfen, es entzieht sich per Definition unserem gesteuerten Zugriff.

Das Unterbewusstsein kreativ nutzen (Bildquelle: www.welt.

Das Unterbewusstsein kreativ nutzen (Bildquelle: www.welt.de)

Das Unterbewusstsein aktivieren mit Set & Forget

Eine Kreativtechnik, die sich der Macht unseres Unterbewusstseins bedient, ist Set & Forget. Dabei beschäftigen wir uns mit einem Problem, bis wir es verstanden haben, und hören dann auf, darüber nachzudenken. Oft fällt einem die Lösung für das Problem einige Zeit später ein. So berichtet Malcolm Gladwell in Outliers von einem Hochbegabten namens Chris Langan (Star im Kapitel The Trouble with Geniuses, part 2):

Ich habe herausgefunden, dass ich mit einer Frage im Kopf ins Bett gehen kann und mich nur auf die Frage konzentrieren muss, bevor ich einschlafe, und eigentlich fast immer am nächsten Morgen die Antwort weiss. Manchmal träume ich von der Antwort und kann mich daran erinnern, andere Male fühle ich die Antwort einfach und fange an, sie aufzuschreiben und die Antwort erscheint auf dem Papier. (eigene Übersetzung)

Set & Forget anwenden

Auf der Webseite meines australischen Professoren für Entrepreneurship, Rob Dew, der auch mein Dozent im Fach Kreative Problemlösung an der Brisbane Graduate School of Business war, finden sich ein Anwendungsalgorithmus für Set & Forget:

  1. Sammle alle Informationen über Dein Problem und seinen Kontext (oder: Beginne damit, eine Liste aufzustellen von möglichen Problemdefinitionen für den Kontext Deines Problems)
  2. Baue eine emotionale Brücke zum Erfolgszustand, wenn Du das Problem gelöst haben wirst.
    • Stelle Dir vor, wie es sein wird, wenn Du das Problem löst!
    • Schaue Dir mit Deinem inneren Auge an, wie die neue Situation aussehen wird.
    • Höre Dir an, was andere sagen werden!
  3. Beschliesse für Dich selber, dass Du (je nach Schwere des Problems) eine spezifische Anzahl von Vorschlägen erarbeitest, die das Problem lösen können (bei schweren Problemen bis zu 50!)
  4. Setze Dir ein Zeitlimit, bis wann Dein Unterbewusstsein Ideen entwickelt (das funktioniert ähnlich, wie wenn man sich ohne Wecker selber aufwecken will an wichtigen Tagen)
  5. Schreibe Dir Dein Ziel auf in der Form “Ich will … verschiedene Problemlösungsansätze für die … Situation bis zum … erarbeiten”. (Denke dabei immer an Deine emotionalen Brücken!)
  6. Nun vergesse das Problem bewusst, so gut Du kannst.
  7. Wenn Du genügend emotionale Verbindung aufgebaut hast, wirst Du immer wieder über Verbindungen zu Deinem Problem stolpern, während Du Dich mit anderen Sachen befasst.
  8. Wenn es soweit ist, schreibe so viel Problemlösungsansätze auf, wie Dir einfallen (oder: schreibe die besten Problemdefinitionen einfallen, die aus Deiner Sicht passen)

Das Ganze geht genauso gut mit Ideen oder Aktionen usw. Die Methode erfordert einige Übung, aber wie man bei Gladwell/Langan lesen kann, funktioniert sie ausgezeichnet.


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