Kommen wir zu einem unangenehmen Thema: dem nächsten Buch, das ich im Urlaub lesen wollte. Dabei handelt es sich um Der Tag X von Philip Kerr, übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann.
Das Buch hat 507 Seiten. Ich habe mich nun zwei Tage damit herumgeschlagen: von Anfang an fällt auf, dass der eingeschlagene Ton leer bleibt und langweilig ist. Spätestens ab Seite 200 habe ich mich gequält, nun auf Seite 357 angekommen, sehe ich wirklich keinen Grund mehr, diese Qual fortzusetzen. Um in der Sprache des Buches zu bleiben: Die Socken einer unbekannten Rentnerin zu sortieren, wäre amüsanter. Mir mit einem Käsehobel die Brustwarzen zu stimulieren, wäre schöner.
Genau dieser Art ist der Ton, den entweder Philip Kerr oder Cornelia Holfelder-von der Tann oder wahrscheinlich beide hier einschlagen. Es bleibt beim Versuch, den Wortwitz von Raymond Chandler zu erreichen (immerhin passt aber fast die Zeit, in der die Handlung spielt). Kerr möchte auch gerne so düster sein wie James Ellroy, aber auch das schafft er nicht. Sozialkritische Gesellschaftstristesse, die Sjövall/Wahlöo verbreitet haben, wird gar nicht erst versucht. Das Geschriebene bleibt leer.
Die Story: Ein Profikiller killt Leute und ist mit einer hübschen Frau verheiratet, die im Wahlkampfteam von John F. Kennedy arbeitet. Die Mafia, die viel Besitz in Kuba verlor, beauftragt den Profikiller, Fidel Castro umzubringen. Während er sich darauf vorbereitet, hört er ein Tonband, auf dem seine Frau ziemlich heftig mit John F. Kennedy bumst. Auf einmal kommt raus, dass er für den kubanischen Geheimdienst arbeitet und die Fidel-Castro-Sache sozusagen nur als Doppelagent bearbeitet hat. Sein Führungsoffizier, der aber auch beim FBI arbeitet, bringt seine Frau um – und der Profikiller findet das auch gar nicht sooooo schlimm, sie schütteln sich die Hände und sind wieder Kumpels. Er soll und will nun John F. Kennedy ermorden, da der Profikiller eigentlich wie seine Frau ein Kommunismusromantiker war und auf einmal auch schon ganz ganz lange für die Russen und ihre Weltrevolution arbeitet. Ein korrupter Bulle wird von der Mafia beauftragt, den von denen mit dem Fidel Castro-Mord beauftragten Profikiller wieder zu finden, der mit der Anzahlung verschwunden ist. Der 57jährige Teilzeitruheständler, der in einer Szene mit 2 gezielten Schlägen zwei durchtrainierte Personenschützer vom Secret Service KO haut, findet heraus, dass der Profikiller die Seiten und seine Absicht gewechselt hat, und nun John F. Kennedy umbringen möchte – und mit Hilfe der aus Eigeninteresse auf einmal proamerikanischen Mafia beschützt er nun den frisch gewählten Präsidenten und …
An der Stelle fand ich’s zu schwachsinnig, um weiter zu machen. Nicht einer der Charaktere ist in irgendeiner Hinsicht glaubwürdig. Der Profikiller tritt als Persönlichkeit kaum in Erscheinung, was aber halbwegs passt, weil er ja jemand ist, der kaum Freunde hat. Er bleibt blass – was als Profikiller ja ganz nützlich ist (als Romanheld aber nicht so). Trotzdem ist ihm seine Identität ziemlich schnuppe, denn die Vorbereitung des Castro- und des Kennedy-Attentats sind ungefähr so geheim wie das Twitter-Konto von Ashton Kutcher. Der 57jährige Bulle ist superfit und superschlau, aber karrieremäßig steht er auf dem Abstellgleis und ist ziemlich fett. Die Frau vom Profikiller ist erst lieb, dann eine Schlampe, die im Auftrag der Revolution sterben muss. Alle anderen wollen gerne fies sein, machen viele coole Sprüche, die aber irgendwie nicht cool sind (vielleicht weil es Männer sind und eine Frau übersetzt hat?), und sind ansonsten ziemlich dämlich.
Ich schreibe hier nur so viel, damit auch wirklich jeder begreift, dass Der Tag X von Philip Kerr absoluter Schrott ist. Ob das an Philip Kerr oder Cornelia Holfelder-von der Tann liegt, weiss ich nicht. Ich will’s aber auch nicht wissen – um beide mache ich ab sofort einen Bogen. Und das ist meine Empfehlung!
Tags: Cornelia Holfelder-von der Tann, Der Tag X, James Ellroy, Maj Sjöwall, Per Wahlöo, Philip Kerr, Raymond Chandler









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