(Bin heute seit einer Woche im Urlaub, und habe gerade mein 4. Buch zu Ende gelesen. Bei solchen Viellese-Aktionen bevorzuge ich einen gesunden Mix aus Romanen und Sachbüchern. Die Romane lesen sich schneller, aber nur Romane halte ich nicht lange aus – dann fehlt mir ein bisschen die Substanz. Also Sachbücher dazwischen gemengt, damit man auch was zum Nachdenken hat. Die sollten aber idealerweise kurzweilig geschrieben sein.)

Ein interessantes Thema, fand ich, als ich den Klappentext von 1x1 des Universums von John D. Barrow las. Astronomie interessiert mich ziemlich stark: ich lese viel darüber, und bin eine Zeitlang auch nachts mit einem Teleskop unterwegs gewesen. Wir haben mit dem Teleskop unsere Nachbarplaneten verfolgt, haben mit einer selbstgebastelten Nachführung Langzeitaufnahmen vom Himmel gemacht oder uns einfach auf dem Rücken liegend mit unseren Fernrohren den Sternenhimmel angeschaut.

Amazon.de: 1x1 des Universums von John D. Barrow

Amazon.de: 1x1 des Universums von John D. Barrow

Der Autor John D. Barrow ist theoretischer Physiker und Professor für angewandte Mathematik und theoretische Physik an der Uni Cambridge und er kann wirklich gut schreiben (und/oder sein Übersetzer Carl Freytag kann das so gut). Hier geht es um die Naturkonstanten, die festlegen, wie unser Universum beschaffen ist. Konstanten wie die Feinstrukturkonstante, die Lichtgeschwindigkeit, die Gravitationskonstante und weitere.

Das Interessante dabei ist, dass diese Konstanten bestimmte Werte haben, die uns das Leben ermöglichen. Wären diese Werte nur geringfügig anders, wäre Leben nicht möglich: entweder würde es keine Atome geben, oder der interstellare Staub würde sich nicht zu Galaxien und Sternen verdichten und somit keine höherwertigen Atomkerne vorbringen usw. Es scheint, so Barrow, als ob das Universum entworfen wurde, um intelligente Wesen hervorzubringen, die es beobachten können. Das würde bedeuten, es gäbe für unsere Existenz einen höheren Sinn – eine wie ich finde beruhigende Aussicht.

Man vermutet, dass man die meisten dieser Konstanten irgendwann einmal erklären kann. Man sucht also eine Theorie von allem, die sogenannte Relative Quantengravitationstheorie, die dann auch einige oder alle dieser Konstanten erklärt. Warum sie also genau diese Werte haben, die uns das Leben ermöglichen. Gleichzeitig fragen sich die Wissenschaftler, ob die Konstanten wirklich konstant sind, oder sich im Laufe der Geschichte unseres Universums leicht oder weniger leicht ändern.

All das erklärt Barrow sehr einleuchtend und leicht verständlich. Er zeigt die Geschichte der Suche nach den Konstanten auf, macht uns mit allen wichtigen Wissenschaftlern und ihren Beiträgen und Irrwegen bekannt. Er zitiert oft aus Briefen, Theaterstücken. Insgesamt liest sich das sehr amüsant, und ist doch gleichzeitig sehr lehrreich.

Wer sich für Naturwissenschaft und unser Universum interessiert, sollte unbedingt zugreifen. Wer bei diesen Gebieten Neuland betritt, kann es mit Barrow’s 1×1 des Universums ruhig wagen – amüsanter und verständlicher wird’s wohl kaum gelingen.

Amüsante Idee am Rande:

Arthur Eddington war ein Wissenschaftler, der die erste leichtverständliche Einführung in die Relativitätstheorie geschrieben hat. Er fand als erster heraus, wie Sterne ihre Energie aus Kernreaktionen gewinnen. Er leitete die Expedition in den Golf von Guinea, die die von Einstein vorhergesagte Ablenkung des Lichts durch Gravitation bei einer Sonnenfinsternis im Jahre 1919 bestätigte.

Eddington war ein begeisterter Radfahrer und blieb dieser Begeisterung bis ins hohe Alter treu. Seine Leistungen beim Radfahren klassifizierte er mit der Eddington-Zahl E:

E ist die Zahl der Tage, an denen Eddington mehr als E Meilen mit dem Rad gefahren war. Ist E schon groß, bedarf es einer gewaltigen Anstrengung, um die Zahl auch nur um 1 zu erhöhen. Als Eddington im Jahre 1944 im Alter von 62 Jahren starb, betrug seine Eddington-Zahl 87.

Print Friendly

Tags: , , ,