Passend zum Jahrestag der Landung in der Normandie habe ich das Buch D-Day von Antony Beevor gelesen:

Amazon.de: D-Day by Antony Beevor

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Beevor schreibt sehr spannend und hat für dieses Buch umfangreich recherchiert, in offiziellen Archiven über Tagebücher beteiligter Generäle bis hin zu Briefen und Interviews von und mit Soldaten, Krankenschwestern und der Zivilbevölkerung in der Normandie. Seine Darstellung ist neutral – am Ausgang des Kampfes besteht keine Unklarheit, aber auf der deutschen Seite wird nicht nur Schlechtes berichtet, und auf der alliierten Seite nicht nur Gutes. Interessant ist, gleichzeitig das Mikro-Bild einzelner Scharmützel zu verstehen und ebenso das Makro-Bild des gesamten Krieges. Das kriegt Antony Beevor wie kein anderer hin, indem er die großen strategischen Zusammenhänge hervorhebt und gleichzeitig Anekdoten einzelner Personen schildert, die an den resultierenden Kampfhandlungen teilnehmen.

So erzählt Beevor an einer Stelle von einer französischen Krankenschwester, die am Tag vor der Landung am Strand baden war und ihren Badeanzug vergaß. Am nächsten Tag wollte sie ihn holen, und fand den Strand unter Artilleriebeschuss und voller verwundeter Soldaten. Als Krankenschwester begann sie darauf hin, den Verwundeten zu helfen – und verliebte sich prompt in einer der Soldaten, den sie später heiratete.

Geschichten wie diese machen dieses Buch so persönlich, berührbar. Darüber hinaus ist fesselnd geschildert, welche Entscheidungsmöglichkeiten die beteiligten Truppenkommandeure auf beiden Seiten und wie sie diesen Freiraum genutzt haben. Auf beiden Seiten gab es rückblickend oft Fehlentscheidungen, die die Lage beeinflusst haben.

Aus kreativer Sicht

Weil das hier der Denkpass ist, interessiert natürlich auch, ob man aus kreativer Sicht was lernen kann. So gesehen nichts – außer dass die Motivation wichtig ist. Da gibt es zum einen die allgemeine Motivation, und dann die Motivation, kreativ zu sein. Ist die erste nicht vorhanden, bleibt die zweite auch aus. Gerade wenn es um Leben und Tod geht, muss man aber schnell aus den eigenen Fehlern lernen. Das gelingt beiden Seiten mehr oder weniger. Man spürt aber deutlich, wie die Motivation auf deutscher Seite im Verlaufe des Feldzugs nachlässt – nicht nur, weil man am Verlieren ist, sondern hauptsächlich deswegen, weil sich die deutschen Truppen betrogen und zurückgelassen vorkommen. Sie sollen jeden Meter Boden mit ihrem Leben verteidigen, wofür ihnen auch Luftunterstützung versprochen wird. Die bleibt aber aus, wie auch jede andere Zusage für Ersatz, mehr Munition, Vergeltungswaffen etc. Die Moral sinkt dramatisch. Einzig fanatisierte SS-Verbände kämpfen weiter im Glauben, die Heimat vor dem Untergang bewahren zu müssen.

Fazit

Ich habe noch nie ein Sachbuch über den Krieg gelesen, das so spannend und detailreich geschrieben war wie D-Day von Antony Beevor. Ich werde weitere Bücher von ihm lesen, weil er spannend schreibt und sehr gut recherchiert. Die Schlachten werden nicht nur intellektuell seziert, wie in vielen anderen Büchern, sondern das Schicksal einzelner Menschen tritt hervor. Das macht das Buch so gut: man versetzt sich selber in die Situation. Ich kann es nur empfehlen!

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