Herzinfarkt für bundesdeutsches Exportmodell

Die Frage beschäftigt uns mittlerweile alle: wie lange wird die Krise wohl dauern? Wird die Entwicklung des Bruttosozialprodukts, aufgetragen in einem Diagramm, einem L, einem V oder einem W ähneln? Wolfgang Münchau schreibt in der Financial Times, dass sich Deutschland wohl auf ein L einrichten darf: drastische Einbrüche, gefolgt von langem Stillstand. Weil die Argumente einleuchten, will ich sie hier aufführen.

Die Ursachen

Wir gehen von folgenden Annahmen aus:

  1. Amerikanische Haushalte werden künftig anfangen zu sparen, und sich nicht weiter verschulden. Das wird selbst dann so sein, wenn wir nun einen starken wirtschaftlichen Aufschwung erleben sollten.
  2. Auch amerikanische Firmen werden ihren Hunger auf Fremdkapital zügeln und künftig weniger stark hebeln.
  3. Die amerikanische Regierung wird nach 2010 dran arbeiten, ihr Defizit zu reduzieren.

Nimmt man diese drei Trends zusammen, so ergibt sich, dass die USA ihre Leistungsbilanz, den Unterschied zwischen importierten und exportierten Gütern, Dienstleistungen und Überweisungen, künftig ausgeglichen gestalten werden. Das wird wohl auch in Großbritannien und Spanien passieren.

Die drei Länder mit dem größten Überschuss in der Leistungsbilanz sind China, Japan und Deutschland. Diese Länder verdanken ihre positive Leistungsbilanz hauptsächlich ihren starken Exporten, die viel Geld ins Land bringen. Wolfgang Münchau schaut nun auf Deutschland und stellt folgendes fest:

  • Deutsche Haushalte werden wohl weiter viel sparen
  • die deutsche Regierung bemüht sich bereits jetzt, ihr Defizit zu reduzieren

Die Folgen

Global betrachtet heben sich die Leistungsbilanzen aller Länder auf. Wenn also alle sparen, muss jemand entweder mehr ausgeben – oder weniger einnehmen. Gerade in Deutschland ist die Handelsbilanz, also die Differenz des Wertes exportierter und importierter Güter, eine sehr gute Näherung der Leistungsbilanz. Denn Dienstleistungen exportieren und importieren wir kaum, und Überweisungen aus dem Ausland oder ins Ausland sind auch kaum nennenswert.

Eine dramatische Verringerung des Handelsdefizits in den USA, Spanien und Großbritannien impliziert also eine entsprechende Verringerung von Handelsüberschüssen anderswo. Und diese strukturelle Veränderung, so Wolfgang Münchau, kann durchaus bedeuten, dass das exportorientierte Wirtschaftsmodell der Bundesrepublik einen Herzinfarkt erleiden wird. Auch Exporte innerhalb der EU werden da nicht helfen, da auch dort finanzielle Ungleichgewichte abgebaut werden.

Wahrscheinlich wird der Herzinfarkt unseres Exportmodells angekündigt durch einen drastischen Anstieg des Euros im Vergleich zu vielen anderen Währungen. Entwertung der Währung wird beispielsweise den Amerikanern helfen, ihre Probleme schnell zu lösen. Aufwertung des Euros wird unsere deutschen Probleme aber verschärfen – daher die Kritik Angela Merkels an der amerikanischen Währungspolitik.

Das Fazit

Wolfgang Münchau tippt also auf eine L-förmige Krise: dramatischer Abschwung, gefolgt von langem Stillstand:

Deutschland wird lange an dieser Krise knabbern – eine große und immer noch ungelöste Krise des dreisäuligen Bankensystems, eine erhitzende Währung und deutlich niedrigere Exporte, alles angeführt von Politikern die sich panisch mit Inflationssorgen quälen. Das wird nicht gut enden.

Ist das der Herzinfarkt für das bundesdeutsche exportorientierte Wirschaftsmodell?

>> Gefunden bei Financial Times London

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