Ich war gestern für eine meiner Firmen auf einem Kongress in Kronberg/Taunus. Einer der Vortragenden dort war Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Herr Schirrmacher war im Gegensatz zu allen anderen Vortragenden nur für seinen Auftritt angereist, und das, soweit ich sehen konnte mit dem Auto. Ich an seiner Stelle würde ja immer mit dem Zug fahren, einzig und allein bereits deswegen, weil an der südwestlichen Glasfassade des Frankfurter Hauptbahnhofs eine riesengroße Werbung der FAZ weithin vom Rang der Zeitung im deutschen Blätterwald kündet.
Frank Schirrmacher hatte sich die Zeit genommen, uns was zum Thema Krise – Lessons Learned zu erzählen. Gegen Ende seines kurzweiligen und bemerkenswert freien Vortrags wies er darauf hin, dass Barack Obama derzeit in ökonomischer Hinsicht auf das Urteil von Behavioural Economists vertraut. Das sind Ökonomen, die sich mehr mit dem Verhalten von Marktteilnehmern beschäftigen als mit der Rationalität ihres Handelns. Gerade die Rationalität menschlichen Handelns aber, der Homo oeconomicus, ist Grundlage eigentlich aller gängigen ökonomischen Theorien und Modelle in der Finanzwelt.
Interessanterweise beschäftigt sich die Vereinigung der Chartered Financial Accountants (CFA) auch gerade intensiv mit diesem Thema, so ein Artikel der Financial Times. In einer Umfrage unter Mitgliedern haben sich mehr als 77 Prozent der Befragten dahingehend festgelegt, dass Investoren keinesfalls rational handeln. Viele glauben, dass Behavioural Finance das Verhalten von Marktteilnehmern besser erklärt. Trotzdem geben nur 14 Prozent der Befragten diesem neueren Ansatz die Chance, allein gültig zu sein. Interessanter Beitrag also, der einen Teil des Phänomens Finanzmärkte erklären hilft. Aber eben nicht alleiniges Fundament einer möglichen Theorie, die alles erklären hilft.
Somit hätte ich gerne mit Frank Schirrmacher diskutiert, ob es dann nicht von Barack Obama ein Fehler sei, sein Ohr einzig und allein behavioural economists zu leihen. Die statistisch relevante Bewertung der fundierten Aussagen erfahrener Marktteilnehmer zeigt immerhin, dass die Theorie höchstens einen Teil des menschlichen Verhaltens im Umgang mit Milliarden erklärt. Sollte Obama dann nicht im Sinne einer ausgewogenen Beratung auch Ökonomen anderen Schlags zu seinen Beratern machen?
Gestern Abend war ich jedenfalls zu sehr mit dem Einpacken meines Standes und den Freuden des anschliessenden Get Togethers beschäftigt. Heute habe ich versucht, Frank Schirrmachers Mail im Web ausfindig zu machen. Seltsamerweise liefert eine Suche nach möglichen eMail-Kontakten von Herrn Schirrmacher bereits auf der ersten Suchseite hauptsächlich Verweise auf Online-Casinos und Online-Wettbüros, die ab der zweiten Seite das Suchergebnis komplett beherrschen. Was soll das denn bedeuten?
Etwa ein Hinweis darauf, dass Investoren manchmal einfach nur zocken wollen? Eine neue Theorie vielleicht?
Tags: behavioural economists, behavioural finance, FAZ, Frank Schirrmacher, Verhaltensökonomie, zockende Investoren








