Wenn man Fehler macht, muss man das auch zugeben. Sagt man so. Mindestens genauso wichtig ist, aus dem Fehler zu lernen. Sonst wiederholt man das alles. Wer aus den Fehlern der Geschichte nicht lernen will, ist gezwungen, sie zu wiederholen, hat mal irgendwer gesagt. Womit wir bei der Geschichte sind.
Mein Fehler war, anzunehmen, dass ich Leserbriefe in der Zeitung getrost ignorieren kann. Da steht doch sowieso nur Mist drin, habe ich gedacht. Bis ich vor kurzem in der Financial Times einen Leserbrief las, der die Anglifizierung von John Cabot in einem Artikel über Bristol lamentierte. John Cabot ist nämlich erst mit 40 Jahren nach Britannien kommen. Er war vorher in seiner italienischen Heimat als Giovanni Caboto bekannt. Das war schon mal interessant, fand ich.
Dann gab’s am Wochenende eine Antwort darauf, sozusagen eine sich verselbständigende Diskussion unter Lesern der Financial Times – durchaus vergleichbar einer angeregten Kommentarschlacht bei einem Blog (wie z.B. oft auf Imgriff zu sehen, wo selbst ich sehr viel mehr Kommentare induziere als hier beim Denkpass). Ein gewisser Mark Reinier von der Isle of Islay schreibt folgendes:
Sean O’Murphys Brief vom 9. Mai lamentiert über die Anglifizierung des italienischen Seefahrers Giovanni Caboto zu John Cabot. Der berühmte Navigator zog erst im stolzen Alter von 40 Jahren von Italien nach Bristol. Ausgestattet mit einem Auftrag von König Henry VII. unternahm er zwei Expeditionen. Die erste davon brachte ihn zur Küste von Neufundland, während die zweite im Nirgendwo endete. Seltsamerweise gibt es ausgerechnet in Rom eine Universität, die nach John Cabot benannt ist, und nicht nach Giovanni Caboto.
Neuen Untersuchungen von Archiven in Genua und Spanien zufolge, die der Historiker Alfonso Ensenat de Villalonga unternahm, war das seinerzeitige Äquivalent zu John Cabot ein sogenannter Pedro Scotto.
Peter the Scot, wie man ihn auch nannte, war Sohn schottischer Eltern, Eigentümern eines kleinen Ladens im Hafen von Genua. Es scheint, dass er als junger Mann für einen Piraten namens Vincenzo Columbus gearbeitet hat, dessen Nachname als Spitzname an ihm haften blieb. In einer Chronik der katholischen Könige in der spanischen Nationalgalerie wird dieser Entdecker als Pedro Columbus erwähnt. Heute ist er uns bekannt als Christoph Kolumbus.
So. Und jetzt bleibt mir nicht mehr zu sagen als: Danke schön. Das ist spannend geschrieben, unterhaltsam und rhetorisch einwandfrei. Eine Freude, sowas lesen zu dürfen. Leserbriefe sind also durchaus ebenso lesenswert wie das Medium, auf das sie sich beziehen.
Ich gebe meine Fehler offen zu. Ich lerne daraus. Ich werde ab sofort ein Leserbrief-Junkie sein.
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Tags: Bristol, Christoph Kolumbus, Christopher Columbus, Financial Times, Genua, Giovanni Caboto, John Cabot, Leserbriefe, Peter Scotto, Peter the Scot







