Nassim Nicholas Taleb ist sowas wie ein traumatisierter Finanzmathematiker. Er hat ein ziemlich cooles Buch über unwahrscheinliche Ereignisse geschrieben: Der Schwarze Schwan – Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. In seinem Buch prophezeit Taleb sehr früh die Finanzkrise, und wirft Finanzmathematikern und Finanzstatistikern vor, Risiken in Finanzderivativen falsch zu beurteilen.

Taleb interessiert sich für den Zufall und die Rolle von Unbestimmtheit in Wissenschaft und Gesellschaft. Er vertritt die Ansicht, dass die meisten Menschen den Wert rationaler Erklärungen überschätzen und die Rolle des Zufalls unterschätzen. So verlassen sich sogenannte Quantfunds bei ihren Investments auf die Auswertung historischer Zahlenreihen, in der Annahme, dass sich daraus auch das künftige Verhalten aller Marktteilnehmer in verschiedenen Situationen ableiten lässt. Ein schwarzer Schwan ist für Taleb ein glückliches oder unglückliches Zufallsereignis mit großen Auswirkungen. Für die Quantfunds war die Finanzkrise seit September 2007 so ein schwarzer Schwan, der zu riesigen Verlusten führte.

Nassim Nicholas Taleb schlägt in der Financial Times folgendes 10-Punkte-Programm vor, um Schwarzer-Schwan-Ereignisse wie dieses in der Finanzwelt künftig zu vermeiden:

  1. Was nicht robust genug ist, sollte so früh wie möglich zerbrechen, solange es noch klein ist. Nichts sollte jemals zu groß sein, um kaputt gehen zu dürfen. In Deutschland düfte damit wohl die Rettung der Hypo Real Estate gemeint sein.
  2. Kein Verteilen von Verlusten bei gleichzeitiger Individualisierung damit verbundener Gewinne. Was auch immer vom Staat gerettet wird, sollte auch nationalisiert werden. Rettet man also die Hypo Real Estate durch Steuergelder, dann sollte sie auch nationalisiert werden, damit die Steuerzahler später davon profitieren.
  3. Leute, die mit verbundenen Augen einen Schulbus fahren (und kaputt machen), sollten nie wieder einen Schulbus fahren dürfen. Damit ist das ökonomische Establishment gemeint (Politiker, Banker, Zentralbanker, Volkswirte), die alle die Krise nicht vorher gesehen haben.
  4. Lasse niemand, der einen am Gewinn gekoppelten Bonus hat, ein Nuklearkraftwerk (oder Deine finanziellen Risiken) managen. Wahrscheinlich werden diese Leute die Gewinne maximieren, indem sie an der Sicherheit sparen (und sich dabei konservativ darstellen).
  5. Finde ein Gleichgewicht von Komplexität und Einfachheit. Die existierende, hochkomplexe Welt internationaler Wirtschaftsverflechtungen sollte mit einfachen, transparenten finanziellen Produkten einhergehen.
  6. Gebe Kindern keine Dynamitstangen zum Spielen, auch wenn Du sie warnst. Der Verkauf komplexer Finanzprodukte sollte verboten sein, da sie niemand wirklich versteht, aber alle glauben, es zu tun. Bürger und Gemeinden sollten vor sich selber und ihrer Gier geschützt werden.
  7. Nur Schneeballsysteme brauchen Vertrauen. Regierungen sollten es niemals nötig haben, wieder Vertrauen herzustellen. Gerüchte wird es immer geben, sie sind ein Nebenprodukt der Komplexität. Regierungen sollten es niemals nötig haben, Gerüchten an Finanzmarkten entgegen treten zu müssen.
  8. Gebe Süchtigen keine weiteren Drogen, wenn sie Entzugsschmerzen haben. Den Banken über niedrige Zinsen und Regierungsbeihilfen mehr Geld zu geben, damit noch mehr Schulden gemacht werden können, ist Irrsinn. Die hohe Verschuldung ist nicht ein temporäres Problem, sondern ein strukturelles.
  9. Wir sollten für unsere Renten nicht von finanziellen Vermögenswerten oder Experten-Ratschlägen abhängen. Finanz- und Aktienmärkte sollten nicht als Speicher unseres Vermögens verwendet werden, da sie nicht die Sicherheiten bieten, die wir als Menschen nun mal verlangen.
  10. Mach aus zerbrochenen Eiern kein gekochten Frühstückseier, sondern Rührei. Wir brauchen ein neues Finanzsystem, denn das alte werden wir nicht mehr reparieren können.
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