Was ist für eine Organisation besser, straffe Führung oder eine dezentrale Struktur, die sich ständig selbst organisiert? Das ist eine Frage, die Generationen von Managern beschäftigt hat.

Was ist für die Kreativität der Organisation besser? Ein Artikel in der Financial Times zeigt, wie diese Frage bei Google beantwortet wird. Die Suchmaschinenfirma strukturiert sich ständig neu, und ist dabei nahe an einem System kollektiver Intelligenz mit eingebautem Feedback.

Man hat bei Google genug Freiraum zum Experimentieren. Die monopolartige Situation im Suchmaschinengeschäft führt zu einem konstant wachsenden Cash Flow aus dem Kerngeschäft und gibt dem Unternehmen genügend Spielfläche, neue Ideen auszuprobieren. Die Unternehmenskultur, so Jeff Pfeffer von Stanford University, fühle sich dann auch eigentlich eher akademisch an denn geschäftlich.

Aber was macht Google anders als andere Firmen?

Zur Unternehmenskultur passende Personalauswahl

Google stellt Software-Ingenieure in den Mittelpunkt seiner Unternehmenskultur. Die Leute, die an der Software arbeiten, dem Kern des Unternehmens, stehen nicht hinter anderen Berufen zurück. Ich weiß nicht, inwieweit das im Silicon Valley eine Sensation ist, aber im Rest der Geschäftswelt ist es zumindest nicht selbstverständlich.

Zudem kommen viele der Software-Ingenieure frisch von der Universität. Nachteil: wenig Erfahrung. Vorteil aus Google-Sicht: diese Leute sind unbelastet durch Erfahrungen in streng hierarchisch organisierten Unternehmen. Und wenn man eine starke Unternehmenskultur hat und gute Einarbeitungs- und Ausbildungsprozesse, dann ist die Unerfahrenheit kein Nachteil.

Kreativität von unten

Bei Google wird zudem Wert darauf gelegt, dass Ideen von unten kommen. Alle Mitarbeiter/innen sind angehalten, kreativ zu sein. Alle haben dafür einen Tag pro Woche Zeit, ihre eigenen Ideen und Projekte voran zu treiben.

Basar der Ideen

Sobald eine Angestellte eine Idee hat, bringt sie diese in Eigeninitiative voran. Dazu gehört natürlich auch, diese Idee zu präsentieren und anderen vorzustellen. Mitarbeiter/innen bei Google arbeiten in kleinen, selbstorganisierenden Teams und haben einen gewissen Freiraum, sich diese Teams selbst auszusuchen. Die beste Idee findet so die meiste Unterstützung und wird zum ernsthaft betriebenen Projekt.

People vote with their feet; they move towards projects that interest them.

Dies geschah beispielsweise mit dem eMail-Service GMAIL. Die Idee dazu nahm ihren Anfang als Suchmaschinenapplikation, die Informationen in existierenden Mailsystemen suchen sollte. Daraus entstand ein eMail-Service, dessen Model sich später in anderen Online-Applikationen weiter entwickelte.

Unterstützendes Management

Was aus Managementsicht wie ein Alptraum klingt, wirkt für die Kreativität im Unternehmen Wunder. Die Rahmenbedingungen sind sehr gut, um individuelle und Kreativität in Teams zu fördern. Ideen, die bereits viel Unterstützung durch Mitarbeiter haben, versucht das Management hilfreich zu unterstützen anstatt die Richtung vorzugeben.

Den Mitarbeitern bei Google werden strategische Ziele vorgegeben, aber ihnen bleibt genügend Spielraum, sich diesen auf eigene Art und Weise zu nähern.

Print Friendly

Ähnliche Beiträge:

  1. Google Wave am Ende: Die Welle schwappt zurück Wellen kommen und gehen. Manchmal überlagern sie sich und wachsen...
  2. Einfach soll es sein: Ein Erfolgsgeheimnis von Apple und Google? Cem Basman (eins meiner Web2.0-Idole) hat darüber getwittert und dabei...
  3. Open Source kann Nutzern auch schaden: Google ist der Beweis! Google und Apple standen sich anfangs sehr nahe, vereint im...
  4. Wir-Denken: Auf dem Weg zur Schwarm-Intelligenz Das Internet hat uns auf unvorstellbare Art und Weise miteinander...

Tags: , , ,