Ich habe zwei Firmen. In beiden Firmen spüre ich die Krise mehr oder weniger.

Bei alpha-board bieten wir unseren Kunden Elektronik-Design und Fertigungsservice. Unsere Kunden sind in Branchen wie Industrie-Elektronik, Automotive, Luft- und Raumfahrt, Meßtechnik, Medizintechnik u.ä. zu Hause. Der Löwenanteil unserer Kunden verdient sein Geld aber als Lieferanten für Auto- und Flugzeughersteller. Die dortigen Flächenbrände spüren wir deutlich.

Bei alpha-board designen wir Leiterplatten

Bei alpha-board designen wir Leiterplatten

MASHAMO:KIDS ist unser Designermodelabel für schlichte, aber exklusive Kindermode und Babymode. Unsere Hauptabnehmer, Kinderboutiquen in Berlin, signalisieren uns dass Boutiquenbesucher sich beim Kaufen zurückhalten. Im Webshop kann ich das derzeit nicht erkennen. Ich würde die Situation so beschreiben: unsere Kunden geben insgesamt weniger aus, kaufen aber höherwertige Klamotten.

Frühlingsjacke für Kinder von MASHAMO:KIDS

Frühlingsjacke für Kinder von MASHAMO:KIDS

Warum schreibe ich das? Nun, man fragt sich natürlich auch, was in der Krise alles noch passieren kann. Ich bin überrascht von der Unsicherheit um uns herum. Alle Marktteilnehmer haben Angst. Und natürlich habe ich auch manchmal Angst.

Jason Calacanis hat auf seinem Weblog darüber geschrieben, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Firma pleite geht. Jason war CEO bei Silicon Valley Reporter, einem Unternehmen mit seinerzeit 70 Mitarbeitern und 12 Millionen $ Umsatz. Im Zuge des Dotcom-Busts ging das Unternehmen pleite.

Jason schreibt, man sollte sich auf sowas gefasst machen:

  • Laying off half your staff.
  • Laying off half your staff again three months later.
  • Spending 20 hours a week on the phone being yelled at and threatened while trying to renegotiate a dozen contracts–like your T1, phone system, rent, equipment leases, etc.
  • Having an investor scream at you and tell you that they will ruin you, your career and that “you’ll never raise money again, you mother f-er.”
  • Laying off half your staff for a third time.
  • Getting served a half-dozen lawsuits, courtesy of the folks who you tried to renegotiate with in point number three who wouldn’t deal.
  • Having one of the people you’re renegotiating with come to your office every week and ask for their check in person.
  • Having the same media outlet that once claimed you were the next Barry Diller write that you’re a fraud.
  • Not getting a good night’s sleep for six months.
  • Having dozens of paying clients default on their bills.
  • Having staffers who you really need to double down and focus walk out the door after you helped make their careers.
  • Have the people who begged you for a meeting at the peak not even return your emails or phone calls.

Wenn man damit nicht klar kommt, sollte man jetzt aussteigen. Jason Calacanis sagt aber, dass sowas zum Leben eines Entrepreneurs dazu gehört. Das sieht Kelly Abbott übrigens auch so: Scheitern gehört zum Erfolg dazu (via Imgriff). Hartnäckigkeit ist Teil des Erfolgsgeheimnisses.

Oder aber diese Hartnäckigkeit ist Teil einer Persönlichkeitsausprägung, die phallischer Narzissmus genannt wird, wie Janet Tavakoli in ihrem Buch Dear Mr. Buffett im Kapitel über Hedge Funds Manager ausführt. Rücksichtslose Motivation kann dazu führen, dass wir Niederlagen niemals akzeptieren wollen und nach Macht und Prestige streben. Auch das kann ja dazu führen, dass einige dabei bleiben, wo andere längst ausgestiegen sind.

Jason Calacanis gibt Tipps dafür, wenn die Firma dabei ist, pleite zu gehen:

  1. Bestimme, wie lange Dein Geld reichen wird. Und arbeite daran, diesen Zeitraum um mindestens 25 Prozent zu verlängern (Kosten sparen: eigenes Gehalt kürzen, Mitarbeiter entlassen, Verträge neu aushandeln etc.).
  2. Schaue Dir Deine Umsätze an und überlege, welche davon Du schnell erhöhen kannst.
  3. Schaue Dir Deine Gewinn- und Verlustrechnung monatlich mit Deinem Team an: Wo sind wir profitabel, und wo nicht? Überlege, wie Du profitabler werden kannst. Implementiere Deine Ideen und teste sie.
  4. Überwache die Aktivitäten, die zu Umsätzen führen und werte sie aus: Anzahl der Anrufe bei Kunden, Anzahl der Angebote etc. Belohne Deine Mitarbeiter für erfolgreiche Aktivitäten.
  5. Und falls gar nichts hilft, beginne mit der Planung, wie Du das Flugzeug sicher landen willst. Fahre Dein Unternehmen geordnet herunter, oder suche einen Käufer. Für beides brauchst Du Zeit, also fange nicht zu spät an.
Print Friendly

Ähnliche Beiträge:

  1. Ein Jahrzehnt geht zu Ende, ein neues beginnt Ein weiteres Jahrzehnt ist vorbei. Es ist mein drittes Jahrzehnt,...
  2. Sind wir bessere Menschen, wenn wir grüne Produkte kaufen? Machen uns nachhaltige Produkte zu besseren Menschen? Zwei kanadische Wissenschaftler,...
  3. Googles kreative Kultur: Wenn der Teufel kreativ wird Google sei sehr kreativ, so Google-CEO Eric Schmidt in einem...

Tags: , , , ,